Wir schauen fern, das kommt auch heute noch vor. In der Glotze läuft eine Doku, irgendwas mit Camping. Die Kamera begleitet eine Familie auf ihrer ersten Tour im Caravan und man berichtet über die kleinen und größeren Herausforderungen dieser Art Urlaub. Vater, Mutter, pubertäres Kind, und alle arg stark gebaut.
„Warum sind die bloß so dick…,“, fragt die Liebste. Ich zucke mit den Schultern und muss an meine Kindheit denken. Liebenswerte Nachbarn, die sahen auch so aus. Vater, Mutter, zwei Mädchen. Arg stark gebaut. „Die sind drüsenkrank“, meinte meine Mutter mal. Der Alte lachte scheppernd. „Drüsenkrank, harr, letztens auffe Straße kamen se vom einkaufen und alle fraßen nen Buko* auffe Hand…“.
Weiter geht der Film. „Die haben bestimmt verstärkte Betten“, mutmaße ich, während die Liebste schon ansatzweise die Augen verdreht. Sie kennt mich. „Der Wagen hat Blattfedern wie ein 30-Tonner und zuhause tanzen zwei Stockwerk tiefer die Tassen im Schrank, wenn die vögeln, während im Kühlschrank die Eier platzen, der Glascouchtisch Risse kriegt und die dritte Haftpflichtversicherung kündigen wird.
„Kann echt nicht wahr sein“, kriege ich zu hören, „ich sage ein paar Worte und du bläst das auf bis kurz vorm platzen, machst ne Geschichte daraus.“ – „Aber du liebst mich..“ wende ich ein, „unter anderen auch dafür“. Erlösendes Gelächter.
Fazit: Mein Hang zum übertreiben ist irgendwie genetisch, glaube ich manchmal. Und nein, ich habe nichts gegen stark gebaute Menschen, kenne selbst ein paar sehr liebenswerte Exemplare. Jeder, wie er will, und ich, wie ich muss, wenn die Bilder mit mir durchgehen. Bitte seht es mir nach.
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*Buko = griffiger Stückfettfrischkäse mit Historie
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