Sonntag, 240728

Gestern am späten Abend, der Regen lässt endlich nach. Über dem Monte Petrol tut sich ein kleines Stück zartvioletter Himmel auf. Da stehe ich und staune. Sehe Sachen, die wahrscheinlich sonst niemand sieht. Den Widderkopf dort zum Beispiel. Klar, oder? 🙂

Wir kommen heim, es hat das übliche Empfangskomitee sowie frisch ausgepackte Sachen, die ich auf dem ersten Blick nicht ein- oder zuordnen kann. Lesen mag ich auch nicht, aber für einen dummen Spruch reicht es bekanntlich stets auch ohne fundiertes Hintergrundwissen.

Wat datten, Großgebinde Gesichtscreme oder wat...

Takt und Feingefühl kann ich, und Gott sei Dank hat die derart beiläufig Angesprochene Humor, so dass wir zusammen Spaß haben.

Zweieinhalb Türme und die Dicke im abendlichen Zartblau.

Sonntag eben.

Donnerstag, 240606

Keiner zuhause oder wie ich das Beste aus der Leere mache.

Eine Rasur, die steigert das Wohlbefinden und ist unter der Woche nicht selbstverständlich. Frisch enthaart und gepudert kommt Zedernholzöl pur zum Einsatz und so rieche ich nun nach Wald – herb, aromatisch, ohne Zucker oder gar Chemie. Frisch geerdet, sozusagen, irgendwie archaisch. Kannst kommen, Säbelzahntiger.

Ausgiebiges Morgenritual, die Übungen alle durcheinander und dennoch vollzählig, das regt den Geist an. 30 Minuten sind 30 Minuten. Zwischen Heizungskater und Stuhlkatze, die mit meinem Gewese nix anfangen können, aber wohlgesonnen in meiner Gegenwart verbleiben, schließe ich Freundschaft mit mir selbst. Unterstützung erhalte ich akustisch von J.J. Cales Silvertone Years, unvergessen.

Erdbeeren. Wanderer, kommst du zum Otto-Hausmann-Ring, dann decke dich ein mit den kleinen leckeren Dingern, gegen die alle Supermarktfrüchtchen wässrige Taugenichtse sind. Selbst Mutter blüht mit den Dingern temporär auf, ein Grund, nach Feierabend über die sieben Berge zu fahren.

Samstag, 240302

Wespe No.1/24 weckt gemeinsames Interesse. Honigbonbon zum Frühstück, keine gute Sache für Katzennasen. Aber spannend, das brummende Ding. Musste dennoch intervenieren, Katzen raus, Fenster auf, Wespe ganz raus. Wie enttäuscht Katzen dreinschauen können.

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Nett versteckt, zwischen Katzencontent und narzisstoidem Selbstbildnis – ein geschichtlicher Rückblick auf das Jahr 2025.

Wie konnte es soweit kommen? Bis heute streiten Historiker, es wird diskutiert, warum niemand dieser tödlichen Dynamik Einhalten bieten konnte oder wollte, gerade so wie in den Jahrzehnten nach den beiden letzten großen Kriegen zuvor. Wie konnten die europäischen Staaten einem Nicht-Nato-Mitglied vassallentreuen Beistand versprechen, wie konnten sie über 10 Jahre falsche Hoffnungen schüren und sich am Ende in ihren eigenen, substanzlosen Versprechungen so tief verstricken, dass kein glaubwürdiger Rückzug mehr möglich schien? Fakt ist, sie standen am Ende allein da, nachdem der große überseeische Bruder sich abgewandt hatte.

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Zum Schluss eure Verschlafenheit in Öl.

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Samstag, 240224

Meine beruflichen Umstände treiben mich zunehmend in fragwürdigen Sarkasmus. Details gehören hier nicht hin, nur so viel:

Das Alf-Zitat ist total mehrdeutig. Selbst werde ich tagtäglich mit Menschen konfrontiert, die etwas tun müssen, was sie nicht können und rundherum niemand da ist, der sie vernünftig anleitet. Auf der anderen Seite kann genau dies auch Motivation sein, sich nen eigenen Kopp zu machen. Unnötiges Lehrgeld inbegriffen, das sich heute eigentlich niemand mehr leisten kann. Das Rad ständig neu erfinden zu wollen, ist schlicht dumm und unnötig. Mit unserem Berufsaustieg verschwinden mit jeden Einzelnen Jahrzehnte Berufserfahrung. Nicht gut für unser Land.

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Die frühe Stunde – ich liebe diese Zeit. Jeder an seinem Platz. Und eigentlich isses auch keine Stunde, sondern allenfalls ein paar Minuten. Dem alten Mann wird die Heizung zu fad und er steht altersgerecht langsam auf. Was die Kleine als Aufforderung zum jagen versteht, und so schranzen die beiden von jetzt auf gleich übelst durch die Bude. Alles halt zu seiner Zeit.

Zum Schluss ein ohrwurmendes Liedchen über Vergänglichkeit.

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Freitag, 240216

Wolfsstunde, wieder einmal.

Morgenuringeister geben sich kichernd die Klotürenklinke in die Hand. Blindflug mit Sehschlitzen und zwei erfreuten Nachtkatzen im Dreivierteldunkel.

Im Nachgang lese ich ein wenig und schreibe meinem großen Kind ein bebildertes Hühnersuppenrezept. Sonst nix zu tun um diese Stunde.

Derweil schläft es zumindest neben mir wieder leise fiepend, nur kurz von der Sirene da draußen unterbrochen, welche die Stille der Stunde unsanft zerschneidet. Nachtgeräusche …

Mittwoch, 231122

„Luftballon“ war das Wort des Tages bei der großen alten Dame der Wörtertürme. Hübsche Dinger, die nicht nur Kinder mögen – metaphorisch finde ich die Szenerie, wenn solch ein Teil aufgeblasen, nicht verknotet, sondern der Belustigung wegen fliegen gelassen wird. Pfpfpf… Manche Zeitgenossen sind auch so – aufgeblasen und wenn sie fliegen sollen, fetzen sie unkontrolliert und ohne Sinn durch die Gegend und machen komische Geräusche. Einer geht – Hauptsache, es sind keine 99 an der Zahl 🙂 Danke, liebe Wildgans, für die gedankliche Anregung!

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Die hier ist über jeden Zweifel erhaben und Metaphern gehen ihr am Arsch lang, wo ja auch immer ein Weg ist. Wörtertürme beeindrucken sie ebenso wenig, außer, wenn ich telefoniere, dann schleicht sie laut maunzend um mich herum – du sollst mit mir reden, ich bin nicht nur die Schönste, sondern auch die Einzige… Man kenn das 😉

Freitag, 231103

Unser beider Äußeres verhält sich im Laufe der Fellpflege umgekehrt proportional zueinander. Je ansehnlicher Madam dank regelmäßigen Kamm-Einsatz wird, desto entstellter laufe ich durch die Gegend. So werde ich schon schief angeguckt. Hat denn der da, Meth-Arm, oder was? Daran ändert auch der fortgesetzte Einsatz von Leckerchen nur wenig. Die Prozedur unterliegt auch enormen Schwankungen – mal geht das wirklich harmonisch vonstatten, und mal ist Madam mehr als unausstehlich. Tagesform halt, nützt aber nix, wenn sie nicht gnadenlos verfilzen soll.

Und warum heißt die Katze nun Katze? Alte Wortwurzel, leider fast in Vergessenheit geraten. Ursprünglich hieß sie nämlich Kratze, der Krallen wegen, man kennt das. Leider konnten und können die Chinesen kein „r“ aussprechen und jedesmal, wenn sie „Klatze“ sagten, fiel irgendein Germane vor Lachen stumpf um, analog mit dem Sack Reis. Auch kein haltbarer Zustand und so einigte man sich auf ersatzlose Streichung des „r“. Genau so war das.

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Montag, 231016

Seit gestern läuft unsere Heizung, der alte Mann brauchte keine 5 Minuten, um das spitzzukriegen und seinen Lieblingsheizkörper zu okkupieren. Heizkörper sind von Katzenhaaren befreit und das Autochen hat schon Winterräder, Eisbären und Pinguine können kommen.

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Neues Phon, neue Kamera, ich bin begeistert.

Der Werkstattkater:

Und – mon Lilith mit Wort zum Montag:

Third PlaceNordpol in der Nordstadt.

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Dienstag, 230801

Wie aus dem ff: Felix friert. Das ist nichts ungewöhnliches bei ihm, alte Leute frieren schnell. Neu ist, dass ich ihn in mein T-Shirt wickeln darf und er so liegen bleibt. Der 15 Jahre alte Mann liebt so sehr die Sonne, bis der mal bei offener Balkontür drinnen bleibt, geht es über 30 Grad. Auch sonst so spürt man sein Alter, wenn er mal springen möchte, überlegt er sich das lange. Was dann trotzdem schon mal daneben gehen kann. Seit Neuestem bekommt er die Gelenke massiert – Physiotherapie für die Katz. Hauptsache es hilft. Ein weiterer Vorgeschmack auf das eigene Alter.

Wuppertal im Sommer 2023.

Dienstag, 230704

Die Nacht war unruhig und die Träume wirr. Wer hat denn schon mal einen Tiger in der Wohnung? Wäre beinahe gut gegangen. Wach werden mit Harnstau bis obenan, den Vollmond und alles andere gleich mit verfluchend den Tag beginnen. Währenddessen scheint der Tiger der Nacht auf erträgliche Maße geschrumpft und schleicht mir um die Beine, bevor er sich in dem von mir gerade frisch zusammengefegten Dreck wälzt. Da ist also Hoffnung für den Tag und Luft nach oben.

Meine Mitfahrerin steigt zu, ich staune wieder einmal über ihr Outfit. Sie sieht oft aus wie auf dem Weg zu einer angenehmen Gesellschaft, dabei haben wir das gleiche Ziel. Ihr erstes Statement über das Leben provoziert einen Lachanfall meinerseits, und das muss man mit mir erst mal hinkriegen, morgens um halb Sechs. Arbeit, Arbeit, Arbeit, meint sie. Auch Samstag, immer nur Arbeit – und manchmal ein bischen Sex, fügt sie hinzu, auf dass ich beinahe ins Lenkrad beiße. Auch im weiteren Verlauf der kleinen Reise bin ich schwer von Begriff und leicht zu erheitern. Sie braucht Klamotten für die Hochzeit ihres Ältesten demnächst und will am Wochenende nach Dochtemunt, was ich in meiner frühmorgentlichen geistigen Trägheit nicht eingeordnet bekomme, drei mal nachfrage, bis sie wütend sagt, Na, Dochtemunt! Endlich fällt der Groschen und analog erhellt sich die Stimmung weiter.

Manche Menschen sind gesegnet und selbst ein Segen, morgens um halb Sechs.

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