Donnerstag, 241226

This is no longer a working number

Es geschieht nicht oft, aber öfter als früher. Ein Mensch verschwindet aus meinem Leben. Das kommt vor, mal war ich derjenige, der sich abgewandt oder sich zumindest nicht mehr bemüht hat, mal der oder die andere. Manchmal, so wie kürzlich wieder, verschwinden Telefonverbindungen, mit ihnen Messenger-Kontakte. Günstigstenfalls sind sie umgezogen oder haben eine neue Mobilnummer. Ungünstigstenfalls leben sie nicht mehr.

Von Einer hätte ich gerne gewusst, was aus ihr geworden ist. Sie stammt aus Burscheid, zuletzt wohnhaft in Wuppertal und heißt Cordula Kratzer, eine begabte Steinbildhauerin. Vor Jahren traf ich sie mal im hiesigen botanischen Garten, wir waren beide in Begleitung und so war die Zeit zu knapp, ich selbst zu bewegt, um nach ihrer Nummer zu fragen. Vor einem Vierteljahrhundert waren wir befreundet, ohne „+“. Wir blieben eine ganze Weile freundschaftlich verbunden, bis sich unsere Wege endgültig verliefen. Wer weiß, wer noch ihren Namen sucht, hier landet und möglicherweise mehr weiß. Der oder die darf sich gerne melden, sollte mich freuen.

Geblieben ist ein Stein.

This is no longer a working number, (Baby)

Manche alte Verhaltensmuster ziehen nicht mehr, wie es heißt. Die habe ich abgelegt wie eine alte, zu enge Haut. Untendrunter mag vieles gleich geblieben sein, aber mein Umgang damit ist ein anderer geworden. Das gilt auch für die andere Richtung – was mich früher arg berührte, nehme ich heute zur Kenntnis, aber ohne emotional groß drauf reagieren zu müssen. Doppelte Richtung auch auf der anderen Seite – was mir früher am Arsch lang ging, geht mir heute näher. Innen wie außen.

Einer der überschaubaren Vorteile des älter-werdens.

This is no longer a working number, baby
Please redial your call
This is no longer a working number
Your party doesn’t live here anymore

Sonntag, 240915

Spannende Fragen, die mich schon lange beschäftigen: Was genau ist an einem Menschen unveränderbar, von Beginn an angelegt, genetisch oder durchfrühkindliche Prägung? Wie erkenne ich diese Anteile, ohne jahrelang den Don Quijote vor mir selbst abgeben zu müssen? Was sind meine ganz persönlichen Grenzen?

Versuch und Irrtum, ja klar, es kegelte Windmühlen, später kamen dann Erkenntnis und in der Königsklasse liebevolle Akzeptanz hinzu. Was mich treibt ist Neugier auf das, was noch zu ändern geht und hoffe, dass mir diese Neigung bis zum letzten Tag erhalten bleibt.

Seebildchen vom Baldeneysee, gestern Abend. Wasser hat für mich Magie und romantische Spiegeleien sowieso.

Samstag, 240817

Heimfahrt mit der Regio.

Köln Hauptbahnhof. Der Zug kommt und fährt pünktlich, was ich erwähnenswert finde. Eine Gruppe Bier-seliger Fußball-Fans steigt mit ein, lautstark, aber friedlich. Der Geräuschpegel ist enorm. Mittlerweile habe ich mich an die vielen Menschen gewöhnt, was bei mir immer eine Weile dauert.

Fast jeder schaut in sein Phon, ich nicht, bin gut damit beschäftigt, die vielfältigen Eindrücke rund um uns herum wahrzunehmen und währenddessen in Frieden bei mir zu bleiben. Es ist voll, zwei schwarze Mädchen setzen sich zu uns, die neben mir macht sich sofort dicht an meiner Seite weiter unten zu schaffen. Eine Steckdose für ihr Ladegerät, ok. Sorry, sagt sie und grinst.

Opladen steigt ein Junge aus, Typ Shit steht in riesigen Buchstaben hinten auf seinem Shirt. Was für ein Statement, denke ich und grinse angesichts meines eigenen Outfits. Schwarzes Shirt mit großem Kinski-Konterfei – Fun? There is no Fun. Typ böser alter weißer Mann, der manchmal Sachen sagt, die heute unsagbar sind und über Scherze lachen kann, die heute nicht mehr lustig sind. Aber in Frieden mit mir und Kinski kennen viele Kinder eh nicht mehr.

Die lauten rot-weißen Zeitgenossen steigen aus, umgehend kehrt Ruhe ein. Die letzten sind noch im Zug, da sehe ich die ersten beiden pissend am Bahnhofszaun stehen. Voll die Blase und groß die Not, kenne ich aus längst vergangenen Tagen, ohne Fußball, aber in vergleichbaren Zuständen.

Zwei Reihen vor mir sitzt ein Kerl, schaut wie alle anderen in sein Phon. Ich sehe nur sein Spiegelbild im Zugfenster, er schaut aus, als würde er nur mühsam seine Tränen zurückhalten. Schlechte Nachrichten, denke ich, oder irgendwas sonstig anrührendes. Ich mag Menschen, denen man ansieht, wie es ihnen geht, auch wenn es offensichtlich nicht gut geht.

Und wieder daheim, Kiez, Katzen, Kissen im Rücken. Ein guter Tag.

Unvergessen.

Mittwoch, 240612

Stimmen im Kopf – für mich selbst und alle, die sich angesprochen fühlen könnten.
Inspiration: Mariana Leky – Was man von hier aus sehen kann

In dem sehr liebevoll und mit einer guten Portion Humor geschriebenen Roman gibt es den Optiker, stiller Verehrer und Freund der Großmutter von Luise, dem Mädchen im Mittelpunkt.

Besagter Optiker hat, solange er denken kann, einen ewigen Kampf mit den Stimmen in seinem Kopf durchzustehen. Gleich, was er sich vornimmt, was er fühlt, es wird genörgelt, kritisiert, abgewertet, heruntergemacht und/oder von vornherein als sinnfrei abgetan. Er hält verzweifelt, aber erfolglos mit allen möglichen spirituellen Weisheiten, derer er habhaft werden kann, dagegen, will sie mit unter anderen mit Hilfe von Buddhismus vertreiben  – vergeblich.

Irgendwann erscheint unter dubiosen Umständen ein buddhistischer Mönch im Dorf, man kommt sich näher und der Optiker wendet sich in seiner Not an ihn.

Sie werden nicht verschwinden, sind ja deine Stimmen, die gehören zu dirHör auf, ihnen vorzulesen, die kennen das alles schon, deine Stimmen sind viel älter als alle diese Weisheiten. Schenke ihnen nicht mehr deine Aufmerksamkeit, dann werden sie beleidigt sein, jammern, weiter recht haben wollen, aber schlussendlich leiser werden.

In der Folgenacht schlief der Optiker so tief und schwer wie schon ewig nicht mehr.

Das deckt sich exakt mit meiner Erfahrung. Auch ich verschlang einst Unmengen an spirituell angehauchte Fachbücher und war begeistert. Geholfen hat es am Ende gegen meine inneren Überzeugungen (aka „Stimmen“) nichts. Die Annahme all dessen war dagegen der Beginn meiner Heilung. Und dann – geh raus in die Welt und übe, es anders zu machen, tagtäglich – im Verbund mit Gleichgesinnten. Das hilft.

240611 – Drabble Dienstag

Dieser Eintrag ist Teil vom Drabble-Dienstag, der momentan von der Puzzleblume ausgerichtet wird. Danke dafür!

Die Regeln: 100 Worte, die drei Vorgegebenen müssen mit rein, dürfen nach Herzenslust gebeugt, aber nicht durch Synonyme ersetzt werden. Überschriften, Triggerwarnungen, Fußnoten und dergleichen zählen nicht mit.

Die Vorgabe lautet heute: Errungenschaft – ausrollen – fest

Mittwoch ist es wieder soweit, sie rollen das neue Programmupdate aus. Früher war das immer gut, er hat sich für den freien Tag eingesetzt, um in die große Stadt zu fahren. Es gab Übungsplätze, für jeden ein PC-Programmierplatz. Es wurde präsentiert und geübt gleichermaßen, darüber hinaus gab es immer spannenden Austausch mit seinesgleichen.

Nach der Übernahme der Softwareschmiede sieht es anders aus – das Ganze hat Kaffefahrtcharakter. Drei Präsentationsblöcke, dazwischen Fremdprodukte, keine Übungen. Nur junge Leute aus modernen Werkstätten. er steht da verloren und weiß mit all den neuen Errungenschaften nichts anzufangen. Sein Enschluss steht fest, das war das letzte Mal.

Sonntag, 240407

Es gab mal eine Zeit, da habe ich so Sinnsprüche verschlungen. Wie überhaupt alles, was nach Weisheit auf dem Weg der Heilung klang. Unter anderen auch die Geschichte von dem Typ, der in einer Gefängniszelle sitzt und aufgehört hat, an die Freiheit zu denken, sich nicht einmal vorstellen kann, wie das ist, nicht eingesperrt zu sein. Irgendwann stand sogar seine Zellentür offen, aber er wollte nicht hinaus. Fragt mich nicht nach der Quelle, die habe ich vergessen.

Wie frei bin ich denn, mein Gefängnis zu verlassen? Kann ich wirklich das eine oder andere transzendieren, auflösen, um dahinter weiterzugehen? Oder ist es am Ende doch nur transformierter alter Wein in neuen Schläuchen? Rückschau hilft und die Antworten sind nicht homogen. Ist das, was ich einst als Gefängnis meiner Selbst empfand, nicht zur Basis eines neuen Lebens geworden? Wie kann man von ständigen loslassen sprechen, ohne in die Falle des Verdrängens zu laufen?

Es geht wirklich, neuronale Netzwerke entstehen neu, neue Erfahrungen überschreiben zwar nicht die alten, sonst könnte ich mich nicht erinnern. Die Frage ist, wie erinnere ich mich. Fühlt sich etwas immer noch schambesetzt oder angstbehaftet an, oder spüre ich mit Blick auch mal weit zurück den ersehnten Frieden? Oder neige ich zum vergessen, weil sich das am leichtesten anfühlt? Die medizinische Entsprechung wäre dann am Ende die der Demenz.

Ich spüre keine Erlösung, aber Fortschritt. Und Neugier, das Leben ist spannend, auch mit Blick auf dich, der Du das gerade liest. Auch Du kommst irgendwo her, bist irgendwo und sehnst dich irgendwo hin, lässt die Resignation nicht gewinnen und lebst Hoffnung.

Dann wären wir schon zu zweit 🧑‍🤝‍🧑​ 🙂

*

Zum Ende noch Lichtspiele eines frühen Frühjahrsmorgens. Immer nur für ein paar Minuten zu sehen, ich liebe es, die bildhaft festzuhalten.

*

Sonntag, 231203, erster Advent

Passt irgendwie in diese besinnliche Adventszeit.

Die weiße Wand

Für B., für alle anderen, die damit etwas anfangen können, und für mich zur Erinnerung.

Zweimal in meinem Leben stand ich vor den Trümmern meiner bisherigen Glaubenssätze, meines bisherigen Verhaltens. Nicht mehr weiter zu wissen, nicht mehr vor und zurück zu können, das waren die Merkmale dieser Lebenslagen. Kapitulation, wie man sagt – ich habe aufgehört, zu kämpfen.

Das erste Mal war vergleichsweise überschaubar, es ging um nichts weniger als um weiter leben oder langsam zu sterben. Natürlich ist das Leben an sich ein langsames Sterben, es kommt halt ganz auf die Qualität dessen an. Dazu kam, dass sich mein mögliches Ende durch mein Verhalten enorm beschleunigt hatte – Alkohol- und Drogen-induzierter geistiger, emotionaler und auch körperlicher Verfall ließen irgendwann eine Entscheidung unerlässlich werden. Ich durfte mich für das Leben entscheiden, ohne einen Plan, ohne die geringste Vorstellung davon, wie ich dies trocken, abstinent und klar im Kopf, zumindest im Sinne von chemischer Unklarheit bewerkstelligen sollte.

Dies war wirklich vergleichbar mit einem Raum, aus dem ich sämtlichen alten Krempel auf die Straße schmiss, anschließend neu strich, um dann rat- und planlos vor der weißen Wand zu sitzen. Du musst jetzt raus, irgend etwas unternehmen. Versuch und Irrtum ist die einzige Wahl, wenn man keinen Plan hat. Was folgte, war eine Art Auslese. Dies möchte ich nicht, das ist nichts für mich, aber hier fühlt sich etwas gut und richtig an, also geht es da weiter. Gewähr? Gibt es keine, dafür ein unbestimmtes Gefühl von Vertrauen und Schutz, von Beistand. Bild- und namenlos, vielleicht eine Kraft, die mir immer schon beistand, ohne dass ich ihr gewahr wurde. Jedenfalls erwies sich dieses ungewohnte Gefühl als überraschend tragfähig.

Das zweite Mal war scheinbar komplizierter, auf jeden Fall vielschichtiger. Es ging um nichts weniger als meine erlernten Beziehungsmuster. Zunächst zum anderen Geschlecht und – 10 Jahre zeitversetzt – auch zum eigenen Geschlecht (was eine Geschichte für sich ist).

Ich hatte irgendwann wirklich alle Varianten des mir Vertrauten durchlebt. Ihnen gemeinsam war das Grundgefühl, nicht zu genügen, stets im Mittelpunkt von Wertung und Urteil zu stehen. Ablehnung, wechselseitige Erhöhung und Erniedrigung, Machtspiele in allen Farben. Und – bei alledem Beistand um jeden Preis, gleich wie gruselig es sich auch anfühlen mag. Damit meine ich nicht jene Treue und Beständigkeit, die beide den Boden für jede Beziehung bilden, sondern die eher degenerative Variante dessen, Vasallentreue vielleicht. Was lässt in solchen Lagen verweilen, was lässt Menschen aneinander „kleben“, die sich alles andere als gut tun? Im Grunde ist es nur die Angst vor etwas vollkommen Neuen, gerne in Kombination mit der Angst vor dem allein sein. Die Angst vor der weißen Wand, gepaart mit dem Unvermögen, sich vorstellen zu können, wie es sich anders anfühlen mag. Das Alte ist zwar leidvoll, aber wenigstens vertraut. Scheiße hält halt warm, wie schon kleine Kinder wissen.

Bis auch hier irgendwann der Leidensdruck zu groß wurde. Bis die Vorstellung von einem so genannten Single-Dasein keinen Schrecken mehr verbreitete, sondern im Gegenteil eine erlösende Variante zu sein schien. Bis ich für mich ganz klar hatte – so wie gehabt nie wieder, dann lieber allein. So wirklich allein fühlte ich mich zu dieser Zeit schon lange nicht mehr, unabhängig von meinem jeweiligen Beziehungspartnern. Dieses innere „verlorene Kind“ schien irgendwie Halt gefunden zu haben. Ich kann das bis heute nur schlecht beschreiben. Die Worte Hoffnung und Zuversicht auf und für etwas völlig Unbekanntes beschreiben es am nächsten.

In der Folge durfte ich mich von allen mir vertrauten und bekannten Vorstellungen einer „Partnerschaft“ – ein Wort, das heute für mich eher zur Geschäftswelt passt – zu verabschieden. Wobei „Partnerschaft“ in Beziehungen, auch in meinen vergangenen, durchaus etwas von Handel hat, hatte. Die weiße Wand, die totale Leere, in der nichts unmöglich scheint, war auch hier die Grundvoraussetzung für wirkliche Veränderung.

*

Nachtrag: Das Gleichnis der weißen Wand scheint ein guter Weg, der eigenen Endlichkeit besser ins Auge sehen zu können.

Montag, 230403

Montag mit maulfaul, darum gibt es heute nur ein paar Bilder, die „Beute“ eines Spazierganges gestern.

Laurentius gruselig.

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Das Auge ist überall.

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Unterführungskunst am Überflieger, Lichtscheid

Mit Blick auf das letzte Bild –
Entenhausen blieb stabil,
zumindest vor gut 20 Jahren.

Donnerstag, 221103

Ein typischer November-Eintrag.

Heimkommen. Im mehrfachen Sinne. Windige, meerige Familientage sind vorüber, Geselligkeit hatte ebenso ihren Platz wie das Alleinsein und die Trauer. Die ist immer wieder zu Gast und das wird so lange dauern, wie es dauert. Ein Teil davon ist mir im Laufe meines Lebens zur zweiten Natur geworden, obgleich ich Humor habe und gerne lache. Das Loch von einst gibt es nicht mehr in gehabter Form, ich fühle mich schon getragen und geborgen, alles in allem. Mit den wahrscheinlich bei allen Menschen üblichen Schwankungen.

Bei aller Vertrautheit um mich herum fühlt sich diese Zeit für mich immer auch nach Abschied an, und damit meine ich nicht nur den Tod meines Vaters und den hoffentlich noch ein Weilchen dauernden Seitenwechsel meiner Mutter. Abschied von so mancher Körperlichkeit, auch von der eigenen Vitalität, der zunehmend degenerative Kräfte zu schaffen machen. Abschied von manchen Beziehungsbild, den ich so vor 10 oder 15 Jahren nicht hingenommen hätte. Aber etwas anderes gesellt sich zu mir – Tiefgang, im Rahmen des mir möglichen. Auch wenn alter Pessimismus sich immer wieder Bahn brechen möchte, spüre ich doch Vertrauen in den großen Plan, Zuversicht und Hoffnung. So kann das gerne weitergehen, allerdings wird mir zunehmend klarer – von allein wird das nicht unbedingt etwas. Eine gerichtete Lebensführung ist unerlässlich dazu, gelegentliche Pendeleien inbegriffen.

Samstag, 220521

Pflicht vs. Liebe

Charakter entwickelt sich durch die Erfüllung unserer täglichen Pflichten. Gehorche der göttlichen Eingebung und gehe unbeirrt deines Weges. Verfalle nicht in den Fehler, „Herr, Herr“ zu rufen, ohne die Dinge zu tun, die getan werden müssen. Zwar bedürfen wir Menschen stets des Gebets und der inneren Versenkung, aber dabei müssen wir trotzdem unsere Arbeit tun und unser Tagewerk pflichtgemäß verrichten. Der Mensch ist weise, der sich inmitten seiner Geschäftigkeit Zeit zur Muße nimmt und geduldig auf Gottes Führung wartet. Wer der göttlichen Eingebung gehorcht, der findet inneren Frieden.

Quelle

Selbst bei mir wecken diese Worte erst einmal leichten Widerspruch, erinnern sie mich doch stark an das evangelikale „bete und arbeite“. Und auch, wenn es in meinem Leben mal eine lange Zeit gegeben hat, in der ich mich über solche Aussagen lustig gemacht und dabei laut „Prost“ gesagt habe, weiß ich heute im Nachgang doch, so ist es.

Meine Pflicht tun – kann das ein Akt der Liebe sein? Als Mensch mit Trigon Sonne-Saturn im Geburtshoroskop weiß ich um die Macht von Verbindlichkeit und Beständigkeit. Meine Mutter tut ihre Pflicht, sagt sie. Ich tue die meine im Sinne des vierten Gebots. Du tust mehr als deine Pflicht, sagt die Liebste, das ist Liebe, was du tust. Mag sein, aber das blende ich aus, wenn ich mittendrin bin. So selbstlos, wie das alles manchmal scheint, ist es, denke ich, nicht. Es gibt etwas zu lernen, für mich. Erkenntnisse über das Alter, über die Hilflosigkeit, über Bedürftigkeit und allen damit verbundenen inneren und äußeren Widerständen. All dies registriere ich unterhalb der ausgeübten Pflicht, nehme es meist still zur Kenntnis. Nichts geschieht ohne Grund, so viel ist sicher.

Sonst so?

Es bewegt sich derzeit nicht viel, so scheint es. Von der Arbeit mal abgesehen, dort bin ich derzeit ganz auf mich allein gestellt, derweil mein arabischer Lieblingskollege aushäusig beschäftigt ist. Danke, Herr, für das besagte Trigon (siehe oben) sowie für ein mittlerweile recht dickes Fell, gepaart mit einem für manch einen gewöhnungsbedürftigen Humor, ein Gemenge aus Sarkasmus und Fatalismus. Last not least – Danke für meinen Kündigungsschutz, irgend einen Vorteil muss das älter-werden ja haben.

Und – in Erinnerung an meine zahlreichen Lehrerinnen und Lehrer (Boah, gegendert!), ich könnte euch versichern, so ihr denn noch leben tätet – es ist noch mehr als genug von mir übrig, auch wenn ihr mich einst in Teilen komplett abgeschrieben habt.