Montag, 241014

Ein Vierteljahrhundert

Neulich zerrte ich einen alten Ordner mit fast 25 Jahre alten Papieren aus dem Schrank. Ich muss immer heftig nießen bei Sichten so alter Sachen, kennt das jemand? Vergangenheitsallergie vielleicht? Einen Tag vor Heiligabend 1999 wurden meine erste Frau und ich geschieden. Natürlich hat es einen Grund, solch alten Mist anzuschauen: Die jeweils erworbenen Rentenpunkte hier wie dort, derweil gegen Jahresende mal ein wenig gerechnet werden soll, von kundiger Stelle. Und so kopiere ich um die 30 Seiten Zahlenwerke, die ich nicht verstehe, bis auf die geldwerte Differenz an Punkten zu meinen Lasten am Ende der Betrachtung. Erwartungsgemäß, das alles, wenn auch unerfreulich.

Allein das Datum – zu dieser Zeit lagen noch rund zwei Monate heftigster Exzesse und Abstürze vor mir, bis ich Ende Februar 2000 fertig mit mir war, im mehrfachen Sinne. Rückblickend war diese Zeit die gruseligste in meinem bisherigen Dasein. Nie habe ich es bereut, mich damals für das Leben entschieden zu haben – ich habe mir das Leben genommen, im wahrhaftigen Sinne, nachdem es mir zum zweiten Mal geschenkt wurde. Stumme Zeugen dieser Zeit sind staubige Papiere, von denen ich damals schon wusste, dass ich sie mir noch genau ein Mal ansehen muss.

Kommen jetzt die Russen?

Die Russen kommen, so hieß es oft in meiner Jugend, wenn die Dinge aus welchen Gründen auch immer völlig aus dem Ruder zu laufen drohten. Mal sah es auch nach gewissen Tagungen so aus, als wären sie schon dagewesen, man kennt das vielleicht. Und ja, es bestand zumindest die theoretische, wenn auch unwahrscheinliche Möglichkeit, dass sie tatsächlich hätten kommen können, die Russen.

Die Schwäche des Einen ist in der großen Politik die Stärke des Anderen und so besteht heute wieder besagte theoretische, wenn auch unwahrscheinliche Möglichkeit, dass sie kommen könnten, die Russen.

Wie komme ich darauf? Neulich fiel hier daheim das WLAN aus. Das kommt alle paar Monate mal vor, für ne Stunde auf zwei oder so, nicht ungewöhnlich also. Meist war das Festnetztelefon davon nicht betroffen, jetzt allerdings schon – keiner zuhause. Was mich dann aber doch ein wenig nervös gemacht hat, war die Tatsache, dass die Liebste und ich auch nicht den geringsten UMTS-Empfang hatten, obgleich in zwei verschiedenen Netzen unterwegs, also zeitgleich kein Mobilnetz und kein Mobiltelefon. Da kommen dann schon komische Gedanken, zumal im Radio darüber nichts zu hören war (die verheimlichen uns was, haben Schiss vor Panik). Zähl mal die Konserven und füll die Wasserkanister auf, wer weiß.

Nach gut einer Stunde ging zunächst das Festnetz wieder, ich rief den Betreiber an, der mir bestätigte, dass die Telekom an den Leitungen geschraubt hatte. Als ich ihm das mit den Mobilnetzen erzählte, war für ein paar Sekunden so ein merkwürdiges Schweigen in der Leitung, gefolgt von – wäre ja ungewöhnlich und so. Jedenfalls war der Spuk schon während des Gesprächs vorüber, alle Netze funktionierten wieder und die Russen kamen vorerst auch noch nicht, immerhin.

Vielleicht sollte ich mir doch mal so eine Kurzwellenfunkkiste besorgen, die kann man zwar nicht essen, wenn sie dann doch mal kommen, die Russen, aber man kann sich dann vielleicht mit anderen darüber unterhalten. Das hilft zwar nix, lenkt aber ein wenig ab, möglicherweise.

240702 – Drabble Dienstag

Dieser Eintrag ist Teil vom Drabble-Dienstag, der momentan von der Puzzleblume ausgerichtet wird. Danke dafür!

Die Regeln: 100 Worte, die drei Vorgegebenen müssen mit rein, dürfen nach Herzenslust gebeugt, aber nicht durch Synonyme ersetzt werden. Überschriften, Triggerwarnungen, Fußnoten und dergleichen zählen nicht mit.

Die Vorgabe lautet heute: Speisesaal + unterbrechen + schuldig
Heiteres Worteverwursten, heute in drei Helligkeitsstufen.

Die hellen 100

Liebesgeschichten beginnen oft in der Kantine, denkt sie auf dem Weg in den Speisesaal. Der Typ redet nicht viel, sitzt konzentriert am Schirm und blickt selten auf. Einen Ring trägt er keinen, das wäre schon mal abgeklärt, obgleich das nichts bedeuten muss. Lange ist er noch nicht im Haus.

Erste, denkt sie. Darf ich, fragt sie und setzt sich zu ihm, der seine Mahlzeit unterbricht, sie mit vollem Mund und stummer Geste auffordert, Platz zu nehmen. Sie schenkt ihm ein kleines unschuldiges Lächeln und setzt sich zu ihm. Die regenbogenfarbenen Ohrsticker gefallen ihr, sie deuten auf eher unkonventionelle Grundhaltungen hin.

Nicht ganz so hell

Sie sind ihm ein Graus und wecken Erinnerungen an eine Kinder-Kur in den 60ern. Speisesäle, so Zwangsvergesellschaftung zwecks Nahrungsaufnahme. Alles auffressen, vorher wird nicht aufgestanden. Jeden Tag kotzte ein anderes Kind über den Tisch und durfte dann krankenlagerische Unterbrechung feiern – was ja noch human war. In anderen Einrichtungen wurden sie gehalten, das gerade Befreite wieder zu sich zu nehmen. Natürlich waren alle unschuldig, die Schwarzpädagogen ihrer Zeit.

Lange her das, heute zieht er sich zum essen am liebsten wie ein Tier zurück. Leider muss er jetzt durch die dunkle Kantine, anders ist der Giftschrank mit den Drogen nicht zu erreichen.

Dunkel geht auch

Mit dem Auto ging es nur bis zum Wanderparkplatz unterhalb des Hügels, der Rest des Weges zur Ruine der Klinik mussten sie zu Fuß gehen. Der Einstieg war leicht, ein Bretterverschlag war lose, schon standen die beiden im ehemaligen Speisesaal der Psychiatrie. Ein Lost-Place aus dem Lehrbuch, langsam bewegen sie sich durch die moderigen Räume. Oft unterbrechen sie die Erkundung ob des derangierten Zustands der Bodendielen.

Die Wände erzählen, neben den Spuren von Vandalismus verkünden vergilbte Schilder von altem Nutzen. „Forensik“ steht da in Frakturschrift, „Schuldig!“ feuerrot daneben gesprüht – das letzte, was sie lesen, ehe der Boden unter ihnen nachgibt.

Samstag, 240323

Die Arbeit ruft und ich höre so schlecht. Gleich ist es 5 Uhr Nachmittags und der Plan war (ist immer noch), die Katzenklos zu säubern und staubsaugen. Anstelle dessen liege ich auf der Couch und schlafe, döse, tue mir nebenbei ein wenig leid, weil sich die familiäre Welt beruflich bedingt mal wieder weiter weg ohne mich dreht. Sei es drum, bis zum Rechner habe ich es schon mal geschafft.

Dazugehören, las ich gerade. Ein Blog weiter war von Therapie die Rede. Die Sehnsucht nach Gemeinschaft ist ungebrochen, ebenso mein Hang, mich zurückzuziehen. Kling nach Spannungsfeld und ist auch eines. Therapien hatte ich einige. Zunächst einmal 22 Jahre Alkohol- und Drogenmissbrauch, natürlich erfolglos, aber immerhin verhinderte der Konsum suizidäre Tendenzen, die es in jüngeren Jahren (und natürlich am klatschnassen Ende) durchaus gab. Eine Ärztin half mir damals da heraus, ebenso die anonymen Alkoholiker, denen ich heute noch verbunden bin. Stolperjahre folgten, in so ziemlich jedem Lebensbereich. Wer bin ich?

Heute betrachte ich mich als austherapiert, ich komme mit den neuen Methoden nicht klar und andere haben weit größere Nöte. Das bischen schwarzer Vogel ist vergleichsweise wenig. Es blieb etwas zurück, aber ich weigere mich, Medikamente zu nehmen. Es gab eine Entscheidung für Licht und Schatten, das schließt psychoaktive Medikation aus. Eine gute Hilfe ist mir allerdings eine lebenserfahrene Ergotherapeutin, die ich monatlich sehe. Die hat mit den modernen Therapiemethoden nix am Hut, hört gut zu und stellt gerne die richtigen Fragen an den richtigen Stellen. Selten, so Menschen.

Mein Beruf fordert und schafft mich allmählich, fast 46 Jahre lassen grüßen. Jemand im Blogland schreibt von angenommener Lebenserwartung, stellt sich ein fiktives Datum auf und zählt die Tage bis dahin. Auch ein Plan, denke ich. Irgendwann ist man im Erlebensfall im Plus, wenn man so möchte und darf Bonustage leben. So hat jeder Mensch seine Art, mit Endlichkeit umzugehen. Selbst darf ich zunächst zuschauen und nach Kräften dabei sein, wie Endlichkeit am realen Ende ausschaut. Mutter gibt ein gutes Beispiel dafür ab, sie freut sich trotz mittlerweile chronischer Tagesanlaufschmerzen über jeden weiteren Tag auf Erden. Sie liebt Blumen, wir versorgen sie damit nach Kräften, erst heute Morgen brachte ich gewisse Pötte mit. Schön soll sie es haben, aufm Grab nutzen Blumen einen Scheiß.

Im Sommer soll es familiär bedingt in die Schweiz gehen, der Liebsten ist das wichtig. Mir ist wichtig, sie trotz nur 2 Wochen Sommerurlaub zu begleiten und rede mir die Vorzüge dieses Trips ein, ohne wirkliche Überzeugung. Was ich möchte sind Tage am Meer, die Füße müde und den Geist leer gehen lassen. Viele Kilometer gehen, gut essen, salzigen Wind spüren, gut schlafen. Knackige Widersprüche also, und dann war da noch etwas mit dem Wunsch nach Zugehörigkeit, siehe oben. Erlösung davon ist nicht irdisch, so scheint es. Was wäre irdisches Dasein schon ohne Widersprüche? Harmonisch oder doch nur langweilig 😉

Fürs Erste greife ich mir gleich die Earbuds und lasse meinen fragwürdig geringen Tatendrang musikalisch befeuern. Wat mut, dat mutt.

Sonntag, 230924

Netzfund

Bildhafter geht es kaum noch. Ein gutes Symbol für alle Arten von Suchterkrankungen und zwanghaften Verhaltensweisen. Wäre die Lösung nur so leicht, wie das Bild vermuten lässt. Leider hat Vertrautes eine unglaubliche Macht, auch vertraute Beschränkung. Was gegen die Angst hilft, ist Vertrauen in Unvertrautes. Und Menschen, die den Weg schon vorausgegangen sind.

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Sonst so? Die Kreuz- oder Diakoniekirche zu Wuppertal wird gerade hübsch illuminiert.

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Und zum Schluss unser alter Hütekater der roten Laterne. Wüsste ich es nicht besser, ließe der Anblick fragwürdiges Etablissement vermuten.

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Sonntag, 230813

Ich mach mich schon mal warm, für nächsten Dienstag. Das war nicht so gedacht, hat sich aber so ergeben. Man erinnert sich vielleicht – Dreitagebart, Illusionen, erquickend – so waren die gewürfelten Worte aus Christines Buch. Danke an alle, die mich gestern Abend diesbezüglich inspiriert haben 💙

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Was ich mag – ehrliche Häute, gerne mit Dreitagebart. Menschen, die Sätze zu Ende bringen können, die ich angefangen habe. Oder umgekehrt. Menschen, die wie ich des Lebens heitere List kennen, gerne erquickend laut und schräg lachen, dabei jedoch über die Tiefe und Beweglichkeit verfügen, von jetzt auf gleich ernsthaft zu werden. Auch hier – umgekehrt auch sehr gerne! Menschen, die Sarkasmus und Ironie verstehen und auch selbst leben können, ohne zynisch und boshaft zu werden.

Menschen, die Alleinsein und Gesellschaft gleichermaßen lieben. Menschen, die neugierig geblieben oder geworden sind, Menschen, die sich keine Illusionen mehr leisten und dennoch das Leben lieben.

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Und – Danke an Sonja für das Wort des Tages heute. Beim lesen gingen in Sekunden so einige Filmsequenzen ab. Tragikomödien und auch Dramen. Keine Lustspiele, aber mit guten Ausgang. Lange her, das.

Und – weil es passt(e):

Schulschwänzer

Dieser Eintrag ist Teil eines Schreibprojekts von Myriade, Impulswerkstatt genannt. Schreiben nach Bildern, eine echte Herausforderung, finde ich. Die so genannten Mosaiksteine habe ich angesichts des biographischen Charakters des Eintrags nicht verwertet.

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Nette Vorstellung, einfach raus aus dem Unterricht. Dem Lehrer zum Abschied noch eine verpassen oder wenigstens mal ordentlich die Meinung sagen. Was das alles soll, denkt es in mir. Lernaufgaben nur zu meinem Besten, klingt es noch in den Ohren. Was für ein Hohn, angesichts der letzten Jahre.

Eine schwarze Woge aus Verzweiflung und Zorn überschwemmt mich. Die Vorstellung, einfach abzuhauen, die ist verlockend. Flüchten war immer schon meine Spezialität. Oder Duldungsstarre. Allein die Umsetzung macht Angst. Ein Wort streift mich, während ich mich selbst sehe, von weiter oben, da am Boden liegend. Auflösung – mehr gespürt als gehört, Worte haben keine Bedeutung mehr, angesichts der hämmernden Pumpe und dem kalten Schweiß, der sich stinkend auf meine Haut legt. Kannst mich haben, den Sitzenbleiber, es reicht, ich bin fertig.

Der nächste Morgen – es gibt ihn für mich, wider Erwarten. Du bleibst hier, höre ich eine leise Stimme. Das war noch nicht alles, ER wollte mich (noch) nicht. Nicht noch einmal – spüre ich, während etwas in mir kapituliert und ein anderer Teil leben möchte. Für einen wahren Aufbruch braucht es wohl erst die gespürte Auflösung des alten Ichs. Jedenfalls für Menschen wie ich einer bin.

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Worte zum Bild – Streifzüge

Dieser Eintrag ist Teil von Myriades Impulswerkstatt Juli-August 2023. Es stehen vier Bilder zur Wahl und es warten zwei so genannte Mosaikbausteine darauf, sich irgendwo im Text wiederzufinden. Hier nun „Erbsen“ oder „Spinat“ und „vergraben sollte sie werden“.

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Streifzüge

Wenn tief in mir Dunkelheit heraufzieht – dann, aber natürlich nicht nur dann – überkommt mich Bewegungsdrang. So streife ich beizeiten ziellos durch die Straßen und schaffe es nach einer Weile, den Verkehrslärm und die vielen anderen Eindrücke der Menschen um mich herum zwar noch wahrnehmen zu müssen, aber ausblenden zu können. Der stetige Gang, die Schritte, welche ich mit Steigungen oder Gefälle leicht in ihrer Frequenz ändere, die dazu angepasste Atmung, all dies zentriert ungemein. Geniale Mischung – Kräfte sammeln und sich zeitgleich verausgaben.

Beim gehen denke ich an einem uralten Film. Lola rennt – die 90er lassen grüßen. Das wäre was, einfach mal zurück spulen und so ein paar Kleinigkeiten anders machen. Klappt im Film hervorragend, leider aber auch nur dort. Vergraben sollte sie werden, die Vergangenheit, sagen manche. Dann kann es auf wunderschönen blumigen Auen arg nach Kacke müffeln, haarfeine Erdspalten lassen grüßen. Oder Mensch macht kompensatorische Karriere, zählt mit Hingabe Erbsen und frisst büchsenweise mentalen Spinat wie einst Popeye. Nix gegen mentalen wie realen Spinat, kommt halt immer drauf an, wofür. Hier nun stinkt es aus dem Tiefen der Erde bald nach krankem Ego, blutigen Ellbogen, nach zu viel Analyse und zu wenig Gefühl.

Und so gehe ich weiter, nehme den alten Mist der Vergangenheit als Dünger für die Beete der Gegenwart, spüre meine Füße, meine Beine, meinen Atem, alles. Gestatte dem Dankbarkeitsregenwurm, das Ganze zwecks besserer Erschließung gut zu lüften. Freue mich über meinen Bewegungsradius, wohl wissend, dass die Läufe sich einst mehr und mehr nach innen verlagern.

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Mittwoch, 220629

Gespannte Ruhe. Schnelltest, Umhergemurkse beim schlussendlich erfolgreichen herunterladen des Ergebnisses. Urlaub-Storno ins Auge gefasst. Geld, viel Geld wäre weg. Geld ist wichtig, hat er gesagt. Deswegen müsse ich immer arbeiten gehen, weil, wenn ich mit meinem Lebenswandel ein Sozialfall würde, kämen sie zu ihm und nähmen ihm alles weg. Wo ich so hinkäme, mit einem solchen Lebenswandel, dem ich prinzipiell nicht abgeneigt war, das interessierte nur peripher, wenn überhaupt. Kam ich nicht hin, wo ich hätte hinkommen können, Gott sei Dank. Und er? Realisiert so langsam, dass Geld nicht alles ist.

Sonst so?

Drama auch zuhause. Die Katzenfriseuse war da, die Jungkatze neigt zum filzen, da helfen irgendwann auch Kamm und Bürste nicht mehr weiter. Die mag sie nicht sonderlich und da, wo der Einsatz am nötigsten wäre, überhaupt mal gar nicht. Also muss alljährlich geschoren werden, unter Einsatz von leichter Sedierung, die Friseuse möchte nach getaner Arbeit ja auch noch halbwegs nett ausschauen.

Und – das Ergebnis:

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Montag, 220228

Pari.
Es steht

22 : 22

Kein Grund zum feiern,
zumal immer nur 24 Stunden zählen.
Stolz nein, Dankbarkeit ja.
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Sonst so?

Wuppertal-Beyenburg, Stausee

Es gehen nur wenige Schritte und die sehr, sehr langsam. Himmel und Wasser sind so blau wie die kleinen Tabletten, die ihm Angst und Verzweiflung nehmen, seit ein paar Tagen und auch an diesem sehr kalten Morgen. Es ist in Ordnung und ich habe keine Skrupel, ihm die Medikation anempfohlen zu haben. Wie werde ich es einst halten? Trägt der Glaube? Ich werde es erfahren. Vergessen wird keiner.

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Samstag, 220122

Bei dem Datum gibt es wenigstens eine kleinen Eintrag, auch wenn es nichts großartiges zu berichten gibt. Früher, vielleicht vor 30, 40 Jahren, da wurde mir schnell langweilig und es fanden sich Wege in den nächsten Exzess, Ekstase, Drama. Hauptsache, die Leere und die Traurigkeit nicht spüren. Später ließen sie sich nicht mehr bescheißen, die beiden letztgenannten, und forderten einfach nur Sedierung.

Heute, 220122 – ❤ – da sieht das Gott sei Dank anders aus. Auf Großartigkeiten kann ich dankend verzichten, auf Dramen erst recht. Ekstase – wird ab einem gewissen Lebensalter so nicht mehr serviert, auch das älter werdende Herz mag das nicht mehr. Ruhiger und tiefer wird es allmählich und selbst scheinbar ereignislose Regentage können der Seele Balsam sein. Scheinbar, weil irgend etwas geschieht ja immer, wenn auch im stillen.

Ansprechbar bleibe ich dennoch, auch im leicht geläuterten Lebensalter, für die etwas lauteren Töne. Die hier mag ich sehr, ein Fundstück aus den Staaten beim graben nach dem heimlichen König aller (Blas-)Instrumente, dem Saxophon.

Tuten & blasen? Können sie!

Den Takt nehme ich jetzt mit …