Einer unruhigen Nacht folgt ein schwarzgrauer Morgen. Heute ist der Termin beim Knochendoktor, ich gehe nüchtern aus dem Haus. Mütter mit Kindern im Bus heben ein wenig meine Stimmung. Den Befund des MRT habe ich in der Tasche. Sehr viele fremde Worte, ich verstehe so gut wie nichts außer „erheblich“ und „fortgeschritten“. Ein paar Begriffe habe ich in die Suchmaschine geworfen und schnell wieder damit aufgehört. Ich bin kein Arzt.
Wie meist bin ich viel zu früh, der gute Deutsche und so weiter. Das kriege ich auch nicht mehr raus. Anmeldung, Wartezimmer, ich öffne ein Fenster, draußen kämpft sich ein blaugraues Morgenlicht durch die Schwärze, der Tag versucht sich. Ich versinke in den beiden Bildern genau mir gegenüber, suche und finde Parallelen, staune über die raffinierte Verbindung von Ein- und Zweidimensionalem hin zur räumlichen Darstellung im Relief. Die nette Dame von der Rezeption kommt und schließt erst mal wieder das Fenster. Es riecht nach Mensch, obwohl ich ein Teil der wenigen Wartenden bin, stört es mich.
Ich darf vor den Behandlungsräumen Platz nehmen und warten, darf dann in dem Behandlungszimmer Platz nehmen und warten, bis der Arzt kommt, wortwörtlich. Der stellt sich als ein Stellvertreter heraus, egal, Hauptsache vom Fach. Liest den Befund, will keine Bilder sehen, meint, die MRT-Leute erstellen den Befund anhand der Bilder, das reicht. Keine Kleinigkeit, sagt er, ein Triumvirat verschiedener Störungen. Schlägt mir allerhand vor, angefangen bei Spritze über Physiotherapie hin zur seiner Meinung nach sowieso unvermeidlichen OP. Damit ist er schnell bei der Sache, ein Termin steht gleich im Raum, Ort 50 Km weiter, warum auch immer, Narkose, Begleitperson. Muss ich wieder Bitte sagen und jemanden die Zeit stehlen. Warum kein Krankenhaus, ein Nacht und Tschüss. Es gibt Klärungsbedarf, falls.
Langsam, denke ich, und sage, dass eine OP die letzte Wahl sei sollte. Erst mal ne Infiltration, klingt gut, oder? Besser als Spritze. Kommt aufs Gleiche heraus und ist weniger unangenehm als befürchtet. Ausgestattet mit einer Physio-Verordnung, deren Wirksamkeit der Doktor angesichts des Befundes in Zweifel zieht, einem Info-Blatt zur OP, einem neuen Termin in ein paar Tagen und noch ein paar Tage Ruhe vor Metallen aller Art verlasse ich die Praxis.
Sie schneiden gerne Löcher in Menschen, das mag sich rechnen und wahrscheinlich komme ich nicht umhin, wenn nix anderes hilft. Das letzte Berufsjahr ist noch lang, wäre gut, wenn das vor Renteneintritt ausgestanden ist. Desillusion macht sich breit, jünger ausschauen ist eines, ein alternder Körper etwas anderes.
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