Sonntag, 250914

Diese Woche irgendwann, 11 Uhr vormittags. Probealarm, alle Handys lärmen, alle Sirenen heulen, eine muss gleich in der Nähe sein.

Mutter (Jahrgang 1935) erzählt mir am Abend von ihrer Panikattacke, von den gesträubten Nackenhaaren, den Tränen, von der Gänsehaut, im sonnigen Garten des Heims. „80 Jahre“, sagt sie, „hört das denn nie auf?“.

Hört mehr alten Menschen zu.

Ab morgen geht es weiter mit der Holsteiner Treppe, ich hoffe, in gewohnter Weise täglich eine Stufe „beschreiben“ zu können.

112 Stufen – #8

Holsteiner Treppe, Wuppertal

#8 – Angst

Erinnert an das abgegebene leere Aufsatzblatt, weil es einfach zuviel zu sagen gab. Ein gewaltiges Gefühl, sie darf da sein, aber Chef ist sie nicht.

Als ich erfassen konnte, dass es im Universum etwas größeres als mein Ego gibt, verlor meine Angst ihre Macht. An ihrer Stelle tritt immer öfter Vertrauen. Ich darf mich führen lassen  – und meinen freien Willen behalten. Was für ein Segen!

Zum mitschreiben  – Jeden Tag eine Stufe?

112 Stufen hat die Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze. Seit Jahren sind sie im Rahmen eines Kunstprojektes in bunt gehalten und eine jede ist mit einem Begriff, einem Wort beschriftet.

Mittwoch, 241204

Kriegsangst

Habe ich auch, dieses dumpfe Gefühl im Magen beim Konsum der Nachrichten. Gleich darauf obsiegt die Gewissheit, dass sowieso alles so kommt, wie es kommen soll, und dass es nicht an mir ist, daran irgend etwas zu ändern. Aber Fragen hätte ich. Die Sache mit den so genannten offenen Bündnissen namens EU bzw. NATO. Wie offen ist eigentlich offen, und wer fragt UNS eigentlich mal, ob wir all jene dabei haben wollen, die zu uns kommen möchten. Allen voran die Ukraine, die keinen Versuch auslässt, ihren Krieg mit den Russen zu internationalisieren. Ich durfte lernen, „Nein“ zu sagen, das sollte doch auch im großen Stil gelten, oder?

Zeitfenster & Macht

Nach dem Zerfall der Sowjet-Union war Russland knapp 20 Jahre mit sich selbst beschäftigt. Dieses Zeitfenster konnten einige ehemalige so genannte Satellitenstaaten nutzen, um die Seiten zu wechseln. Selbst die deutsche Wiedervereinigung war nur wegen der damaligen Schwäche der Russen möglich. Irgendwann vor 15, 20 Jahren schloss sich dieses Fenster und niemand will es hier bemerkt haben, es wurde weiter eingeladen und nun nicht mehr haltbare Versprechungen gemacht. Versprechungen, denen geglaubt wurde, bis hin zu den Verhältnissen heute.

Darunter leiden wie immer die, die am wenigsten dafür können. Das geht mir nahe, aber nicht nahe genug, das Blut meines Kindes dafür fließen zu sehen. Klare Verhältnisse wären gut, als Ergebnis von Verhandlungen. Und verantwortungsbewusste deutsche Politiker, was Waffenlieferungen angeht. Den leider kommenden neuen deutschen Kanzler zähle ich nicht dazu, aber man wird sehen. Wie gesagt, ich hoffe auf Einsicht, wenn schon nicht auf Moral.

*

Freitag, 240920

Durchhalten

Die ewig schlecht schließende Balkontür.
Die ständig hustenden altersschwachen Maschinen.
Die teils losen Nervenenden.
Mein dünnes, derangiertes Fell.

Zeitspiele

Mutter erzählt von der Zeit, als sie so alt war wie ich nun, früher noch, so mit 60. Gefreut haben sie sich, endlich frei, beide gesund und ab dafür. Als sie so alt waren wie ich nun, lag meine erste Ehe in Trümmern und meine Würde im Straßendreck. Sie waren nicht da, aber es hätte nichts geändert, wären sie da gewesen. Kaputt ist kaputt.

Wüter-ich

Wäre schön, sagt Mutter, du könntest da raus. Ja, sage ich, wäre schön. 46 Jahre Öl, Lärm, Dreck, Möchtegerneiermänner, Klugscheißer aller Couleur, Egomanen mit Krankheit als Erfolgsprojekt, studierte Menschen, die ihr Fachwissen als abwärtskompatibel verstehen, das färbt ab. Auf die Seele, die wird davon ganz graufaltig und reicht ihre Beschwerden erst mal durch, macht erbost Pipi in ihrem solcherart versehrten Heim – Hier , Körper, da hast du. Lerne was draus.

Wir müssen alle mehr und länger arbeiten, sagen die klugen Köpfe und ich möchte ihnen aus lauter Ergriffenheit über so viel ökonomisches Fachwissen einfach nur die Fresse polieren.

Warten

Termin mit dem Rentenamt (steht).
Noch offener Termin zum impfen, wo auch immer (ist aus der Mode gekommen).
Termin in der Autowerkstatt (steht).
Termin in der Hautwerkstatt (steht).
Liste unvollständig …

Warten auch auf den Tag, an dem Mutter sagt, es reicht. Kommt sie doch kaum mehr auf die Füße. Reichen im Sinne von Akzeptanz eines Doppelzimmers. Alles eine Frage des Leids, wie so oft.

Angst

Zu versagen, nicht genügen (altes Ding).

Dankbar

Nicht so geworden zu sein, wie ich hätte werden können.
Überhaupt noch da zu sein – ohne Zettel am Zeh.
Bis dato nicht straffällig geworden zu sein – was bitte so bleiben möge.
46 Jahre Lohn & Brot. Immerhin.


Dankbar für die beinahe regelmäßigen Anfälle von strategischer wie taktischer Klugheit. Dankbar für die Hoffnung und die Zuversicht, die immer wieder durchschimmert. Dankbar für die Führung, die ich annehmen kann, meistens. Dankbar, dass ich nicht so allein bín, wie ich mich oft fühle.

Sonntag, 240609

Analoges Experiment, wird womöglich fortgesetzt.

Das Leder riecht gut und bislang haben es die Katzen verschont. Mir fehlt die Möglichkeit der schnellen, unauffälligen Korrektur. Jaja,  ✍️ kann er, aber die Angst vor dem kleinen Mädchen schreibt immer mit.

Der hat ja gar nichts an!

Na, dann geht er eben nackt.

Komm doch näher!

Dieser Eintrag ist Teil von Myriades Schreibeinladung für die Monate Mai-Juni 2024. Dort stehen Bilder zur Wahl, die zum schreiben animieren sollen, ebenso wie Textbausteine, die genutzt werden können, aber nicht müssen.

Ach, mein Liebster, komm doch ein wenig näher! Wenn Du etwas weniger denkst, ist deine Stirn nicht so hoch und wir haben mehr Raum, uns wirklich zu begegnen. Wie schön wäre es, würde ich deine Lippen spüren können.

Du meine Liebste, da magst Du schon recht haben. Aber allein meine Stirn ist nicht das einzige Hindernis auf dem Weg zu deinen köstlichen Lippen. Wo ich mit meiner hohen Stirn zu viel denke, misstraut deine spitze, ängstliche Nase der sinnlichen Berührung unserer Lippen.

Nachdem sie beide eine Weile so verharrten, wurden ihnen gewahr, tatsächlich nicht nur aus dem gleichen, sondern auch aus demselben Holz geschnitzt zu sein. Diese Erkenntnis macht sie beide sprachlos und sehr traurig, ihre Tränen durchweichten das Holz, aus dem sie beide gemacht wurden. Am Ende schien die Sonne derart warm auf das tränennasse Holz, das daraufhin tat, was Holz dann gerne tut – es verzog sich – auf eine Weise, die es ihren Lippen gestattete, sich ausdauernd und innig zu berühren.

Romantische Metapher, gelebte Erfahrung oder gar Kitsch?
Entscheide ein jeder für sich.

Sonntag, 240407

Es gab mal eine Zeit, da habe ich so Sinnsprüche verschlungen. Wie überhaupt alles, was nach Weisheit auf dem Weg der Heilung klang. Unter anderen auch die Geschichte von dem Typ, der in einer Gefängniszelle sitzt und aufgehört hat, an die Freiheit zu denken, sich nicht einmal vorstellen kann, wie das ist, nicht eingesperrt zu sein. Irgendwann stand sogar seine Zellentür offen, aber er wollte nicht hinaus. Fragt mich nicht nach der Quelle, die habe ich vergessen.

Wie frei bin ich denn, mein Gefängnis zu verlassen? Kann ich wirklich das eine oder andere transzendieren, auflösen, um dahinter weiterzugehen? Oder ist es am Ende doch nur transformierter alter Wein in neuen Schläuchen? Rückschau hilft und die Antworten sind nicht homogen. Ist das, was ich einst als Gefängnis meiner Selbst empfand, nicht zur Basis eines neuen Lebens geworden? Wie kann man von ständigen loslassen sprechen, ohne in die Falle des Verdrängens zu laufen?

Es geht wirklich, neuronale Netzwerke entstehen neu, neue Erfahrungen überschreiben zwar nicht die alten, sonst könnte ich mich nicht erinnern. Die Frage ist, wie erinnere ich mich. Fühlt sich etwas immer noch schambesetzt oder angstbehaftet an, oder spüre ich mit Blick auch mal weit zurück den ersehnten Frieden? Oder neige ich zum vergessen, weil sich das am leichtesten anfühlt? Die medizinische Entsprechung wäre dann am Ende die der Demenz.

Ich spüre keine Erlösung, aber Fortschritt. Und Neugier, das Leben ist spannend, auch mit Blick auf dich, der Du das gerade liest. Auch Du kommst irgendwo her, bist irgendwo und sehnst dich irgendwo hin, lässt die Resignation nicht gewinnen und lebst Hoffnung.

Dann wären wir schon zu zweit 🧑‍🤝‍🧑​ 🙂

*

Zum Ende noch Lichtspiele eines frühen Frühjahrsmorgens. Immer nur für ein paar Minuten zu sehen, ich liebe es, die bildhaft festzuhalten.

*

Der Schädelspalter

Dieser Eintrag ist Teil von Myriades Einladung zur Impulswerkstatt. Dort stehen inspirierende Bilder und Textfragmente zur Wahl, aus denen etwas gebastelt werden darf.

Gespaltene Seele, immer schön an den Polen. Gerade noch gernegroß und schon wieder am Boden festgetreten. Ausgelassene, teils anmaßende Selbstüberschätzung vs. tiefste, angstbesessene Niedergeschlagenheit. Dazu passend Sternbild Zwillinge und völlig ahnungslos, was Themen wie Traumata, Suchterkrankungen sowie Angststörungen angeht. Das einzige, was klar war, war die Ablehnung meiner Selbst, des Menschen, der ich nicht sein wollte.

Mittenhinein kommt irgendwann mit 18 der Schädelspalter. Das ist natürlich kein Handelsname, sondern ein eher an der Wirkung angelehnter, umschreibender Begriff für hochpotente Cannabisprodukte. Was genau geschehen sollte, wusste ich zuvor nie so genau. Das hing immer ab vom Set und dem Setting, wie man das heute nennt, also meiner psychischen Verfassung und der physischen Umgebung.

Die Vorgeschichte lief immer gleich ab. Vorfreude, Gier, die Geilheit auf die Flutung, auf den Kick in der Birne. Feuerwerk der Hormone beim Geruch des Brösels in der Nase. Wenn es gut lief, fand das Ganze draußen statt, irgendwo in der idealerweise menschenleeren Natur. Oder im Kreise mehr oder weniger verständnisvoller Mitkiffer, passende musikalische Untermalung inbegriffen, Rock N Roll, man kennt das. Dann gab es noch die Ungeduld, wenn oral konsumiert wurde, lecker Keks oder Tee mit ordentlich Honig. Dann wurde schon mal vorneweg eine Tüte angefeuert und vielleicht das eine oder andere alkoholische Getränk dazu genommen. Was folgte, war eine unglaubliche Achterbahnfahrt im Kopf, zeitversetzt dem folgend, was gerade dran war. Ein Zustand, der, wenn die Liebe durch den Magen ging, auch schon mal bis zu 24 Stunden anhalten konnte.

Die Wirkung. Alles scheint zigfach größer, als es ist. Physisch ebenso wie mental – die eigene Großartigkeit ebenso wie die eigene Unzulänglichkeit. Mit etwas Glück tat sie sich auf, die schädelgespaltene Parallelwelt, die den Alltag ebenso aussperrte wie das als unzulänglich empfundene Selbst. Mit weniger Glück blieb die Tür verschlossen und der innere Unrat quadrierte sich selbst. Am Ende gab es die geliebte Euphorie nicht mehr, nur noch den eigenen quadrierten Irrsinn.

Als mir klar wurde, einem großen (Selbst-)Betrug aufgesessen zu sein, als mir klar wurde, dass ich leben wollte und nicht an mir selbst zu Grunde gehen, da konnte ich von alledem lassen. Blieb etwas zurück – ja sicher. Der Kick fehlte, hinterließ eine dauerhafte Lücke, die ansatzweise höchstens durch Sex oder Sport zu füllen war. Daneben gab und gibt es reichlich schwarze Schatten, als Teil meiner Selbst. Nicht, dass ich sie liebe, aber sie dürfen bleiben, wenn sie schon nicht gehen wollen. Über ihnen steht das Licht, das Gefühl, von irgendwo da oben geliebt zu werden. An guten Tagen kann ich das sogar weitergeben und weiß darüber hinaus die eigene Stille mehr denn je zu schätzen.

Mittwoch, 240228

„Hättest du gedacht, dass ich mal so sein kann“ – frage ich meinen Kollegen nach dem alltäglichen Geplänkel mit einem Dritten. „Du warst schon immer so“, sagt der. „Früher eher noch schlimmer“, schiebt er nach, steht auf und baut sich vor mir auf. Seine Füße konkurrieren mit den Augenbrauen im Zusammenstehen, er zieht eine Eins-A-Fresse, sein Kopf ragt bei gestrecktem Rücken deutlich über seine Schuhspitzen. „SO warst du“, sagt er. „Aber weiß du was? Ich hab dich trotzdem lieb, auch früher schon. Besser so als die verlogene Freundlichkeit manch anderer“.

„Weiß ich“, sage ich und grinse. „Eins ist dennoch anders als früher (man kennt sich fast 30 Jahre, mittlerweile). Hast du eine Ahnung, wieviel Angst ich mein Leben lang hatte?“, frage ich. Er schweigt – „Die hat mich so sein lassen, Angstbeißer, weißte. Und das ist heute anders. Heute steht mein Zorn für sich allein, wenn dann. Ohne die Angst dahinter. Fühlt sich richtig gut an“.

Noch besser ist gefühlt ohne alledem. Zeiten ändern sich, wer weiß.

Sonntag, 231203, erster Advent

Passt irgendwie in diese besinnliche Adventszeit.

Die weiße Wand

Für B., für alle anderen, die damit etwas anfangen können, und für mich zur Erinnerung.

Zweimal in meinem Leben stand ich vor den Trümmern meiner bisherigen Glaubenssätze, meines bisherigen Verhaltens. Nicht mehr weiter zu wissen, nicht mehr vor und zurück zu können, das waren die Merkmale dieser Lebenslagen. Kapitulation, wie man sagt – ich habe aufgehört, zu kämpfen.

Das erste Mal war vergleichsweise überschaubar, es ging um nichts weniger als um weiter leben oder langsam zu sterben. Natürlich ist das Leben an sich ein langsames Sterben, es kommt halt ganz auf die Qualität dessen an. Dazu kam, dass sich mein mögliches Ende durch mein Verhalten enorm beschleunigt hatte – Alkohol- und Drogen-induzierter geistiger, emotionaler und auch körperlicher Verfall ließen irgendwann eine Entscheidung unerlässlich werden. Ich durfte mich für das Leben entscheiden, ohne einen Plan, ohne die geringste Vorstellung davon, wie ich dies trocken, abstinent und klar im Kopf, zumindest im Sinne von chemischer Unklarheit bewerkstelligen sollte.

Dies war wirklich vergleichbar mit einem Raum, aus dem ich sämtlichen alten Krempel auf die Straße schmiss, anschließend neu strich, um dann rat- und planlos vor der weißen Wand zu sitzen. Du musst jetzt raus, irgend etwas unternehmen. Versuch und Irrtum ist die einzige Wahl, wenn man keinen Plan hat. Was folgte, war eine Art Auslese. Dies möchte ich nicht, das ist nichts für mich, aber hier fühlt sich etwas gut und richtig an, also geht es da weiter. Gewähr? Gibt es keine, dafür ein unbestimmtes Gefühl von Vertrauen und Schutz, von Beistand. Bild- und namenlos, vielleicht eine Kraft, die mir immer schon beistand, ohne dass ich ihr gewahr wurde. Jedenfalls erwies sich dieses ungewohnte Gefühl als überraschend tragfähig.

Das zweite Mal war scheinbar komplizierter, auf jeden Fall vielschichtiger. Es ging um nichts weniger als meine erlernten Beziehungsmuster. Zunächst zum anderen Geschlecht und – 10 Jahre zeitversetzt – auch zum eigenen Geschlecht (was eine Geschichte für sich ist).

Ich hatte irgendwann wirklich alle Varianten des mir Vertrauten durchlebt. Ihnen gemeinsam war das Grundgefühl, nicht zu genügen, stets im Mittelpunkt von Wertung und Urteil zu stehen. Ablehnung, wechselseitige Erhöhung und Erniedrigung, Machtspiele in allen Farben. Und – bei alledem Beistand um jeden Preis, gleich wie gruselig es sich auch anfühlen mag. Damit meine ich nicht jene Treue und Beständigkeit, die beide den Boden für jede Beziehung bilden, sondern die eher degenerative Variante dessen, Vasallentreue vielleicht. Was lässt in solchen Lagen verweilen, was lässt Menschen aneinander „kleben“, die sich alles andere als gut tun? Im Grunde ist es nur die Angst vor etwas vollkommen Neuen, gerne in Kombination mit der Angst vor dem allein sein. Die Angst vor der weißen Wand, gepaart mit dem Unvermögen, sich vorstellen zu können, wie es sich anders anfühlen mag. Das Alte ist zwar leidvoll, aber wenigstens vertraut. Scheiße hält halt warm, wie schon kleine Kinder wissen.

Bis auch hier irgendwann der Leidensdruck zu groß wurde. Bis die Vorstellung von einem so genannten Single-Dasein keinen Schrecken mehr verbreitete, sondern im Gegenteil eine erlösende Variante zu sein schien. Bis ich für mich ganz klar hatte – so wie gehabt nie wieder, dann lieber allein. So wirklich allein fühlte ich mich zu dieser Zeit schon lange nicht mehr, unabhängig von meinem jeweiligen Beziehungspartnern. Dieses innere „verlorene Kind“ schien irgendwie Halt gefunden zu haben. Ich kann das bis heute nur schlecht beschreiben. Die Worte Hoffnung und Zuversicht auf und für etwas völlig Unbekanntes beschreiben es am nächsten.

In der Folge durfte ich mich von allen mir vertrauten und bekannten Vorstellungen einer „Partnerschaft“ – ein Wort, das heute für mich eher zur Geschäftswelt passt – zu verabschieden. Wobei „Partnerschaft“ in Beziehungen, auch in meinen vergangenen, durchaus etwas von Handel hat, hatte. Die weiße Wand, die totale Leere, in der nichts unmöglich scheint, war auch hier die Grundvoraussetzung für wirkliche Veränderung.

*

Nachtrag: Das Gleichnis der weißen Wand scheint ein guter Weg, der eigenen Endlichkeit besser ins Auge sehen zu können.