Samstag, 241130

#sterbeversicherung Die ERGO schickt Werbung – als Freund angewandter Mathematik gehe ich den Dingen gerne auf den Grund. Ok, ich rechne mal nach, der Einfachheit halber ohne Zinseszinsbetrachtung. Gebe mein Geburtsdatum in die Anfragematrix und siehe da (Bild).

Meine Analyse

Dampfe ich vor Ablauf der 18 Monate ab, ist es nicht nur persönlich, auch finanziell sehr ungünstig , im ungünstigsten Fall ereilt es mich im 17ten Monat und die ERGO darf sich über gut 700 € schnell verdientes Geld ohne jede Gegenleistung freuen. Segne ich unterhalb von knapp 13 Jahren das Zeitliche, dürfen sich die mit meiner Beisetzung Betrauten über besagte 7000€ freuen, abzüglich der bereits geleisteten Beiträge, die zwar niemanden mehr interessieren dürften, jedoch negativ in die Bilanz hauen.

Jenseits der 13 Jahre, die Beitrags-technisch den 7000€ entsprechen, haben geschätzte 90% aller Versicherten die Versicherung entweder vergessen oder zahlen stumpf weiter, damit überhaupt noch etwas „rumkommt“. Gut für die ERGO, derweil es bei dem versicherten Garantiebetrag bleiben dürfte. Die so genannte Überschussbeteiligung ist freiwillig und somit Blendwerk.

ABER – ab meinem 90sten Lebensjahr bin ich LEBENSLANG versichert, also wenn das mal kein Schnapper ist, nach über 15000€ Einsatz 7000€ zu kassieren.

DANKE, ERGO 🙂

Dienstag, 241126

Versuch, am Morgen die Nacht festzuhalten

Das Böse kriecht und trägt Pelz, ich versuche, es zu zertreten, sinnlos. Jedes einzelne Stück unter meinen Sohlen lebt weiter, begleitet von leisem Kichern.

Also steige ich tiefer hinab, auf Balrog-Ebene (Tolkien lässt grüßen). Nicht dort, wo die Dämonen leben, sondern dort, wo sie geschaffen werden. Lerne die Feuersprache, moduliere meine Stimme in ungeahnte Tiefen und spüre, es wirkt.

Nein, ich bin kein Teil dessen, nur weil ich ihre Sprache spreche. Nicht in dieser Tiefe. Nicht in dieser Begleitung.

Schutzengel

Mutter glaubt an nichts, sagt sie. Fort ist fort, Asche zu Asche und fertig. Einzig das Maß an Erinnerung bei denen, die noch bleiben müssen, ist für sie so etwas wie Leben nach dem Tod.

Aber irgend etwas sei doch da, sagt sie.

So wie in den 80ern, als ein schweres Paket donnernd einen halben Meter neben ihr zerbarst, unachtsam von Arbeitern 6 Stock höher nach unten befördert.

Oder damals, 1943, im Keller am alten Markt, dem Zentrum der Hölle. Als die plündernden Zwangsarbeiter sie in dem Kellerloch bemerkten und „alle raus“ schrien, weil die Flammen weiter oben jeden Sauerstoff verbrannten. So viele andere fand man äußerlich unversehrt, im Erstickungstod einander umarmend.

Irgend etwas wird doch sein, da sind wir uns einig.

Freitag, 241122

Kindesverlust (Wort des Tages andernorts)

Neulich hatte das große Kind (28) und ich ein wenig Zeit mit- und füreinander. Hintergrund war der Umzug seiner Omma in ein Pflegeheim, besser das damit verbundene althäusliche Auflösungschaos. Ein von mir weiter gereichtes Geschenk an ihm, eine nicht mehr funktionierende, aber goldene Taschenuhr des Vateronkels, der Deserteur, der das letzte Kriegsjahr mit geladenem Revolver unterm Kissen bei wechselnden Liebschaften verbrachte. Dieser Mann war trotz täglichem Vollrausch und Amphetamingaben nicht mehr in der Lage, das zu tun, was von ihm erwartet wurde.

Das große Kind redet sonst kaum über Politik, jetzt aber schon. Was mache ich, wenn es Krieg gibt? Abhauen, mir die Beine brechen, oder… Und weiter geht es. 16 Jahre Mama Merkel, eine politisch kuschelige Jugend, und jetzt so etwas!

Ja, jetzt so etwas. Kinder verlieren könnte schnell gehen, zu viele Hofreiters wissen gerade nicht, was sie reden, was sie tun (Gruß an die Heinrich-Böll-Stiftung, die ihren Namen ändern sollte). Das Kind und ich reden über Kriegsrecht, Standgerichte, über Feldjäger, geschlossene Grenzen, über Köfferchen mit Neustarthilfe. Illegal Abhauen geht, sage ich, legal lässt dich keiner mehr raus, alle von 18 bis 60 sind dran. Allerdings bleibst du, egal wo, meist der Scheiß-Deutsche. Schau dich mal um, wie mit Kriegsflüchtlingen hierzulande umgegangen wird. Ist keine speziell deutsche Neigung, auf alles Fremde erst mal zu fluchen. Und weiter führe ich aus – Beine brechen ist auch Kacke, zumindest du selbst darfst das nicht. Im Kriegsrecht ist so etwas Selbstverstümmelung, Defätismus und so weiter. Man kennt das. Nee, das muss ich dann machen, mir können die nicht mehr viel, mein Leben ist weitestgehend gelebt. Und ja, ich habe über so etwas als Ultima Ratio schon früher nachgedacht, auch wenn ich bis heute nicht weiß, ob ich dazu in der Lage wäre (Gebe Gott, dass es nie soweit kommt).

Zum Kotzen, so Themen, aber brandaktuell. Mich hat die Heftigkeit seiner Worte erschüttert, erlebte ich ihn doch überwiegend als einen jungen Menschen, der ganz mit Karriere, Nestbau und dergleichen beschäftigt ist. Irgendwo im Hinterkopf habe ich die Hoffnung, dass am Ende, wenn schon nicht die Moral, so doch die Vernunft siegt, derweil es wird nur Verlierer geben wird, falls.

Das große Kind möchte die Uhr instand setzen lassen und auf seiner Hochzeit tragen. Gefällt mir, sehr sogar.

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Zwischenstand

Eine Woche Mutter einrichten. Drei Tage Verwaltungskram & viele Briefe schreiben. Seit zwei Tagen traurig packen, Ende noch nicht absehbar. Das macht etwas mit mir. Viel sogar, was zu erwarten war. Muss mich nötigen, nicht zu viel zu sichten, aber auch nicht zu wenig. Ratio hat es schwer gegen die Traurigkeit.

Behältnisse der Zeit: Müllsäcke und Kartons.

Nebelbilder

Dieser Eintrag ist Teil von Wortschmiedes Mitmachaktion in Sachen Herbstzauber. Die Bilder sind bereits 4 Jahre alt und wurden an so einem Samstag im November am letzten verbliebenen Sehnsuchtsort meines mittlerweile verstorbenen Vaters aufgenommen, dem Beyenburger Stausee. (Reboot vom untergegangenen Wassertiger)

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Styx, Charon, und Nebel …