Die Diva
Vornehm gibt sie sich, und leise. Meistens jedenfalls – wenn sie denn mal lauter wird, dann liegt es eher an ihrer Umgebung als an ihr selbst, versteht sich. Sie hat umfangreiche Talente, die sich allerdings nur nach gründlichem Studium offenbaren. Vordergründig gibt sie sich genügsam, Wasser reicht ihr völlig, zugesetzten Substanzen allerdings ist sie nicht abgeneigt.
Tut sie dann, was ihr zugedacht, dann gibt sie sich eigen. Komm mir bloß nicht zu nahe, das strahlt sie aus. In der Regel verrichtet sie ihre Kunst schweigend, nur am Ende der Vorstellung gibt sie eine lustige kleine Melodie zum besten, zum Zeichen vollbrachter Tat. Nähert man sich allerdings während der Vorstellung ungebührlich, dann pfeift sie kurz protestierend, um dann weiterzumachen, wie es ihr beliebt. Ihr, wohlgemerkt, nicht dem interessierten Publikum, dem am Ende keine Wahl bleibt, als die ganze Vorstellung brutal abzubrechen.
Ja, sie ist schon speziell, ihre älteren Schwestern waren weniger empfindsam, mit ihren derben Druckknöpfen aus Kunststoff. Die vergilbten halt mit den Jahren, nahmen aber keine außerplanmäßige Nähe übel, außer, wenn es ganz dicke kam. Die Diva dagegen mit ihrer feinen Sensorik versteht keinen Distanzbruch, und mit Frauen versteht sie sich offensichtlich besser als mit Männern. Damit habe ich mich abgefunden und meide ihre Nähe, gerade während der Vorstellung.
Geliebt wird sie trotzdem, unsere Waschmaschine.
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