Sonntag, 241229

Die Nacht war arg kurz, anlässlich eines Reinfeiergeburtstags. Die Lokalität lag auch noch am Arsch der Stadt, aber immerhin mit den Öffis erreichbar. Nette Unterhaltung, leider war das Ende laut (die anderen) und mangels Kaffee müde (ich). Um 2 ging es mit dem Lumpensammler Nachtexpress heimwärts. Wir sitzen vorne, ein älterer Kerl ebenso. Die Busfahrerin kenne ich vom sehen, ein schlankes, älteres Wesen mit vielen bunten Bildern auf der Haut und rot behaart. Die zwei kennen sich, der Kerl springt an jeder Haltestelle kurz raus, filzt in affenartiger Geschwindigkeit die Mülltonnen und drumherum nach Pfandzeug. Es klappert und scheppert ordentlich, derweil er guter Dinge mit der Fahrerin scherzt. Wir schauen staunend zu und freuen uns über das gute Zusammenspiel der beiden.

Fazit: Auch Nachts reisen bildet, aber das mit dem reinfeiern, dafür sind wir zu alt. Um drei waren wir daheim, empfangen von zwei ob des ungewohnten Trubels irritierten Katzen.

Zur Tagesqualität

Gestern war es blau statt grau und ich scheuchte Mutter aus dem Zimmer. Kleine Erkundungsrunde übern Berg, garniert vom gelegentlichen mütterlichen Gemecker über die Zustände hier wie bemalte Hauswände, teils arg derangierte Häuser, obligatorische Hundescheiße, Autos und Mülltonnen auf dem Gehweg. Aber die Sonne schien, immerhin. Und gehalten hat sie sich tapfer.

Fund am Rande – Toms 🅰️lpha und 🅾️mega, recht hat er, auch wenn das mit dem kleinen Moment relativ sein mag. Und weiter geht es sowieso.

Jahresende

Alle Welt resümiert vor sich hin und/oder übt sich in Weissagungen ob des kommenden Jahres. Raunächte tun ihr Übriges, auch wir wurden zum Schluss noch arg geschüttelt. Ich glaube an gewisse Fügung, auch an eine Art Magie, mag sie sich auch gut verbergen. Hier hat es ein dickes Buch über Astrologie, fein vollgestaubt, ebenso wie ein Tarot-Kartensatz, dito grau verziert. Manch einer liest in den wie auch immer gearteten Zeichen, ich übe mich in Vertrauen. Zwar bin und bleibe ich ein von Neugier getriebener Mensch, allerdings laufe ich keinen Weissagungen oder sonstigen Informationen, die Wahrheit betreffend, hinterher. Die ist eh ein pfadloses Land (Krishnamurti), will heißen, es gibt nicht nur die Eine und schon gar keine vorgezeichneten Wege durch sie hindurch. Meine Gewissheit ist, alle Art Information, derer ich gewahr werden soll, die kommt zu mir, manchmal durchaus verknüpft mit weitreichenden Entscheidungen in der Folge. Ich brauche sie nicht zu jagen, sie finden zu mir.

Festplattenfund, ich so, anno 2008.
Jung und hübsch konnte ich 🙂

Hübsch die zweite, Grazie sonnenlichtgestreift.

Einen guten Übergang allseits!

Donnerstag, 241226

This is no longer a working number

Es geschieht nicht oft, aber öfter als früher. Ein Mensch verschwindet aus meinem Leben. Das kommt vor, mal war ich derjenige, der sich abgewandt oder sich zumindest nicht mehr bemüht hat, mal der oder die andere. Manchmal, so wie kürzlich wieder, verschwinden Telefonverbindungen, mit ihnen Messenger-Kontakte. Günstigstenfalls sind sie umgezogen oder haben eine neue Mobilnummer. Ungünstigstenfalls leben sie nicht mehr.

Von Einer hätte ich gerne gewusst, was aus ihr geworden ist. Sie stammt aus Burscheid, zuletzt wohnhaft in Wuppertal und heißt Cordula Kratzer, eine begabte Steinbildhauerin. Vor Jahren traf ich sie mal im hiesigen botanischen Garten, wir waren beide in Begleitung und so war die Zeit zu knapp, ich selbst zu bewegt, um nach ihrer Nummer zu fragen. Vor einem Vierteljahrhundert waren wir befreundet, ohne „+“. Wir blieben eine ganze Weile freundschaftlich verbunden, bis sich unsere Wege endgültig verliefen. Wer weiß, wer noch ihren Namen sucht, hier landet und möglicherweise mehr weiß. Der oder die darf sich gerne melden, sollte mich freuen.

Geblieben ist ein Stein.

This is no longer a working number, (Baby)

Manche alte Verhaltensmuster ziehen nicht mehr, wie es heißt. Die habe ich abgelegt wie eine alte, zu enge Haut. Untendrunter mag vieles gleich geblieben sein, aber mein Umgang damit ist ein anderer geworden. Das gilt auch für die andere Richtung – was mich früher arg berührte, nehme ich heute zur Kenntnis, aber ohne emotional groß drauf reagieren zu müssen. Doppelte Richtung auch auf der anderen Seite – was mir früher am Arsch lang ging, geht mir heute näher. Innen wie außen.

Einer der überschaubaren Vorteile des älter-werdens.

This is no longer a working number, baby
Please redial your call
This is no longer a working number
Your party doesn’t live here anymore

1 Weihnachten 241225

Mutter lebt seit kurzem nebenan, sozusagen. Mit Rollator 20 Minuten Fußweg. Also hole ich sie gestern ab und wir essen lecker. Madame Lilith staunt und freut sich über den seltsamen Menschen mit den drei Beinen. Mutters gummibenupfter Gehstock hat es ihr angetan und Mutter ist angetan von dem gelbäugigen Schildpattkneuel. Sie ist eine ausnehmend soziale Katze und versteht sich mit fast allen Geschöpfen. Der alte Mann ist das antisoziale Gegenstück und schlicht weg, wenn Besuch kommt.

Sozial  – wir erleben ungekannte Seiten an Mutter. Sie nimmt am Leben im Heim Anteil, obgleich zwischendurch immer wieder Trauer über die verlorene Selbstständigkeit durchkommt. Aber, sie hilft anderen wo sie kann und es geht ihr den Umständen entsprechend gut.

Wir sind uns näher gerückt, allemiteinander. Mehr kann man zu Weihnachten und darüber hinaus nicht schenken.

Frohes Fest, auch von oben 👆

Weihnachtsdrabble 241224

Dank an Wortman für das Ausrichten!

Die müssen mit rein: Schrank – leuchten – Toaster

Auch Familie

Es regnet, das nasse Trottoir glitzert im Licht von den zahllosen Scheinwerfern. Zum Fest mit raspelkurzem Haarschnitt und Lederjacke tritt sie auf die Straße, durchwärmt vom „Toaster“, wie sie das Sonnenstudio nennt. Heiligabend ist nicht gerade Hochkonjunktur in ihrem Gewerbe, wenigstens zum Familienfest sind die Stammkunden mal zuhause bei ihren Lieben, so denn vorhanden. Auch sie braucht mal eine Pause, hat sich für den Rest des Tages bei Mutter Noa abgemeldet und betritt die Bar durch die niedrige Halbkellertür. Großes Hallo schallt ihr entgegen, der Schrank von Wirt strahlt herzerwärmend. Ihre Augen leuchten, hier unter der Regenbogenfarbendecke ist ihr Zuhause.

Montag, 241223

Ein Tag vor Heiligabend

Eine Postkarte hinter Glas, vor Jahren zu mir gekommen.  Gehalten und geliebt zu werden, mit allen Brüchen, Spannungen und Widersprüchen, dafür steht das Bild.

I want some magic to sweep me away
I want some magic to sweep me away
I want to count to five
Turn around and find myself gone
Fly through the storm
And wake up in the calm

Lou Reed, Magician

Samstag, 241221

Gute und weniger gute Gerüche

Gestern war der erste Urlaubstag. Mit dennoch frühem Start in den Tag. Ein Besuch beim lokalen Sozialmöbeldienst steht an, wir vereinbaren die restliche mütterliche Wohnungsauflösung im Januar. Sie leiden massiv unter den Sparmaßnahmen der Landesregierung, die der Anarchist in mir ganz unweihnachtlich verhauen möchte. Ich zahle gerne meine Steuern, wenn ich nur wüsste, das Geld geht einen guten Weg und nicht in Waffen, zumal für das Ausland.

Auflösung, denke ich, nachdem ich meinen weiteren morgendlichen Plänen gefolgt bin und mich in einem italienischen Café mitten an der lärmenden drittgrößten Kreuzung der Stadt wiederfinde. Ich mache keine Geschenke zu Weihnachten, dieses inflationäre, oft genug sinnfreie Kaufen kotzt mich an. Geburtstage sind individueller, da gebe ich gern. Weihnachten spende ich der lokalen Nachbarschaftshilfe, die Familie nimmt es hin, mehr oder weniger verständnislos. Sei es drum. Der doppelte Espresso kommt gut.

Beim späteren Graben auf der Festplatte werde ich an Kellerleichen erinnert, zu deren würdevollen und vor allem endgültigen Bestattung wir bis heute nicht in der Lage waren. Manches löst sich eben nicht auf, rührt sich mitunter jahrelang nicht oder nur wenig, stinkt und gärt dafür im Verließ vor sich hin, bis wieder mal kurz gelüftet wird. Bis das Thema wieder mal akut wird und nicht weichen will, bearbeitet werden möchte  und nicht bearbeitet werden kann.

Das Gelassenheitsgebet fällt mir ein. Dinge, die ich nicht ändern kann. Dinge, Umstände, die mich dennoch zwingen, mit umzugehen. So oder so. Manches macht mürbe, mit der Zeit. Oder fordert. Meist beides, bis es endgültig genug ist.

In dem Sinne.

Mittwoch, 241218

Irgendwas mit Pferden

Im Songtitel sollte „Horse“ vorkommen, so las ich eben. Wenn ich an Musik und Pferde denke, fallen mir als erstes The Four Horseman von Aphrodite`s Child ein. Released 1972, weit vor den Anfängen meines damals 10-jährigen musikalischen Interesses, das sich auf die Anfänge des Glamrock beschränkte. Nein die vier Reiter kamen knapp 10 Jahre später, so mit 19 oder 20 zu mir. Genauer gesagt nur einer der Vier, der auf dem weißen Pferd (nicht umsonst der Erstgenannte in der Bibel, der für Kriegsausbruch steht). The white Horse, so nannte sich ein damaliger Coffee-Shop mitten in Eindhoven, Anfang der 80er regelmäßiges Ziel planloser Wochenendausflüge.

Raus aus dem westdeutschen Muff, rein ins gelobte flache Land mit den großen Fenstern und dem für mich unfassbaren Umgang mit Haschisch & Co. Damals war ich weit davon entfernt, mir vorstellen zu können, dass mich keine 20 Jahre später eben jener Lebensstil an der Rand einer handfesten Psychose bringen sollte. Wenn ich der Erinnerung nachspüre, dann ist da gerüttelte Gedankenlosigkeit – ich tat dafür ja auch mein Bestes. Gepaart mit einer gewissen Leichtigkeit, den den jungen Jahren geschuldet war. So ein Lebensgefühl in dieser Art habe ich später oft vergebens gesucht, erst in den letzten Jahren beim Streunen durch fremde Städte kam ein Hauch davon zurück.

🦧

Der Kerl hinter dem Tresen säbelt mit einem riesigen Messer den bestellten Dope von einem Klotz Haschisch ab, wir staunen und sofort regt sich gewissenhafte Bautätigkeit. Alkohol lassen wir außen vor, der Cafe ist lecker und irgendwie wollen wir noch heim in der Nacht. Aber das kommt später, erst einmal ist Zeit für das große Abschalten im Oberstübchen. In der Kneipe steht ein Kicker, ein Schwarzer grinst mich an, so breit wie ich selbst. Was folgt, ist ein Lehrstück von Selbstvergessenheit und Hingabe an den Augenblick.

Gelingt mir heute in der Meditation sowie mit Kindern und Katzen, manchmal auch in der Natur. Ohne Stimulanzien. Aber damals ging es nicht anders als eben mit. Dem weißen Reiter folgen mit den Jahren meine ganz persönlichen weiteren drei, der letzte drehte kurz vor mir ab. Fürs erste davongekommen, so war das.

Samstag, 241214

Aktivrente

Das klingt gut, oder? Die Union möchte damit nach der Wahl den demographischen Wandel abmildern. Wer weiter arbeitet, bekommt Steuergeschenke und „Zuschläge“ auf die Rente. Wer tatsächlich die Frechheit besitzen sollte, keine 50 Jahre arbeiten zu wollen oder zu können, dem droht sie zusätzliche „Abschläge“ an.

Das sind die Pläne der Union:
Statt 3.6% Abschlag pro Jahr Frühverrentung dann 5 bis 6 %
Fortfall abschlagsfreier Zeiten

https://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/rente/streit-ueber-aktiv-rente-renten-experte-raffelhueschen-wir-sollten-die-abschlagsfreie-fruehrente-abschaffen_id_193324795.html

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/wirtschaftsweise-werding-rentenabschlag-erhoehen-100.html

Was genau heißt das für einen „Boomer“ wie mich? Jahrgang 1962 und immer der Jüngste, aufgrund meines Geburtstages Anfang Juni. Zu meinem 16ten Geburtstag beendete ich die Schule, zu meinem 19ten war ich „Facharbeiter“. Mittlerweile bin ich im 63sten Lebensjahr und im 47sten Berufsjahr, letzteres ohne jede Unterbrechung (bei den Lebensjahren muss ich komatöse Abstriche machen). Nach derzeitigem Recht „darf“ ich nächstes Jahr zu Anfang Juli in den Ruhestand gehen. Abschläge werden berechnet aufgrund der Regelung „Rente mit 63“, die in ihrer Dynamik für meinen Jahrgang 0.3% Abzug pro Monat vorzeitigem Renteneintritt vorsieht. „Vorzeitig“ meint hier vor dem frühestmöglichen abschlagsfreien Renteneintrittstermins – für meinen Jahrgang wäre dies 64/9, also März 2027. In der Wortwahl „abschlagsfrei“ liegt verborgen, dass schlicht zwei Beitragsjahre fehlen werden, die mit der schönen Bruttozahl auf der jährlichen Rentenvorausberechnung verrechnet werden. Die 0.3 % Abschläge basieren mathematisch übrigens auf den regulären Renteneintritt mit 66/9, in meinem Fall, ab Jahrgang 1964 ff dann 67,0.

Die Union plant, mit ihrer „Aktivrente“ die Abschläge im vorzeitigen Renteneintritt zu erhöhen – das kann eigentlich nur bedeuten, für die letzten beiden Jahre bis zum regulären Renteneintritt sind auch 0.3 % pro Monat fällig, macht bei 24 Monaten 7,2% zusätzlich, auf die nun 14.4%. Oder sie belässt es bei der derzeitigen zeitlichen Regelung und erhöht dafür die Abschläge pro Monat auf dann 0.3%+X. Dazu kommt der stetig sinkende Steuerfreibetrag, der zur Zeit noch um 0.5% jährlich sinkt und für 2025 noch 16,5% beträgt. Auch hier sieht die Union eine Stellschraube, die Rente zu kürzen, ohne die Rente zu kürzen. Raffiniert, oder? Die 0.5%-Regelung wurde von der jetzigen Regierung eingeführt, zuvor waren es erst 2%, dann 1%. Mutmaßung: Hier kann unauffällig manipuliert werden.

Was genau meint denn überhaupt Rentenbesteuerung? Es handelt sich um eine so genannte „nachgelagerte“ Besteuerung, die etwas anders aussieht als „normale“ Einkommenssteuer. Von der Rentenberatung wurden mir 3 Fallbeispiele durchgerechnet, heraus kam jeweils eine so genannte „Bruttorente“, von der zunächst ca. 11% für Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen werden. Der verbleibende Betrag abzüglich des (Renten-)Freibetrages ist steuerpflichtig, abhängig von der Veranlagung, der Steuerklasse und der geltenden regulären Steuerfreibeträge. Ganz grob überschlagen kann man somit von der errechneten „Bruttorente um die 20% für Sozialabgeben und Steuern abziehen. Die Schwankungen hängen wie gesagt von der Art der Besteuerung und der Steuerklasse ab und können arg schwanken.

Was fange ich nun damit an? Im Februar sind Wahlen und die Chancen stehen leider mehr als gut, dass die nächste Bundesregierung Unions-geführt sein wird. Die einzige Chance für einen wie mich, so genannten Vertrauensschutz zu genießen, ist, den Rentenantrag vor einer potentiellen Gesetzesänderung zu stellen. Wäre gut, wenn sich diese Zusammenhänge mal herumsprechen und dann viel Spaß noch mit den Folgen, liebe Union!

Übrigens – eine Lüge zeichnet sich nicht nur durch eine krasse Unwahrheit aus. Sie kann sich auch aus Unterlassungen von Teilwahrheiten definieren. Oder – heute sehr gerne genutzt – Euphemismen, wortklingelige Verschleierungen. So klingt „Aktivrente“ doch viel besser als „Rentenkürzung“, nicht wahr? Was ich euch Unionsschergen rund um den Ex-BlackRock-Mann dafür an den Hals wünsche, ist zwar niederschriftsfähig, passt aber irgendwie nicht so recht zu dem eher sachlichen Charakter dieses Eintrags.

PS: Ich bin derzeit noch so leidlich gesund, wie das in ein paar Jahren ausschaut, weiß der Himmel.

*

Freitag, 241213

Es ist beinahe Wochenende, ich gebe längst nicht alles (war nie eine gute Idee, weil dann nichts mehr für mich ist), sondern gebe auf – die Suche nach der verlorenen Ernsthaftigkeit (die kommt eh von ganz allen wieder) und mich dem Flachsinn hin. Und wer das für obszön hält – und ob dat tzön ist.

Ein gutes Wochenende allseits!

Donnerstag, 241212

Herr Schrella

Er ist eine Figur in Heinrich Bölls Roman „Billard um halb Zehn“, Jugendfreund des Robert Fähmel, mittlerer Sproß einer Architektenfamilie. Schrella kommt in den 50ern aus der Migration zurück nach Deutschland, findet aber keine Heimat mehr und beschließt, fortan zu reisen, während er als Deutschlehrer unterwegs sein Geld verdient. Keine Heimat – das ist es, woran ich öfter mal denke. Eigentlich ist es kein Gedanke, eher ein Gefühl. Gerne überkommt es mich beim Anblick von den zahllosen Entwurzelten dieser Erde, jedoch ist dieses Gefühl in mir älter als die Bilder der Gegenwart.

Es gibt keinen ersichtlichen logischen Grund. Ich lebe in meiner Geburtsstadt, bin hier schon irgendwie verwurzelt und führe ein, wie man es nennt, geordnetes Leben (es deutscher auszudrücken ist nur schwer möglich). Will sagen, ich habe viel glückliche Fügung erleben dürfen. Habe einen Menschen an meiner Seite, den ich achte und dem ich trauen kann, Freude an meinem Sohn und es gibt keinen Kontakt zu potentiell destruktiven Menschen. Und so nehme ich es hin, wärme mich soweit möglich an der Gegenwart und übe mich in Vertrauen. Was bleibt auch sonst zu tun.

Von wegen Tun: Eine Entscheidung steht in den nächsten Monaten an. Eine Lebensentscheidung von großer Tragweite. Zwei Parteien stehen miteinander in einem seltsamen Wettbewerb: Geld und Zeit. Mehr Zeit wäre schön, sage ich und das Geld kichert leise. „Wenn du nix mehr verdienst, hast du auch mehr Zeit um mich auszugeben“.Du und deine Logik„, antworte ich, „irgendwie hatten wir beide doch noch nie Streit miteinander. Lass uns damit nicht auf die alten Tage anfangen.“ „Na ja„, meint das Geld, „dann lass uns mal schauen, wie es werden könnte„.

So tun wir.