Donnerstag, 211216

Komplimente bekomme ich eher selten. Falls überhaupt, dann ganz sicher nicht meinen eventuell vorhandenen, wie auch immer gearteten Charme betreffend. Gestern war es tatsächlich soweit: Kollegin U. meinte, ganz besonders würde sie meinen hölzernen Charme mögen. OK … besser hölzern als gar keiner, dachte ich. Freudig erregt teilte ich dies, ohne vollständige Erwähnung der Sache (ich weiß ja, wie neugierig der ist), meinem arabischen Lieblingskollegen mit, der zu gespielten Eifersüchteleien, was die Kollegin U. angeht, neigt. Der so, spontan:

Die verarscht dich!

Na klar, du Sack, dir werd ich nochmal mein Herz ausschütten. Doch, sagt der, hab genau gesehen, wie sie die Finger gekreuzt hat, während ihr miteinander gesprochen habt. Was hat sie dir eigentlich gesagt? Na, dat willste wohl gerne wissen, sage ich – und verlasse die Lokalität. So. Kommt der mir erwartungsgemäß hinterher und bohrt, neugierig, wie er ist. Sach ich nich, meine ich, unterschreib mir erst mal meinen Urlaubsantrag …

Wir lieben uns sehr.

Sonst so? Es werden immer weniger, auf Arbeit. Wenn ich durch die Umkleide gehe, sehe ich überwiegend leere Spinde mit den Namensschildern ehemaliger Kollegen. Der gekündigt, der in Rente, der verstorben. Last Men standing. Irgendwie beklemmend.

So. Gut (Klein-) Holz jetzt, mit beiden Händen.

Sonntag, 211212

Der dritte Advent – ich kann mich nicht erinnern, je so eine relativ ruhige Adventszeit gehabt zu haben, wenn auch krankheitsbedingt. Ein paar Tage darf ich dieses Jahr noch schaffen, ab nächster Woche, zwar noch nicht vollständig heil, aber nicht mehr infektiös, immerhin. Darf wieder verstärkt auf mich achten, in dem anstehenden Trubel. Was ich dieses Jahr nicht mehr mache – mich an dem Punk um Geschenke beteiligen. Will nix und gebe nix, ganz einfach. Dafür bin ich nach Kräften ganzjährig für meine Lieben da. Kaufmannsläden sind mir ein Graus, ebenso wie kaufen „auf Verdacht“, exzessives Online-bestellen eingeschlossen. Die schönsten Geschenke sind mir Begegnungen, in Zeit & Ruhe. Übrigens das erste Mal, dass ich mich das traue, auch offen zu leben.

Sonst so? Beim Wassertiger gibt es ein paar Worte zu den Themen Eigenliebe und Mangel. Nicht nur für suchtkranke Menschen wie mich ein Thema. Wünsche uns allen einen guten dritten Advent!

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Freitag, 211210

So gerne wäre ich ein friedvoller Mensch, ganz in meiner Mitte. Stets liebevoll, mitfühlend, objektiv und gelassen. Aber – immer und immer wieder wird mein inneres Gleichgewicht geprüft. Danke, Herr!

Bild von Markus Grolik aus dem Buch „Therapeutische Cartoons“ (Holzbaum Verlag): www.komischekuenste.com/shop/therapeutische-cartoons
(Werbung, unbezahlt)

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Donnerstag, 211209

Kommentare, die länger werden, kann man auch in Beitragsform packen.

Meine Lebensumstände sind nicht „zufällig“ so, wie sie sind. Immer gab und gibt es einen Sinn dahinter. Manche nennen es Prüfungen, das mag sein. Eines weiß ich heute gewiss: Es gab in meinem Leben Umstände, Gegebenheiten, Menschen, Gefühle, die mir den Schlaf geraubt haben, mich beinahe um den Verstand gebracht haben. Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass sich dieses mal ändern sollte.

Geschehen ist derweil im Außen zweierlei: Manches hat sich ganz ohne mein Zutun buchstäblich in Luft aufgelöst. Anderes wiederum hat sich nicht die Spur geändert. Im meinem Inneren dagegen geschah dito etwas: Für das, was sich gelöst hat, bin ich tief dankbar. Einerseits. Anderes ist unverändert, ja, berührt mich aber nicht mehr oder nicht mehr so stark.

Das macht Hoffnung. Hoffnung darauf, dass sich dieser lebenslange Prozess fortsetzen möge. War es bislang so, wird es auch so bleiben (können). Will sagen, auch das, was mir heute noch das Herz schwer macht, kann ich in einiger Zeit annehmen, wie es ist. Oder mich für dessen Auflösung bedanken. Und – das geile daran – es könnte sein, dass es sich um eine universelle Gesetzmäßigkeit handelt. Also nicht nur für mich Gültigkeit hat, sondern auch für andere Menschen.

Ja, und Du – auch für dich 🙂

Danke für die gelungene Anregung zum sortieren und klar kriegen, liebe Alice.

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Samstag, 211204

Ruhe ist, kein vorweihnachtliches Gedöns. Das Fell heilt allmählich und ich weigere mich, Geschenke zu besorgen, mich an dem jahreszeitlichen Irrsinn zu beteiligen. Schlange stehen nur dort, wo unvermeidbar, Papiermüll dito, aber da wird es schon schwieriger. Wunsch frei für die Festtage? Die Nächsten sehen, auf dass wir uns Zeit schenken. Essen, trinken, reden. So wenig und doch so viel.

Sonst so? Sarkasmus, klar, das geht immer, auch mit juckendem Fell.

Die Farben leuchten,
die Lichter funkeln!
Und alles dreht sich zur Musik!
So ist es perfekt, so soll es bleiben!
Für immer Liebe, Spaß und Glück!

Und:

Mittwoch, 211201

Leidend daheim – aus guten Gründen darf ich mich jetzt öfter mal pudern, so wie die mittelalterlichen Herren. Und noch etwas habe ich derzeit mit denen gemein: Duschen geht auch nicht. Ok, damit mich wenigstens die Katzen noch leiden können, gibt es ein improvisiertes Prozedere am Waschbecken, auch, damit aus der verkommenen Gemütlichkeit keine gemütliche Verkommenheit wird.

Icke & mein Puder – so ähnlich. Danke, Till.

Und ganz nebenbei lernt Mensch etwas über das herunterladen von Youtube-Videos und die Gestaltung von *.gif – Dateien (Werbung, unbezahlt – die Software ist wirklich gut) sowie über die Heraufsetzung der Uploadgröße in der Serververwaltung (nachdem ich festgestellt habe, das beim Wassertiger noch verschwenderische gut 70GB frei sind)

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