Samstag, 260221

Heimatlos – hörte ich neulich. Das ist eines, wenn Menschen oft umgezogen sind, zwischen Städten, Landstrichen, oder gar Staaten. Selbst betrifft mich das so nicht. Meine Eltern sind in dieser Stadt geboren und aufgewachsen, so wie auch ich. Nie habe ich das so genannte bergische Land verlassen und kenne mich hier recht gut aus, zumindest, was Wuppertal und Remscheid angeht. Habe hier mein Berufsleben in einem klassischen Industrieberuf verbracht, der früher mal großes Ansehen genoss. Klingt bodenständig, oder ?

Innen drinn sieht das anders aus. Die große Suche nach dem Frieden mit der Vergangenheit, persönlich und staatsangehörig, hat immer wieder verhindert, mich hier wirklich heimisch zu fühlen. Es hat sich nie ergeben, aber vermutlich würde sich das an jedem Ort auf Erden so anfühlen. Lichtblick: Es wird mit den Jahren besser. Diese unbehauste Lebensgefühl weicht nicht, aber wir freunden uns an, dieses Gefühl und ich Erdenbürger, den das bergische Land nicht losgelassen hat. Oder dem der Mut fehlte, andernorts glückszurittern. In der jüngren Geschichte stand Berlin mal kurz auf der Agenda, aber die Eltern zu alt, das Kind zu jung. Heute zu teuer. Also nicht.

Angezogen hat mich immer das flache Land, der Niederhein, und die Niederlande, historisch begründet mit meinem Hang zu gewissen Substanzen. Was blieb, ist die Liebe zum flachen Land und zum großen Wasser.

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Wort des Tages dieser Tage bei der Wildgans: Niederlande.

Das gelobte Land meiner wilden Jahre. Gleich lange, aber unterschiedlich breite Tage auf dem flachen Land. Wasser, viel Wasser, Weiden, Windmühlen, Menschen mit einer unserem Heimatdialekt verwandten Sprache. Coffeshop mit Machetenmann am Tresen, der den Shit schnitt wie hier der Metzger die Wurst. Selbstvergessen am Tischkicker, die Welt weit fort. Vlaflip, Frikandeln, Pommes total und andere Schweinereien. Einst wollte ich flüchten, vor dem deutschen Unterhaltsrecht, was Ehegattenunterhalt betraf. Besuchte sogar einen Niederländisch-Sprachkurs bei der Volkshochschule. Bin dann doch geblieben, dem großen Kind zuliebe.

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