Mittwoch, 250205

Schnee von vorgestern

Ein oder zweimal im Jahr telefonieren wir. Warum auch nicht? Du hast mich nur betrogen, aber nicht verraten. Letzteres ist schlimmer, beides zusammen Königsklasse ganz unten.

Komm doch zum Kaffee, sagst du, hier steht auch Kuchen. Könnte ich, wenn ich wollte, aber so dicht bist du mir nicht geheuer. 2, 3 Sätze später kommt die Bestätigung.

Wir hatten unsere Zeit. 6 chaotische Jahre und dann gingst du, weil mein Kind kam, um kurz darauf wiederzukommen, als mein Kind wieder ging.

Als dein Kind dann kam, ging ich, endgültig. Aber reden können wir noch, immerhin.

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Söhnlein Brillant

Wir waren verabredet, der junge Mann und ich – Wohnung angucken. Die Frau Mama wohnt gleich gegenüber auf der Etage und ist prompt mit dabei, aus Gründen. Der Sproß trägt eine Baseballkappe mit einem weithin sichtbaren Christen-Kreuz vorneweg. „Oh“, sage ich, „Sie sind christlichen Glaubens, da haben wir etwas Gemeinsames.“ Daraufhin höre ich „Wird ja auch mal Zeit, etwas dagegen zu setzen, bei dem, was da alles so durch die Stadt läuft“.

WTF? Ich glaube an das Gute, derweil vor mir ein Exemplar des Ku-Klux-Klans 2.0 zu stehen scheint. Im Laufe unserer letztendlich fruchtlosen Begegnungen in Sachen Nachmieter stellt sich heraus, dass Mutter wie Sohn eher vom Stamme Nimm denn Abraham sind. Alles soll für lau und dreist ist man auch dabei. Ab einem gewissen Punkt mache ich zu und überlege kurz, dem Kerl seine Seele zu retten, indem ich ihm irgendwas von der zweiten Todsünde schreibe – Avaritia, Gier, Habsucht und so weiter. Mache ich natürlich nicht, vom klugscheißen wurde noch keiner ein besserer Mensch. Wäre nur mir ein innerer Durchmarsch gewesen.

Fazit:

  • Ich lerne immer noch dazu.
  • Es dauert manchmal, bis ich wahre Absichten erkenne.
  • Aber wenn, dann konsequent.

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Sonntag, 250202

Gerade eben und schon länger her

Gestern hatte Vater Geburtstag. Hier steht ein Webschütz, ein monströses Kellerschloss samt gut gebrauchtem Schlüsselmäpchen. Des weiteren endlose Erinnerungen, nur in meinem Gesicht ablesbar.

Madame trägt heute quergestreift.

Mutter nach morgendlichen Blitzbesuch, bereichert mit Stremel-Lachs, Körnerkäse und Feldsalat auf dem Heimweg.

Und jetzt?

Blauer Sonntag und alle haben besseres zu tun. Das abgerockte Cafe bietet ideales Ambiente für feine antiquariatische Lektüre, frisch angekommen. Zwischen Kirschstreusel, Monsterkaffee und Geschwätz muss ich laut lachen. Stilsicher, ich.

Samstag, 250201

Abgearbeitet

Diese Woche fand die elterliche Wohnungsauflösung ihren Abschluss. Letzte Arbeiten, Sperrmüll, Wohnungsübergabe, Stadtwerke kündigen. Mein Job ist getan, andere dürfen noch abrechnen. Was bleibt, ist eine gewisse Erleichterung und ein fades Gefühl. Wieder ein Kapitel abgeschlossen. Wann das letzte? Eins nach dem anderen, flüstert es von oben. Mach erst mal deine Steuererklärung.

Noch zu schließen: Erwerbstätigkeit. Mutter auf den letzten Metern begleiten. Neu: Vielleicht irgendwann den seltsamen Oppa abgeben, so zumindest der Plan der großen Kinder, wenn das Nest einst fertig wird. Eine Rolle, die für mich momentan irgendwie unvorstellbar ist. Was nix heißt, so fühlte sich das auch damals an, als ich Vater werden sollte. Außerhalb der Familie: Irgendwie nützlich machen, da draußen. Zu tun ist genug. Kann kochen, sachliche Briefe sowie krauses Zeug schreiben und manchmal gut zuhören. Immerhin mehr, als je gedacht.

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