112 Stufen – #93

Holsteiner Treppe, Wuppertal

93 – #Mitleid


Du sinkst in dich zusammen vor Schmerz. Der Verlust durchdringt dich bis auf die Knochen. Nichts davon kann ich dir nehmen und kein Wort ist zum Trost passend. Aber etwas geht immer – da sein, für dich. Einfach bei dir sein, vielleicht dich in den Arm nehmen oder uns einen Kaffee kochen. Zeit nehmen, Nähe geben, vielleicht eine Nacht bei dir bleiben.

Ich fühle mit dir, wenn ich dich so sehe und spüre, leide und weine auch mit dir, bis du wieder aufstehst, in der Welt.

Zum mitschreiben  – Jeden Tag eine Stufe?

112 Stufen hat die Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze. Seit Jahren sind sie im Rahmen eines Kunstprojektes in bunt gehalten und eine jede ist mit einem Begriff, einem Wort beschriftet.

https://www.horst-glaesker.de/Galerie/Fullscreen_Kunst_Raum/Scala.html

©wupperpostille_aka_grinsekatzoelberg

Mittwoch, 210106

Das Ende der so genannten Rauh-Nächte – sie schenkten mir eine Menge Träume, die mir wieder einmal zeigten, wo es noch etwas zu tun gibt, in mir. Und – beschenkten mich mit dem heutigen ersten Arbeitstag im neuen Jahr. Wie das so schmeckt, mag sich ein jeder selbst vorstellen – jedenfalls läuft alles noch, in alter Frische. Kein Grund zur Klage, ich habe trocken, warm und prinzipiell auch die Zeit, die ich brauche. Wären nicht die 85 Dezibel Dauerbeschallung, ich wäre stumm vor Glück und nicht, weil mich eh keiner hören kann.

Sonst so? Es gibt ein neues Wort in meinem Leben: Aplomb, im Sinne von aufrecht, gerade oder auch mit Nachdruck. Gefunden in dem Roman von Hellmut Krausser, Einsamkeit und Sex und Mitleid, den ich mir besorgt habe, nachdem ich neulich auf einen alten Blogeintrag von mir gestoßen bin (die Klickzahlen machten mich stutzig, offenbar ein ansprechender Titel). Das Buch ist wesentlich umfangreicher als der Film, feinste, kräftige, das Herz berührende Prosa. Sehr zu empfehlen!

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