Vormittagssauseschritt – klassischer Weblog-Eintrag
Um 6 wache ich auf, ausschlafen geht bis 6, am Samstag. Sonntags bis halb acht, immerhin, aber das ist erst morgen. Morgenroutine mit Fassadenrestauration, viel Tee sowie geistig-körperlicher Ertüchtigung. Frühstück nicht, das mit dem verdauen kostet Zeit, zu viel Zeit, lieber später.
In meinem Ganznahdranumfeld gibt es drei Frauen und einen alten Mann. Einer Dame wachsen Fellpuschel aus den spitzen Ohren, die anderen beiden tragen ihr Haar altersgerecht. Dem alten Mann ist das alles Hupe, der verschläft mindestens 18 von 24 Stunden und der Rest der Welt kann ihn mal.
Mutters Einkaufszettel – klein, aber eng beschrieben. Die Liebste hat dieses besorgt, ich jenes und beides liegt in der Wohnung an 4 verschiedenen Orten, wobei die Hälfte immer noch fehlt. Alles Fresskram, außer ein dickes Buch, das auch oben herein geht, aber andere Wege nimmt als der Rest. Mutters Stoffwechsel ist legendär, beinahe gottbegnadet. Was auch auf geistige Nahrung zutrifft.
Zudem ist heute eben Samstag, da gibt es im Heim pipidünnes gesichtverziehenlassendes Wassersüppchen. Bring mir was leckeres mit, sagt sie. Mach ich. Zuerst bringe ich Ordnung auf einem großen Zettel, was ist hier und was noch nicht. Mit dem Autochen zum Wocheneinkauf, das ist mir sonst zu viel. Mittagessen, ja was denn jetzt? Was warmes aus der Stadt holen ist Umstand, also nehme ich ein Stück Pute und reichlich Brokkoli mit, das geht schneller zuzubereiten als was zu holen.
Und so wanke ich ungefrühstückt mit 10Kg-Rucksack einschließlich Kühltasche auf dem Buckel herüber zu Muttern, an der einen Hand den Beutel mit dem Warmzeug. Gnädige Frau verweilt im Garten, äugelt freudig erregt auf die voluminösen Mitbringsel. Die erlebte Glückseligkeit bei der Verkostung entschädigt für den Vormittag. Gut will ich sein, schlechte Laune inbegriffen.
Um 12 nehme ich den Bus, erleichtert im wahrsten Wortsinn. Es fehlt noch allerlei, was ich nur im Städtchen bekomme. Zur Belohnung leiste ich mir rattenscharfe Spaghetti Arrabiata mit fett Käse sowie einen großen Pott Kaffee. Ich weiß, wie ich meinen Magen zärtlich erwecke.
Wieder zuhause dringt Knochenbrecherei an mein Ohr. Die Liebste frühstückt und schaut dabei die üblichen Fressepolierserien. Psychohygiene derer in helfenden Berufen, denke ich. Hat man denn davon, die ganze Woche zugewandt und freundlich sein zu müssen. Da fliegen am Wochenende die Fetzen, meist Gott sei Dank nur beim streamen, so bleibe ich weitestgehend unversehrt.
Ich habe dir Eier gekocht und Obst geschnitten, sagt sie. Du bist lieb, antworte ich, während nebenan die Gary-Knochensplitter-Band spielt. Ich weiß, sagt sie. Wochenende kann beginnen.
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