Sonntag, 251102

Emma & Emil

Burg auf  Fehmarn hat eine Menge Bäckereien und Cafés. In einer saß ich gestern friedlich vor mich hin sinnierend. Die Liebste ist sonstwo, Sachen einkaufen. Die Tür geht auf und da sind sie wieder, lassen sich prompt am Nachbartisch nieder. Zwei nicht mehr ganz so junge Frauen. Eine der beiden ist mir schon im Geschäft nebenan auf die Nerven gegangen, mit ihren beiden blödsinnig nebeneinander gekoppelten Kinderwagen, die gemeinsam Ausmaße eines Kleinwagens haben und sämtlichen Durchgang versperren. Damit schranzt sie draußen schon durch die Gegend, als gehöre ihr die Stadt, und auch mein Rucksack verfängt sich kurz in der Karre.

Kann man denken, na ja, hat es nicht leicht. So Ansätze von Mitgefühl habe ich durchaus, wäre da nicht der Rest der Person. Schmal, ein grundunzufriedener Mund und eine Stimme, mannomann. Laut, durchdringend, sie benutzt reichlich Anglizismen, offensichtlich Lehrerin, wie sich aus ihren schrillen Monologen in Richtung Freundin ergibt.

Emma läuft schon, Emil kann noch nicht flüchten, ist seiner Mama auf dem Arm ausgesetzt und schaut ansonsten freundlich in meine Richtung, der ich freundlich zurück schaue und ihn übergriffig anzwinkere. Bestimmt wird der Junge schwul, denke ich. Und Emma ein Punk, mindestens.

Ich. Kann. So. Weiber. Nicht. Ab.

Sie erinnert mich an einige Lehrerinnen meiner insgesamt 17 Schuljahre (nein, ich bin nicht so oft sitzen geblieben…). Zwei davon verdarben mir jede Lust am lernen. Schnee von vorgestern, immerhin ist aus mir sonstwas geworden, entgegen mancher Erwartung.

Aber diese Stimme. Kitzelt, wenn auch nur kurz.

Halloween verbringen wir im örtlichen Plüschkino. Die Rocky Horror Picture Show in Originalfassung  und so sah die Bude anschließend auch aus. Musste mir den Reis noch Stunden später sonstwo heraus pulen. Tim Curry hätte übrigens mit der Lehrerin viel Spaß gehabt, und ja, ich hör ja schon auf 😎.

Darüber hinaus genießen wir die Gegend, die Zeit ist eh kurz genug.

Mit der Holsteiner Treppe gönne ich mir wieder eine Pause, bevor es mit dem vorletzten Absatz zum Thema Einsicht weiter geht.

112 Stufen – #91

Holsteiner Treppe, Wuppertal

91 – #Schuld

Gibt es sie und wenn, setzt sie Bewusstsein voraus? Nicht schuldfähig, heißt es mitunter, bei Krankheit des Geistes. Ist das so?

Ich habe mich gefühlt schuldig gemacht, an anderen Menschen. Mein Tun und Lassen hatte und hat Folgen, bis heute. Nur, dass ich heute bestrebt bin, Gutes zu hinterlassen und keine Trümmerspur, wie in jungen Jahren. Persönlich und in Gemeinschaft,  kleiner oder größer.

Herausforderung: Mir selbst vergeben – und nicht den ersten Stein werfen.

Zum mitschreiben  – Jeden Tag eine Stufe?

112 Stufen hat die Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze. Seit Jahren sind sie im Rahmen eines Kunstprojektes in bunt gehalten und eine jede ist mit einem Begriff, einem Wort beschriftet.

https://www.horst-glaesker.de/Galerie/Fullscreen_Kunst_Raum/Scala.html

©wupperpostille_aka_grinsekatzoelberg

112 Stufen – #90

Holsteiner Treppe, Wuppertal

90 – #Tränen

So genau weiß ich es nicht, vielleicht liegt es am Alter. Sie fließen öfter, ich bin berührbarer geworden, mit den Jahren.

Mag sein ein Bild, eine Filmszene, Worte mir nahestehender Menschen, der traurige Blick unserer Katze, wenn wir verreisen. Überhaupt, wenn Mensch oder Tier alleingelassen wird, physisch oder psychisch.

So, wie mich die Tränen der anderen anrühren, zum verweilen und mitfühlen bringen. Und manchmal zu dem machen, den ich mir früher gewünscht habe.

Zum mitschreiben  – Jeden Tag eine Stufe?

112 Stufen hat die Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze. Seit Jahren sind sie im Rahmen eines Kunstprojektes in bunt gehalten und eine jede ist mit einem Begriff, einem Wort beschriftet.

https://www.horst-glaesker.de/Galerie/Fullscreen_Kunst_Raum/Scala.html

©wupperpostille_aka_grinsekatzoelberg