Drabble-Dienstag, 251216

100 Worte, heute mit: Angel – laufen – Herz
Danke fürs ausrichten, Torsten!

Das Quietschen der Angeln mündete in einem sanften Knall, beim schließen der Tür. Ein sentimentaler Heiligabend, und bei der Vorstellung, die er von harmonischen Beisammensein im trauten Familienkreis hatte, wurde ihm das Herz eng. Besser durch die Stadt laufen, der dreckige warme Weihnachtsregen war immer noch besser als die miefige Bude. In der Stadthalle feiern sie, las er irgendwo. Sie, die anderen Entwurzelten. Er ging hin, der Neugier halber.

Laut war es, und voll die Tische, die Luft zum schneiden dick. Was noch erträglich gewesen wäre – die Schlagermusik gab ihm den Rest. 15 Minuten, und wieder raus in den Regen.

Nebeltal

112 Stufen – #107

Holsteiner Treppe, Wuppertal

107 – #Stille

Du erfüllst mich, jetzt am frühen Morgen, zur Wolfsstunde. Du hilfst mir, mich zu sammeln, die Nachtschatten zu verscheuchen, wieder bei mir anzukommen, wenn meine Seele wieder einmal viel zu viele lose Enden hat.

Der Tag ist viel zu laut, dann suche ich dich, finde dich manchmal nur für Augenblicke, aber immerhin. Einst machtest du mir Angst, heute sind wir Freunde. Durch dich darf ich meinem Inneren näher kommen, Getriebenheit gegen Hingabe tauschen.

Zum mitschreiben  – Jeden Tag eine Stufe?

112 Stufen hat die Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze. Seit Jahren sind sie im Rahmen eines Kunstprojektes in bunt gehalten und eine jede ist mit einem Begriff, einem Wort beschriftet.

https://www.horst-glaesker.de/Galerie/Fullscreen_Kunst_Raum/Scala.html

©wupperpostille_aka_grinsekatzoelberg

112 Stufen – #106

Holsteiner Treppe, Wuppertal

106 – #Freiheit

Ein so oft missbrauchtes und so vielfältig ausgelegtes Wort. Selbst hatte ich einst die Narrenfreiheit, so zu tun nach Belieben, wenn der Ruf erst hinüber ist. Reste davon sind durchaus noch existent und werden beizeiten kultiviert, nach Möglichkeit ohne die Freiheit eines anderen einzuschränken.

Was für mich wirklich zählt: Ich habe die Freiheit der Wahl, in jeder Lebenslage, auch bei Umständen, die nicht zu ändern sind. Wie gehe ich damit um? Das Ego ist da außen vor.

Zum mitschreiben  – Jeden Tag eine Stufe?

112 Stufen hat die Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze. Seit Jahren sind sie im Rahmen eines Kunstprojektes in bunt gehalten und eine jede ist mit einem Begriff, einem Wort beschriftet.

https://www.horst-glaesker.de/Galerie/Fullscreen_Kunst_Raum/Scala.html

©wupperpostille_aka_grinsekatzoelberg

112 Stufen – #105

Holsteiner Treppe, Wuppertal

105 – #Glauben

Zu viel ist für meinen begrenzten Verstand unerklärlich. Zu viele „Zufälle“ hat es in meinem Leben gegeben, als dass ich das Wirken einer höheren Macht noch ernsthaft ausschließen könnte.

Geliebt fühle ich mich, und geführt. Lebenskunst bedeutet für mich, meinen „freien Willen“, mein Ego mit dem Willen meines Schöpfers übereinstimmen zu lassen – tun, was ich kann, das Ergebnis G*tt überlassen, annehmen lernen und vielleicht beim nächsten Mal etwas anders machen.

Zum mitschreiben  – Jeden Tag eine Stufe?

112 Stufen hat die Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze. Seit Jahren sind sie im Rahmen eines Kunstprojektes in bunt gehalten und eine jede ist mit einem Begriff, einem Wort beschriftet.

https://www.horst-glaesker.de/Galerie/Fullscreen_Kunst_Raum/Scala.html

©wupperpostille_aka_grinsekatzoelberg

112 Stufen – #104

Holsteiner Treppe, Wuppertal

104 – #Dankbarkeit

Nichts in meinem Leben ist selbstverständlich. Sicher gibt es gefühlte Defizite, wenn ich aber meinen Fokus ändere und mehr auf das Haben schaue als auf das Soll, geht es mir besser. Nicht zuletzt, weil ich mich an ganz andere Zeiten erinnere.

Frieden, sauberes Wasser, gute Nahrung, ein Zuhause, Auskommen, leidliche Gesundheit, liebe Menschen um mich – es gibt mehr als einen Grund zur Dankbarkeit. Vorneweg – ich bin dankbar für den, der ich heute sein darf.

Zum mitschreiben  – Jeden Tag eine Stufe?

112 Stufen hat die Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze. Seit Jahren sind sie im Rahmen eines Kunstprojektes in bunt gehalten und eine jede ist mit einem Begriff, einem Wort beschriftet.

https://www.horst-glaesker.de/Galerie/Fullscreen_Kunst_Raum/Scala.html

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112 Stufen – #103

Holsteiner Treppe, Wuppertal

103 – #Rücksicht

Mich umsehen – ich nehme mich einen Augenblick zurück, gebe mit den Jahren nicht mehr jedem Impuls sofort nach, bremse das Reptilienhirn, warte und prüfe mich selbst.

Das mag nach Einschränkung klingen und ist es manchmal auch, wenn mein Gegenüber seinen Raum bekommt und ich vielleicht warten muss. Der Gewinn darin ist weniger Stress, weniger Aggression, dafür mehr Ruhe im Leben, gerne gepaart mit ein wenig Freundlichkeit, die oft genug gespiegelt wird.

Zum mitschreiben  – Jeden Tag eine Stufe?

112 Stufen hat die Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze. Seit Jahren sind sie im Rahmen eines Kunstprojektes in bunt gehalten und eine jede ist mit einem Begriff, einem Wort beschriftet.

https://www.horst-glaesker.de/Galerie/Fullscreen_Kunst_Raum/Scala.html

©wupperpostille_aka_grinsekatzoelberg

112 Stufen – #102

Holsteiner Treppe, Wuppertal

Der letzte Treppenabsatz der Holsteiner Treppe, zum Thema „Altersweisheit“. Gar nicht so leicht, etwas beschreiben, von dem man bestenfalls eine Ahnung hat. Es geht weiter, und vor Weihnachten ist das Projekt abgeschlossen.

102 – #Bewundern

Ambivalent, wie so vieles im Leben. Ich bewundere Menschen, die mit einem Selbstverständnis und einer Leichtigkeit Dinge leben, bewältigen, die mir selbst nicht leicht fallen. Was ich in dem Moment nicht sehe, ist die umgekehrte Perspektive. Dem Gegenüber mag es in anderen Lebensbereichen ähnlich gehen.

Bewundern hat für mich auch viel mit wertfreiem Staunen zu tun, zwei Eindrücke, die sich näher sind, als man vermuten könnte, in der Natur wie im Zwischenmenschlichen.

Zum mitschreiben  – Jeden Tag eine Stufe?

112 Stufen hat die Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze. Seit Jahren sind sie im Rahmen eines Kunstprojektes in bunt gehalten und eine jede ist mit einem Begriff, einem Wort beschriftet.

https://www.horst-glaesker.de/Galerie/Fullscreen_Kunst_Raum/Scala.html

©wupperpostille_aka_grinsekatzoelberg

Drabble-Dienstag, 251209

100 Wörter, heute mit Biene – gehen – Messer
Danke fürs ausrichten, Torsten!

*

Gehen musstest du, deinem Schicksal folgen, und da war für mich kein Platz mehr. Wir hatten arg bewegte Zeiten, sogar ein paar Monate gemeinsames Leben. Ein klassische On-Off-Beziehung, so nennt man das heute. Wir waren der Welt zugewandt, du, Biene, und ich, leider von verschiedenen Enden. Gram bin ich dir nicht, dazu war das alles am Ende zu verständlich. Später Kinderwunsch, den ich aus mehreren Gründen nicht bedienen konnte. Du fandest, was du brauchtest. Ein mittlerweile großes Kind und in dem Erzeuger eine Projektionsfläche für deinen manifestierten Männerhass, bis aufs Messer. Alles Gute dir und deinem großen Kind, G*ttes Segen!

*

Montag, 251208

Bewegendes

Dieser Tage höre ich Radio. Das ist gewöhnlich informativ, wenigstens unterhaltsam, aber auch nicht ungefährlich. Die Fifa verlieh dem großen Zampano am anderen Ende des Wassers einen Friedenspreis, so hörte ich. Am Morgen war das, und ich wunderte mich, Satire um die Uhrzeit? Scheiße, nein, das war eine Nachricht. Hätte nie gedacht, dass die Realität Satire rechts überholen kann. Interessant ist die eher ungewohnt kritische Haltung der Tagesschau, die die versteinerten Mienen mancher Anwesender beschreibt, die bis dahin aufgrund gewisser Erfahrungen eher anderer Meinung als die Fifa sind.

Hebebühne rammt Riesenlaufkatze. Zwei Menschen, die sich auf ebensolcher Bühne aufhielten, sterben. Das allein ist schon mehr als tragisch und verdient mein Mitgefühl für die Angehörigen. Ein Mann mit 64, der andere mit 83 Lebensjahren. Wollten die oder mussten die noch so hoch hinaus, frage ich mich, vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussionen um die Rente, im Verbund mit gewissen Vorstellungen der jüngeren Generation.
…..
Deren Argumente ich schon nachvollziehen kann. Nur die Schlussfolgerungen, die teile ich nicht. Das jetzige Dilemma fiel nicht vom Himmel, spätenstens mit dem so genannten Pillenknick 1964 war klar, was kommen wird. Selbst bin ich im 64sten Lebensjahr, meine Lebensplanung beinhaltet einen definierten Ausstieg aus meinem Berufsleben, auf dem ich mich vorbereitet habe. Verschlechtern sich aufgrund kruder Vorstellungen die Ausstiegsbedingungen, habe ich keine Zeit mehr, mich darauf vorzubereiten und werde dann nur auf die ersten Klagen warten, um mich denen anzuschließen. Abwarten..

Darüber hinaus wünsche ich mir, dass niemand in diesem Land gezwungen sein muss, im hohen Alter noch schaffen zu müssen. Schon gar nicht in solchen gefährlichen Jobs.

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Freitag, 251205

Das Projekt Holsteiner Treppe neigt sich dem Ende zu, nur noch ein Absatz von 11 Stufen steht an, interessanterweise zum Thema „Altersweisheit“. Und das mir, aber wer weiß. Die letzten Stufen schreibe ich in Ruhe vor und veröffentliche beizeiten, damit das Geschreibe nicht mit dem sonstigen Leben kollidiert. Das ist nicht ohne, derzeit.

Zu viel Cortisol im Blut, mit entsprechenden gesundheitlichen Herausforderungen. Gefühlt will alle Welt irgendetwas, mein Arbeitgeber vorneweg. Aber auch für die Zeit danach (<15 Monate) hat die Welt so ihre Erwartungen. Mutter träumt von 24/7 Dauerbespaßung, das Kind von tatkräftiger Hausbauunterstützung, die Liebste von einer grundlegenden Behebung des Sanierungsstaus in der Wohnung und die Selbsthilfe von mehr Engagement meinerseits in Verwaltungsangelegenheiten. Sieht also nicht nach Langeweile aus, die Zeit nach der „Arbeit“.

Und ich? Muss gelegentlich an Sonjas Jugenderinnerungen denken, die mit dem Papagei, der „Tach Aaschloch“ sagen konnte. Son Tier will ich auch … leider steht zu befürchten, dass der sich nicht wirklich gut mit den Katzen verträgt. Also erst einmal in der Gegenwart geblieben, heute, hier und jetzt. Da ist es zumindest überschaubar.

Das wichtigste zuerst – wenn schon der Papagei aus Gründen ausfallen muss – neben den Katzen war da auch noch was mit Höflichkeit – erst mal schauen, dass etwas mehr Gelassenheit in die Gegenwart kommt. Die hat sich derzeit gut getarnt, läuft irgendwo da draußen mit einer dämlichen Weihnachtsmütze rum und macht auf schlanken Fuß. Na warte, komm du mir nach Hause 😉

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