Sonntag, 250427

Die Diva

Vornehm gibt sie sich, und leise. Meistens jedenfalls – wenn sie denn mal lauter wird, dann liegt es eher an ihrer Umgebung als an ihr selbst, versteht sich. Sie hat umfangreiche Talente, die sich allerdings nur nach gründlichem Studium offenbaren. Vordergründig gibt sie sich genügsam, Wasser reicht ihr völlig, zugesetzten Substanzen allerdings ist sie nicht abgeneigt.

Tut sie dann, was ihr zugedacht, dann gibt sie sich eigen. Komm mir bloß nicht zu nahe, das strahlt sie aus. In der Regel verrichtet sie ihre Kunst schweigend, nur am Ende der Vorstellung gibt sie eine lustige kleine Melodie zum besten, zum Zeichen vollbrachter Tat. Nähert man sich allerdings während der Vorstellung ungebührlich, dann pfeift sie kurz protestierend, um dann weiterzumachen, wie es ihr beliebt. Ihr, wohlgemerkt, nicht dem interessierten Publikum, dem am Ende keine Wahl bleibt, als die ganze Vorstellung brutal abzubrechen.

Ja, sie ist schon speziell, ihre älteren Schwestern waren weniger empfindsam, mit ihren derben Druckknöpfen aus Kunststoff. Die vergilbten halt mit den Jahren, nahmen aber keine außerplanmäßige Nähe übel, außer, wenn es ganz dicke kam. Die Diva dagegen mit ihrer feinen Sensorik versteht keinen Distanzbruch, und mit Frauen versteht sie sich offensichtlich besser als mit Männern. Damit habe ich mich abgefunden und meide ihre Nähe, gerade während der Vorstellung.

Geliebt wird sie trotzdem, unsere Waschmaschine.

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Freitag, 250425

Derangiert

Kaum ist der Besuch weg, werde ich krank. Nix Bewegendes, das Übliche, wenn dann. Bronchien und in der Folge Rotznase. Klassisch eben. Natürlich sozialverträglich im Urlaub, so gehört sich das. Mutter darf schauen, wie sie klar kommt, die Liebste kümmert sich, während Mothers Finest still leidet. Sei `s drum.

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Noch mehr Unbill

Alle Welt testet KI und freut sich, wenn das Sinn macht. Irgendwo tief unten macht sich bei mir die Sorge breit, künftig, wenn überhaupt noch, gegen Maschinen anschreiben zu müssen/dürfen. Die ich selbst angelernt habe (freie Texte werden still verfüttert). Es gruselt mir und ich verspüre keine Lust mehr auf `s schreiben.

Wo er gerade so fließt, der Rotz

Blogs bei wordpress.com brauchen eine Mailadresse. Diese Adresse dient nicht nur zum einloggen (alternativ zum Blognamen), sie wird auch zwingend beim Kommentieren gefordert. Missbrauch inbegriffen, so neulich wieder. Irgendwer kommentiert mit der original URL der Website eines Freundes samt dessen Anmelde-Mailadresse, die vermutlich irgendwann mal im Impressum stand – homophoben Scheiß, der niemals aus der Feder besagten Freundes stammt, dem ich schon lange folge. Ich weiß das, andere nicht und sind verständlicherweise erst einmal empört.

Merke: Es braucht hier keine Mailadresse im Impressum, das allgemeine Kontaktformular reicht völlig aus. Wer dennoch eine Adresse veröffentlichen möchte, sollte eine andere als die Anmeldeadresse nehmen.

Darüber hinaus ist für mich die Moderation aller Kommentare, also das manuelle freigeben jedes einzelnen Kommentares schon lange ein Muss.

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Zum Schluss noch was positives, damit das hier nicht ganz im Aschgrauen versinkt (hat das schöne Datum nicht verdient). Ich habe mich entschieden, wieder Rad zufahren und mir zu dem Zweck ein neues Rad geordert. Gute, mittlere Ausstattung mit allem Nötigen, aber ohne Strom. Möge die Luft noch für ein paar Jahre reichen. Bin gespannt, wie es sich fährt, wenn es dann da ist.

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Die Katzen sind mit der Gesamtsituation nicht unzufrieden …

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Ostersonntag, 250420

Es gibt Tage, an denen ich so ziemlich alles in meinem Leben in Zweifel ziehe. Mit allen anderen hadere und vor allem mit mir selbst. In solchen Zeiten verordne ich mir striktes Nichthandeln. Sichtbar bleibt, was man landläufig „schlechte Laune“ nennt, sowie eine gewisse Grundaggressivität. Darum weiche ich meinen Mitmenschen an solchen Tagen wo möglich gerne aus.

Gegenhalten: Er kommt wieder, in drei Tagen. Morgen also, spätestens. Und im Grunde isser nie weg. Wenn sich einer entfernt, bin ich das. Wenn mir das bewusst wird, gehts wieder.

Frohe Ostern, bei der Gelegenheit.

Andere verbreiten Heiterkeit. Kleben winzige Plastikenten sonstwo fest. Die Dinger gibts laut dem kundigen Vater einer halbwüchsigen Tochter im Hunderterpack für Kleines. Trotzdem nicht ganz unaufwendig, bedarf es doch eines Akku-betriebenen Heißklebesticks und manchmal auch Kletterkünste.

Hier in Düsseldorf  …

#Düsseldorf und Federvieh – Während ein paar Meter weiter Vertreter der Gattung Kleinschwanzträger in ihren PS-Boliden lautstark posierend auf der Kö im Stau stehen, flanieren die hier unbekümmert und guter Dinge über den Kö-Graben. Guter Kontrast, finde ich.

Nebenbei gibt es gute Gründe, wenn ich mal keine Bahn, sondern einen Kleinstwagen fahre…

Familie zu Besuch, schon im Treppenhaus bietet die Schlappenparade ein feines Bild.

Sonntag, 250413

Der letzte Blogeintrag entstand in einem zentralen Eiscafe an exponierter Stelle mit feinem Blick auf die vorbeilaufenden Menschen in der Fußgängerzone. Ich lasse den Blick schweifen und fühle mich für eine Zeit eins mit all denen, ohne ihnen zu nahe zu sein. Oder besser, sie mir.

V. Wg. Blicke – Männergedanken

Mensch neigt dazu, gerade wenn es wärmer wird, T-Shirts, gerne auch mit subtilen, profanen, wahlweise sinnigen oder sinnfreien Botschaften in Bild- und/oder Schriftform zu tragen. Das ist auch mir nicht fremd, Namen von Tanzkapellen zieren manchmal meinen Leib, oder Konterfeis längst verstorbener Genossen ihrer Zeit, selbst ein Bibelzitat findet sich.

Soweit, so gut. Unter Männern ist das unkompliziert, man beschaut sich direkt, manchmal reicht es für ein Grinsen oder gar ein anerkennendes Kopfnicken, bis hin zu anerkennenden, angemessen kurzen Bemerkungen.

Kommt mir dagegen manch derart gezierte Frau entgegen, werde ich leicht unsicher. Wie schaffe ich es, vorangetragene, wie auch immer geartete Botschaften und/oder geheime Zeichen zu lesen, ohne in den eher peinlichen Verdacht zu geraten, im Grunde doch nur ausgeprägte körperliche Reize begutachten zu wollen? Liegen diese Dinge doch so nah beieinander.

Des Rätsels Lösung scheint der so genannte Cowboy- oder auch Fernfahrerblick zu sein. Alles umfassend fern schweifend und doch das Nahe nicht aus den Augen verlierend. Wohlwollend, ohne zu mustern oder gar zu starren. Pure Übung irgendwie. Kann ja nicht die Lösung sein, nur noch rückwärtig Bedrucktes zu tragen, derweil Mensch sich in der Regel doch eher vorwärts laufend begegnet.

Samstag, 250412

Bild für unter 2 Minuten. Kaum mehr ist vergänglicher als ein Morgenschattenspiel an der Wand. Zigarettenrauch vielleicht.

80 Jahre ist es her, um 1945 herum wohnte Mutter hier, ein Barackenlager mit Spielplatz am Bahndamm und an der Wupper. Ausgebombt, geflüchtet und wieder zurück ins Nichts mit 5 Menschen auf 1 Zimmer. Die Wupper fließt immer noch…

Wir sitzen und warten auf unser Essen. Nicht viel los, nebenan in der nächsten Futterhöhle sitzt auch wer. Familie mutmaßlich, ich schaue nicht hin, weil mir die Stimmen sagen, lass es. Bis eine ältere leicht verrauchte weibliche Stimme tönt: Ne extra Portion Majo aber…

Der Wind, der Wind, sage ich, während mir die Liebste schon einen warnenden Blick zukommen lässt. Bläst Berge von Sand zusammen, fahre ich laut fort und ignoriere das Augengefunkel, um dann im letzten Moment die Bremse zu ziehen und der Mutter ins Hörgerät zu flüstern: Aber keine dicken Ärsche … Sie kichert, mancher fragwürdige und leicht aus der Zeit gefallene Humor ist vererbbar.

Freitag, 250411

Voller Mond und ich bewege mich rhythmisch sanft schwingend im Bad vor dem Spiegel, ohne ihn zu beachten. Knöpfe im Ohr und Danke, Lou Reed, für die morgendliche Tageseinstimmung.

Der Jugendfreund ist gerade mal ein Jahr älter als ich und braucht nun eine Chemo-Therapie, wegen einem Auto-Immun-Ding, das die Nieren daran hindert, zu tun, was ihnen eigen. Ich denke an ihn und bitte für ihn. Fürbitte, zeitloses Gebet.

Der Mutter muss ich schlechte Kunde tun. Eine richtig gute Freundin ist verstorben, sie war ein Jahr älter als Mutter, wäre nun 91 geworden. Mutter telefoniert tief getroffen mit der verbliebenen Kegelschwester, nun sind sie zu zweit, von einst Elf. Wer der letzte ist, und dass sowieso keiner vergessen wird. Einsam ist Mutter in der Einrichtung jedenfalls nicht, es gibt tatsächlich noch andere, die nicht blöde sind (Originalton) – das freut mich. Sie wissen genau, wo sie hier sind und machen das Beste draus. Meistens.

Tick? Ja, habe ich. Ich entschuldige mich allwerktagmorgendlich bei meinen Füßen, dass ich sie wieder einsperren muss, in Eisenschuhe. Zum Ausgleich bekommen sie Training, Aufmerksamkeit und Pflege. Und noch einer – aber das ist kein richtiger Tick – sich von den Katzen verabschieden, wenn man das Haus verlässt. Machen doch fast alle Dosenöffner. Auf bald und so.

Voll & rund  …

Freitag, 250404

I am tired, I am weary
I could sleep for a thousand years
A thousand dreams that would awake me
Different colors made of tears

The Velved Underground / Venus in Furs

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Schlafen könnte ich. Und auch wieder nicht. Menschen treffen Entscheidungen und am Ende bin ich irgendwie schuld. Vorzugsweise weibliche Wesen, meine Mutter vorneweg. Sie lebt seit 5 Monaten in einem Pflegeheim und nörgelt herzerweichend über dies und das und alles Mögliche. Komm ich normalerweise mit klar, weil es zum Teil auch nur verständlich ist. Nur irgendwann kriegt die Platte nen Sprung und die Endlosschleife will mir zum Halse heraushängen. Werde ihr anbieten, die Einrichtung zu wechseln, um andernorts dann Ähnliches zu erleben.

Dann bekomme ich dieses Gefühl auch noch von gänzlich unbeteiligter Seite gespiegelt. Nicht zu genügen. Nein, nicht die Liebste, das würde ich nicht mehr dulden. Hatte ich schon, war lehrreich. Diesmal so geschehen auf eher freundschaftlicher Ebene, und ich erwische mich beim hemmungslosen draufprügeln. Fahre verbal aus der Haut, ganz großes Theater. Wozu die Härte, fragt mich einer. Darum, sage ich, und fange an zu schreiben.

Kein Grund zur Sorge, liebe Leserschaft, von der ich weiß, dass ihr zu gut 90% aus weiblichen Wesen besteht. Es gibt keinen generalisierten Frauenhass oder so etwas in der Art. Und falls doch, ihr seid jedenfalls weit genug weg 😉 Nein, ernshaft, schön, dass ihr da seid und Danke fürs lesen!

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Donnerstag, 250403

Das Glück ist ein Kind des Schattens, ohne ihn gäbe es kein Licht und im übertragenen Sinne auch kein Glück. Wäre alles gleichförmig bekömmlich und erhaben, Mensch würde sich schnell langweilen und, der Erfahrung nach, einen mindestens kleinen Streit anfangen, um ein wenig mehr Glück zu bekommen, als ihm zusteht. Natürlich auf Kosten des oder der Nachbarn (so kommt man vom unschuldigen Blumentopf zur Weltpolitik).

Jedenfalls ein feines Bild, am frühen Morgen, im Schein der Küchenfunzel.

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