Drabble-Dienstag, 260210

Der Torsten lädt ein, zum drabbeln, 100 Wörter, heute mit: Regen – helfen – Zunge 

Im Regen werde er stehen, das sagte einst der Vater. Ganz allein. Und der wusste da Bescheid mit, der Vater, war er doch ein Guter. Hilfsbereit, das betonte er mitunter, aber erst gleich, dann werde er helfen. Gleich, das war immer später, und wenn mal Hilfe Not getan hätte, dann hatte er keine Zeit. Gleich, sagte er dann, dir helf ich gleich.

Und so hütete er sein Zunge, ließ den Vater Vater sein und ging das Gleich suchen, fand aber nur Gleiches. Jetzt helfe ich mir selbst, so hieß das Behelfsbuch zum Auto, und siehe, er wurde sein eigener Mechaniker.

*

Drabble-Dienstag, 251216

100 Worte, heute mit: Angel – laufen – Herz
Danke fürs ausrichten, Torsten!

Das Quietschen der Angeln mündete in einem sanften Knall, beim schließen der Tür. Ein sentimentaler Heiligabend, und bei der Vorstellung, die er von harmonischen Beisammensein im trauten Familienkreis hatte, wurde ihm das Herz eng. Besser durch die Stadt laufen, der dreckige warme Weihnachtsregen war immer noch besser als die miefige Bude. In der Stadthalle feiern sie, las er irgendwo. Sie, die anderen Entwurzelten. Er ging hin, der Neugier halber.

Laut war es, und voll die Tische, die Luft zum schneiden dick. Was noch erträglich gewesen wäre – die Schlagermusik gab ihm den Rest. 15 Minuten, und wieder raus in den Regen.

Nebeltal

Drabble-Dienstag, 251209

100 Wörter, heute mit Biene – gehen – Messer
Danke fürs ausrichten, Torsten!

*

Gehen musstest du, deinem Schicksal folgen, und da war für mich kein Platz mehr. Wir hatten arg bewegte Zeiten, sogar ein paar Monate gemeinsames Leben. Ein klassische On-Off-Beziehung, so nennt man das heute. Wir waren der Welt zugewandt, du, Biene, und ich, leider von verschiedenen Enden. Gram bin ich dir nicht, dazu war das alles am Ende zu verständlich. Später Kinderwunsch, den ich aus mehreren Gründen nicht bedienen konnte. Du fandest, was du brauchtest. Ein mittlerweile großes Kind und in dem Erzeuger eine Projektionsfläche für deinen manifestierten Männerhass, bis aufs Messer. Alles Gute dir und deinem großen Kind, G*ttes Segen!

*

Drabble-Dienstag, 250715

100 Worte, drei Vorgegebene müssen mit rein, man kennt das.
Heute: Verse – fallen – Honig
Danke fürs ausrichten, Torsten.

*

So gern wärst du ein Dichter, so ein richtiger, kein Rüttelreimer, Wortetürmer oder gar ein Prosaist. Ja, das wäre es, Verse wie Honig fließen lassen können. Die Damenwelt wäre schwer beeindruckt, die Herren neiderfüllt, deine 172cm Körpergröße sei dir verziehen, dein Talent überstrahlt alles andere. Applaus fällt wie warmer Regen hernieder und du nimmst den Notausgang, um unbehelligt zu entkommen.

Stattdessen würgst du dir hier einen beim drabbeln ab. Träume fein weiter, taub, wie du bist, hörst du nicht, wie die Arbeit ruft. Los, du Knecht, tu was – Back to Reality. Vielleicht reicht es ja beizeiten noch für eine launige Milieu-Studie.

*

Drabble-Dienstag – 250603

100 Worte mit: Gelenk – braten – Comic
Danke fürs ausrichten, Torsten!

*

Urlaub, Sandstrand, und die Sonne brät. Die Klappliege ist schon seit Stunden mit seinem Badetuch drapiert, Erster, meins, denkt er, und hört eine Möwe kichern. So elegant, wie es ihm seine Körpermasse gestattet, lässt er sich hernieder und – das Gelenk knirscht gehörig, bevor das Teil krachend zusammenbricht, um ihn wie einen Sandwich einzuklemmen.

Ein paar Meter weiter machen sich zwei pubertierendeJungs beinahe nass vor lachen, beim Anblick der zappelnden Füße, begleitet von leisem wimmern. „Voll der Comic, Alter“, sagt der Eine und steckt dem hilflosen Liegenreserviererarsch noch ein Deutschlandfähnchen zwischen die Zehen. Eine halbe Stunde später – 200000 Likes – Insta tobt!

*

Drabble-Dienstag, 250304, Teil 2

100 Worte mit: Verbindung – erreichen – geschwärzt
Dank an Heide fürs ausrichten!

*

Der Dichter

Was wollen Sie erreichen? Es könnte Ihnen so gut gehen. Schauen Sie, die Regierung ist ihr Freund, Sie haben keinen Grund, die freundschaftliche Verbindung mit ihr in Zweifel zu ziehen. Sie wissen doch, wir schätzen die Künste über alles. Nur gewisse Formen von Kurzgeschichten, die man als kritischen Journalismus interpretieren könnte, die gehen nun wirklich nicht. Na, nun schauen Sie mal nicht so ängstlich, das mit Ihrer Hand, das wird schon wieder, und auch die Anschlüsse der Kabel sind bald verheilt. Unser Vorschlag – ab nun schreiben Sie freundliche Lyrik, dann brauchen Sie nicht nochmal ein Buch selbst vollständig zu schwärzen!

*

Drabble Dienstag, 250304

100 Worte, heute mit: Nase – dunkel – Eimer
Danke für`s ausrichten, Torsten.

*

Nur für heute

Vorbei die Zeit, in der ich meine Nase in alles mögliche hineinstecken musste. Nicht alles geht mich etwas an, nicht über jedes Stöckchen muss ich springen. Zurück vom übertragenen hin zum tatsächlichen Sinn, der Orientierung an Gerüchen. Speisen, Tiere, und vor allem Menschen. Gut, wenn man sich riechen kann, das geht weit über die Metapher hinaus. Menschen riechen oft ähnlich, aber nie gleich. Schlimm wenn Unmengen von chemischen Düften deinen wahren Geruch im Dunkel lassen. Gleichzeitig rettet es dir womöglich für dieses Mal dein Leben. So bleibt der kleine, silberne Eimer an meiner Seite heute leer und deine Haut heil.

*

Drabble Dienstag, 250128, 2te Runde

100 Worte mit: Konservendose + beginnen + verschachtelt
Danke fürs ausrichten, Puzzleblume.

Zum Schluss war der Alte arg wirr und erzählte eine Menge kruder Sachen. Fred, der Gärtner, hatte Humor und konnte gut zuhören, nicht uneigennützig, wohlgemerkt. Am besten war die Story mit der Konservendose, die irgendwo in den verschachtelten Kellerkatakomben versteckt sein sollte, für schlechte Zeiten. Fred stieg dem Ding, als der Alte endlich die Augen schloss, hinterher. Schlechte Zeiten = Bargeld, dachte Fred. Nach langem Suchen fand er das beschriebene Ding, unauffällig und genauso schwer wie die harmlosen Linsensuppentöpfe, aber gekennzeichnet.

Schnell den Öffner her, oben tatsächlich Geld, Zwischenboden, darunter ein Amulet. Kaum auf der nackten Brust, begann die Wirkung.

Drabble Dienstag, 250128

100 Worte mit: Quantität-innen-Jaguar
Dank an Wortman für das ausrichten!

Mein Magen knurrt, es ist ein kalter Wintertag, anno 2010 in Schmargendorf, vor „Butter Lindner“. Den Samstag wollen wir feiern, opulent frühstücken. Vor dem Laden eine Schlange, innen wie außen vor den Auslagen. Und dann kommt SIE, in ihrem Jaguar. Einparken war gestern, sie stellt ihren Schlitten quer zur Straße, halb auf dem Bordstein und rauscht nerzbemäntelt an der Schlange vorbei in den Laden. Sie darf das, kaum wer murrt. Auch ich nicht, Armeejacke meets Mörderfell, Diskussionen mit so etwas sind fruchtlos. Qualität vor Quantität, denke ich, mit Blick auf die Lokation. Sie dagegen favorisiert beides, beide Arme voll betütet.

Es war die Zeit der Pendelei zwischen Wuppertal und Berlin. Schmargendorf hat sich für die Liebste so ergeben und war nicht das Quartier der Wahl. Wir beide sind eher so die Typen Neukölln oder Wedding 🙂 Und Butter-Lindner war die nächste Brotschmiede vor Ort.

Drabble-Dienstag, 250121

100 Worte mit: Kamel – rieseln – Lattenrost
Danke fürs ausrichten, Torsten.

*

Du mit deinen selten dämlichen Sprüchen. Ela spricht von ihrer Trennung sowie von ihren ersten Selbstbestätigungsversuchen in diversen Dating-Apps, und du kommst rüber mit „Wenn`s juckt, muss man kratzen“. Wären Kamele nicht so edle Tiere, du wärst das Grande Kamel der Gemeinde, bei solchem Bockmist.

Na, sollse doch machen, irgendwann wird aus ihrem Lattenrost ein Scheiterhaufen und aus ihrem Schlafzimmer ein brennender Dom. Ok, Dieter ist fertig, aber irgendwann fand sie ihn doch mal ganz nett, früher, als noch Scheine aus ihm herausrieselten und kein Kalk, so wie nun. Und überhaupt – dein Verständnis macht mich gerade unsicher, was uns angeht.

*