Irrlichternd bei Vollmond
Wieder mal ohne Ziel führt uns der nächstbeste Bus diesmal nach Solingen. Die mittlere der drei bergischen Städte, deren Zentrum in Sachen Häßlichkeit den anderen beiden in nichts nachsteht. Von dort geht es Richtung Ohligs, Hauptbahnhof von Solingen, obwohl die Ohligser, wenn man sie fragt, natürlich keine Solinger sind. Bergisches Klein-Klein, wie überall hier. Jedenfalls finden wir eine gute Pizzeria und stärken uns günstig, unterhalten von einem liebenswerten und etwas verschusselten Kellner.
Von Ohligs geht ein Bus über Hilden nach Düsseldorf, geradewegs in die Altstadt. Ich mag die melancholische Langsamkeit und freue mich über die sich verändernden Häuser. Zunehmend nur eine Etage, diese typischen Steinhäuser, die der letzte Krieg vergessen hat. Reste von dörflich- bis kleinstädtischem Charme. Es ist warm, hautzeigende Menschen, die alle sonstwohin wollen, an diesem späten Samstag Abend.
Düsseldorf ist kaum der Rede wert. Die Altstadt im gewohnten feiernden stinkenden und lärmenden Kleid, wir wuseln uns schnell durch und dürfen so gerade eben noch die Sonne abtauchen sehen.

Wir suchen und finden das Eiscafe von letztens, nehmen jeder einen ebensolchen. Ein Riesending mit allerhand Ungesundem, genau richtig für zwei schwächelnde Provinzler. Fett, Zucker, Koffein. Nebenbei die Mitmenschen, alt, jung, laut, leise. Ich bin gefühlt ein Teil von ihnen und irgendwie auch nicht.
Am Bahnhof dann die große DB-Verarsche, eine Anzeigetafel, die schneller lügen kann als ein Pferd laufen – das tun auch irgendwelche Arschlöcher bei Neuss im Gleisbett, erfahren wir, sie unterhalten solcherart die Polizei und die Züge stehen derweil herum und warten auf bessere Zeiten, so wie wir auch, die wir so langsam immer zahlreicher werden.

Endlich kommt doch noch die RE, mit einer guten Stunde Verspätung, gestopft voll. So gelangen wir immerhin in 20 Minuten wieder ins Tal der Wupper und kurz darauf auf dem heimischen Monte Petrol. Eine weitere ziellose Nacht mit zahllosen Eindrücken, gekrönt vom vollen Mond, der uns schlafen schickt.

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