Sonntag, 250427

Die Diva

Vornehm gibt sie sich, und leise. Meistens jedenfalls – wenn sie denn mal lauter wird, dann liegt es eher an ihrer Umgebung als an ihr selbst, versteht sich. Sie hat umfangreiche Talente, die sich allerdings nur nach gründlichem Studium offenbaren. Vordergründig gibt sie sich genügsam, Wasser reicht ihr völlig, zugesetzten Substanzen allerdings ist sie nicht abgeneigt.

Tut sie dann, was ihr zugedacht, dann gibt sie sich eigen. Komm mir bloß nicht zu nahe, das strahlt sie aus. In der Regel verrichtet sie ihre Kunst schweigend, nur am Ende der Vorstellung gibt sie eine lustige kleine Melodie zum besten, zum Zeichen vollbrachter Tat. Nähert man sich allerdings während der Vorstellung ungebührlich, dann pfeift sie kurz protestierend, um dann weiterzumachen, wie es ihr beliebt. Ihr, wohlgemerkt, nicht dem interessierten Publikum, dem am Ende keine Wahl bleibt, als die ganze Vorstellung brutal abzubrechen.

Ja, sie ist schon speziell, ihre älteren Schwestern waren weniger empfindsam, mit ihren derben Druckknöpfen aus Kunststoff. Die vergilbten halt mit den Jahren, nahmen aber keine außerplanmäßige Nähe übel, außer, wenn es ganz dicke kam. Die Diva dagegen mit ihrer feinen Sensorik versteht keinen Distanzbruch, und mit Frauen versteht sie sich offensichtlich besser als mit Männern. Damit habe ich mich abgefunden und meide ihre Nähe, gerade während der Vorstellung.

Geliebt wird sie trotzdem, unsere Waschmaschine.

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Übergang, wie Fertigung ergibt

Das ist in der Technik des Werkzeugmachers liebste Qualitätsanforderung. Sie beschreibt den Übergang von einem Teilbereich des fertigen Produktes, meist in der Blechumformung (beim biegen, ziehen, stauchen, prägen ect.), der funktional in Ordnung und maßhaltig sein soll, zu dem nächsten Teilbereich. Auf gut deutsch also: Mach`, was du willst, Hauptsache, es funktioniert und sieht auch noch gut aus.

Das hat schon fast etwas Philosophisches. Übertragen in das tägliche Leben könnte man frei übersetzt sagen, dass der Zweck eben die Mittel heiligt. Eine Horror-Vorstellung für all jene, die stets einen Plan brauchen, oder besser eine genaue Wegbeschreibung. Pläne an sich sind schon in Ordnung, sofern sie nicht in Gängelei ausarten. Wie war das noch, frei nach Birne? Entscheidend ist, was hinten heraus kommt. Auch, wenn sich meine Sympathie für den mittlerweile verstorbenen Ex-Kanzler stets in engen Grenzen gehalten hat, hemdsärmeligen Pragmatismus konnte der. Eine Fähigkeit, die ihm bei der deutschen Bankenöffnung Richtung Osten Wiedervereinigung 1990 gut zupass kam. Ok, hätte auch anders kommen können, oder wenigstens humaner, aber dazu hätte es etwas mehr Mut und einiges mehr Phantasie gebraucht. Und nein, ich bin kein verträumter noch-nicht-ganz so-Alt-Linker, sondern wünsche mir schlicht etwas mehr Menschlichkeit in der Welt der freien Märkte.

Um  nicht noch weiter herumzupolitisieren und wieder zum Anfang zu kommen, sei noch ein weiterer schöner Anwendungsbereich dieses Lebensprinzipes erwähnt, unsere Wohnung nämlich. Wer so wie ich als Kind und Jugendlicher in den Sommerferien stets Camping betrieben hat und obendrein noch mit einer künstlerisch begabten Frau gesegnet ist, kann selbst die Improvisation zur Perfektion (!) treiben. Wer dann noch, so wie wir, Katzen liebt, der lässt irgendwann von den schief gespielten Bildern an der Wand ab, hinter denen sich wenig ansehnliches wie zum Beispiel alte Bohrlöcher verbergen. Gibt wichtigeres – Katze gesund zum Beispiel.

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