Donnerstag, 241031

Zimmer frei

Mutter zieht heute in einer Woche kurzfristig in das Heim der Wahl und ich bin gut beschäftigt, zurückhaltend formuliert. Darum werde ich mich hier bis auf weiteres etwas dünn machen.

Angst. Angst nicht zu genügen, alter Scheiß raubt mir die Nachtruhe. Allmählich wird mir klar, wie tief so manches noch sitzt. Dabei weiß ich, ich kann strukturiert auch Großes herunterarbeiten, kann unterscheiden was „dran“ ist, was wichtig ist, was noch Zeit hat. Und dennoch sitzt sie mir im Nacken, die Angst. Ich möchte nicht perfekt, aber wenigstens verbindlich sein, leider sind nicht alle so unterwegs. Immer wieder Pläne kurzfristig ändern, umdisponieren, geistig beweglich bleiben und diese Scheißangst aushalten. Beten hilft dabei. Dankbarkeit für das, was gelingt, auch. Der Kopf weiß das alles, allein der Bauch will es fühlen und kann manchmal nicht. Also auf das Nächstliegende konzentrieren und Zerstreuung meiden.

Wir bleiben uns gewogen, auf bald oder zwischendurch 👋

Donnerstag, 241024

Vom Segen des Nicht-Dazugehörens

Irgendwann vor 30 Jahren war ich schon einmal verheiratet. Meine erste Frau war in vielerlei Hinsicht speziell, auch ihre Hobbys waren teilweise nicht ganz alltäglich. So war sie zeitweise in einem Sportschützenverein aktiv, eine Freizeitbeschäftigung, mit der ich wenig bis nichts anfangen konnte. Waffen haben für mich nichts mit Sport zu tun, sie sind zum töten gebaut und sonst zu nichts nutze (wenn man in dem Kontext von „Nutzen“ sprechen darf). Damals gelangte man erst ganz langsam zu der Erkenntnis, welche Sorten Mensch diese Vereinigungen sonst noch anzogen Wenn mal wieder einer mit Waffengewalt frei dreht, ist öfter, als man glaubt, eine „Sportschützenvereinigung“ mindestens indirekt beteiligt, und sei es nur durch Entwendung gelagerter Waffen.

Bei uns hatte jedenfalls damals alles seine Ordnung, die Unterbringung von Waffen und Munition war den Vorschriften entsprechend, was zu Beginn dieser Leidenschaft auch einmal (!) kontrolliert wurde. Psychiatrische Gutachten dagegen werden, soweit ich weiß, bis heute nicht verlangt. Die Beweggründe meiner geschiedenen Frau? Kann ich nur erahnen, aber mein damaliger Kumpel, der auch in dieser Szene aktiv war, brachte es mal auf den Punkt: Wir könnten ja, wenn wir wollten, aber natürlich wollen wir nicht. Ist ja nur „Sport“. Irgendwas mit Allmacht-Phantasien, denke ich. Man kennt das. Für mich war das jedenfalls nichts. Einmal war ich mit zum schießen, es war mir schlicht zu laut, trotz Gehörschutz. Und auch sonst nicht meine Welt.

Allerdings – eines muss ich zugeben: Die Präzision einer hochwertigen Waffe hat mich nachhaltig beeindruckt. Meine Ex nannte zeitweise eine „Magnum“ ihr Eigen, ich hatte dieses Mordsteil mal in der Hand und prüfte die Gängigkeit der Einzelteile miteinander. Von Passungen verstehe ich als Werkzeugmacher einiges. Wie gesagt, eine beeindruckende Qualität.

Heute bin ich im 47sten Berufsjahr als Werkzeugmacher, unter anderen. Ich habe jede Menge Drecksarbeit gemacht, Gussgehäuse verputzt, Zentrifugenkessel poliert, auf Uralt-Werkzeugmaschinen Kunststücke aller Art vollbracht, Klaviereinspielautomaten gebaut, Holzbearbeitungsmaschinen überholt, Kupferlamellentaubenschlagsbelüftungen und Messinghandläufe für wen Stinkreiches gebastelt (der brachte mit seiner Exzentrik die Kohle wenigstens unters Volk), tatsächlich auch mal im Formenbau sowie im Schnittebau gearbeitet und seit über 3 Jahrzehnten mache ich „irgendwas mit Autos“ Das ist die Kurzformel für ein Faktotum mit Hang zum digitalen Basteln im Musterbau eines Zulieferbetriebes. Näheres erspare ich mir hier. Mal hat es mich erfüllt, mal fühlte es sich an wie eine bessere Form der Prostitution, meist war es ein Job, für den ich alles Überlebensnotwendige mitbrachte.

Eines ist mir jedoch erspart geblieben: Kriegswirtschaft (wird im Fall der Fälle auch mal angeordnet) oder die freiwillige Mitarbeit in einer Waffenschmiede (die Bezahlung dort ist mehr als gut). Nicht dazugehören in dem Zusammenhang macht mich heute froh und dankbar.

*

Mittwoch, 241023

Der Mond zeigt noch gut die Hälfte und steht derzeit im Zeichen Krebs, wie bei meiner Geburt. Heute exakt vor zwei Jahren, gegen halb 12.00 Uhr dagegen stand er als Neumond im Skorpion und mein Vater durfte sterben.

Keine Ahnung, wo du jetzt bist, irgendwo bleiben wir ja alle, wenn hier Schluss ist. Ausruhen vielleicht, „zur Besinnung kommen“, bevor es wieder losgeht, hier unten. Mir warst du Schreckgespenst, Lehrmeister und Mahner in einer Person. Liebe war es nicht, am Ende wenigstens gegenseitiger Respekt, immerhin.

Sichtbare Zeitzeichen

Montag, 241021

Gestern, so kurz vor Mittag

Die Liebste ruft aus der Küche und ihre Stimme hat so diesen Klang, den ich kenne, den ich fürchte. Dann ist irgend etwas. Sie will den Brunch vorbereiten und aus der Spüle läuft das Wasser. Schmutzwasser, sehr schmutziges sogar. Ich nehme das Malheur in Augenschein. Die Abflussarmaturen sind mittlerweile 18 Jahre alt und seit meinem Einzug damals tatsächlich noch nie gründlich gereinigt worden. Was läuft, das läuft – never touch a running System. Hier jedoch lief es zu gründlich, das Flexrohr war gebrochen und alle Rohre komplett infarktiert. Am liebsten hätte ich den Kram vollständig entsorgt und mir umgehend was Neues besorgt, aber am heiligen Sonntag geht das schlecht. Also rein in den Scheiß, eine extrem stinkende Angelegenheit auf nüchternen Magen. Selbst die Katzen verzogen sich nach anfänglicher Neugier, Diffundierter, ausgehärteter Kunststoff, knochenharte Dichtungen, die alles können, aber nicht mehr dichten. Fazit: Mit Hilfe von Cuttermesser und meterweise Teflonband habe ich die gereinigten Trümmer irgendwie wieder zusammengebastelt – es tropft nur minimal. Mit Schälchen drunter reicht das, bis ich Zeit finde, die Dinge zu tauschen.

Eskapismus

Hilft nicht bei Alltagsbewältigung. Macht diese aber erträglicher.

Sonntag, 241020

Es geht hinauf und wieder hinunter mit den Erkenntnissen oder besser mit den ihnen verbundenen Gefühlen, was einen zeitigen Renteneintritt angeht. Stichworte Rentenpunkte, Versorgungsausgleich, die Unterschiede zwischen rentenversichert, langjährig rentenversichert (35+) und besonders langjährig rentenversichert. Letzteres meint jene wie mene, die nun schon weit über 45 Berufsjahre vorweisen können, leider nützt das nichts, abschlagsfrei geht es erst mit 64/9, in meinem Fall. Sollte ich dennoch mit 63 gehen, sorgen Strafpunkte, Versorgungsausgleich nach Scheidung, Steuern und Sozialabgaben für gerade mal gerundete 55% meines derzeitigen Nettoeinkommens, meiner Rechnung nach. Bleibt abzuwarten, ob die DRV das auch so sieht. Am Jahresende bin ich klüger.

Versorgungsausgleich: Summe der während der Ehe erworbenen geldwerten Rentenpunkte, geteilt durch 2. Strafabzug: 0.3 % pro Monat, gerechnet vom offiziellen Reneteneintrittsalter rückwärts. Sozialabgaben: Kranken- und Pflegeversicherung, derzeit 7,30 % für die Krankenversicherung und 3,05 % (3,40 % für Kinderlose) für die Pflegeversicherung. Besteuerung: Einkommensteuer individuell nach Steuerklasse und abzugsfähigen Ausgaben,  wie im Lohn, im Gehalt. Der Freibetrag sinkt jedes Jahr um 0.5 % und beträgt 2025 noch 15 %. Rentenpunkte: Werden regelmäßig mitgeteilt. Ein Jahr amtlicher Durchschnittverdienst gleich ein Rentenpunkt. Überdurchschnittlichlicher Verdienst erhält mehr, unterdurchschnittlicher weniger. Rentenbeitragsjahre: Ausbildung mit Rentenbeiträgen werden mitgerechnet, Studium nicht. Arbeitslosigkeit wird reduziert mitgerechnet, jedoch nicht 2 Jahre vor dem frühestmöglich abschlagfreien Renteneintrittstermin via Eigenkündigung oder rechtlich gleichstehenden so genannten Aufhebungsvertrag (nie ohne Rechtsbeistand, und bitte keinen parteiischen, dazu zählen auch die von den Gewerkschaften Gestellten).

Warum ich mir so Betrachtungen antue? Ich möchte verstehen. Habe ich auch mal mit der Gasrechnung durchgezogen. Ist was Grundsätzliches bei mir.  Einfach so hinknallen, da, friss, das geht bei mir nicht. Ihr könnt ahnen, welche Folgen das im Berufsleben haben kann, definitiv hatte 🙂.

Sonst so? Das große Kind wird seine Liebste heiraten, was mich für die beiden sehr freut. Man lässt sich Zeit mit der Entscheidungsfindung, der Lokalität, Art und Umfang besagter Feierlichkeit wegen. In letzter Zeit denke ich nicht zuletzt in dem Kontext über die vielen verschiedenen Lebensformen nach. Über die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, wozu auch immer, oder auch nicht. Warum Kinder so oft alles anders machen, mich selbst nicht ausgenommen.

Die vielen Gesichter des Strebens nach dem, was man Lebensglück nennt, beeindrucken mich durchaus. Ich muss sie ja nicht teilen.

Freitag, 241018

Gedanken, bevor es losgeht.

Am Himmel völlt der Mond und ich erhasche ein pixeliges Retrobildchen, aber immerhin. Die Luft scheint dünn heute früh, und es ist seltsam warm. Ich denke nach über dies und das, so unordentlich. Was wichtig sei im Leben. Beständigkeit finde ich gut. Mal gewohnheitsmächtig wünschend, dass die Dinge einfach bleiben, wie sie sind, bin ich doch auch durchwirkt von Neugier. Wenn sich schon dauernd irgend etwas ändern muss, kann man ja auch nach Freundschaft damit trachten.

Die Nachrichten irritieren mich einmal mehr. Da plant einer einen Sieg, er hat einen Siegesplan, so nennt er den. Der Planende hat eine Erkrankung, die ich kenne – die Selbstüberschätzung. Die öffentlichen und teils auch geheimen feuchten Träume von einem, der zum Tauschhandel mit der westlichen Hemisphäre aufruft: Blut gegen Rohstoffe. Die einen werden vergraben, das andere ausgegraben, für eine strahlende Zukunft.

Nicht in meinem Namen.

Besser, ich spüre noch ein wenig dem Retromond nach.

Montag, 241014

Ein Vierteljahrhundert

Neulich zerrte ich einen alten Ordner mit fast 25 Jahre alten Papieren aus dem Schrank. Ich muss immer heftig nießen bei Sichten so alter Sachen, kennt das jemand? Vergangenheitsallergie vielleicht? Einen Tag vor Heiligabend 1999 wurden meine erste Frau und ich geschieden. Natürlich hat es einen Grund, solch alten Mist anzuschauen: Die jeweils erworbenen Rentenpunkte hier wie dort, derweil gegen Jahresende mal ein wenig gerechnet werden soll, von kundiger Stelle. Und so kopiere ich um die 30 Seiten Zahlenwerke, die ich nicht verstehe, bis auf die geldwerte Differenz an Punkten zu meinen Lasten am Ende der Betrachtung. Erwartungsgemäß, das alles, wenn auch unerfreulich.

Allein das Datum – zu dieser Zeit lagen noch rund zwei Monate heftigster Exzesse und Abstürze vor mir, bis ich Ende Februar 2000 fertig mit mir war, im mehrfachen Sinne. Rückblickend war diese Zeit die gruseligste in meinem bisherigen Dasein. Nie habe ich es bereut, mich damals für das Leben entschieden zu haben – ich habe mir das Leben genommen, im wahrhaftigen Sinne, nachdem es mir zum zweiten Mal geschenkt wurde. Stumme Zeugen dieser Zeit sind staubige Papiere, von denen ich damals schon wusste, dass ich sie mir noch genau ein Mal ansehen muss.

Kommen jetzt die Russen?

Die Russen kommen, so hieß es oft in meiner Jugend, wenn die Dinge aus welchen Gründen auch immer völlig aus dem Ruder zu laufen drohten. Mal sah es auch nach gewissen Tagungen so aus, als wären sie schon dagewesen, man kennt das vielleicht. Und ja, es bestand zumindest die theoretische, wenn auch unwahrscheinliche Möglichkeit, dass sie tatsächlich hätten kommen können, die Russen.

Die Schwäche des Einen ist in der großen Politik die Stärke des Anderen und so besteht heute wieder besagte theoretische, wenn auch unwahrscheinliche Möglichkeit, dass sie kommen könnten, die Russen.

Wie komme ich darauf? Neulich fiel hier daheim das WLAN aus. Das kommt alle paar Monate mal vor, für ne Stunde auf zwei oder so, nicht ungewöhnlich also. Meist war das Festnetztelefon davon nicht betroffen, jetzt allerdings schon – keiner zuhause. Was mich dann aber doch ein wenig nervös gemacht hat, war die Tatsache, dass die Liebste und ich auch nicht den geringsten UMTS-Empfang hatten, obgleich in zwei verschiedenen Netzen unterwegs, also zeitgleich kein Mobilnetz und kein Mobiltelefon. Da kommen dann schon komische Gedanken, zumal im Radio darüber nichts zu hören war (die verheimlichen uns was, haben Schiss vor Panik). Zähl mal die Konserven und füll die Wasserkanister auf, wer weiß.

Nach gut einer Stunde ging zunächst das Festnetz wieder, ich rief den Betreiber an, der mir bestätigte, dass die Telekom an den Leitungen geschraubt hatte. Als ich ihm das mit den Mobilnetzen erzählte, war für ein paar Sekunden so ein merkwürdiges Schweigen in der Leitung, gefolgt von – wäre ja ungewöhnlich und so. Jedenfalls war der Spuk schon während des Gesprächs vorüber, alle Netze funktionierten wieder und die Russen kamen vorerst auch noch nicht, immerhin.

Vielleicht sollte ich mir doch mal so eine Kurzwellenfunkkiste besorgen, die kann man zwar nicht essen, wenn sie dann doch mal kommen, die Russen, aber man kann sich dann vielleicht mit anderen darüber unterhalten. Das hilft zwar nix, lenkt aber ein wenig ab, möglicherweise.

Sonntag, 241013

An manchen Ort lernt man schnell
Idyllen nicht zu trauen.

Pascow, Königreiche im Winter

Gute Bildung, feine Umgangsformen. Standesgemäß das Auto, der Wohnort, die Kleidung. Weit sind deine Reisen, breit ist dein Lächeln, geschliffen deine Wortwahl, liberal deine Haltung, du gibst dich tolerant anderen gegenüber.

Selbst das Attribut liebenswürdig lässt sich Dir zuschreiben. Umgänglich, charmant, weltoffen sowieso. Man trifft sich gerne mit Dir, Du bist ein gern gesehener Gast in jeder Runde.

Mir allerdings fehlt etwas an dem Bild. Irgend etwas Dunkles, Dreckiges. Verstehe mich nicht falsch, ich bin wahrlich keiner, der gern im Schmutz wühlt, ganz im Gegenteil, auch ich liebe das Licht. Aber komm, lass mich deine andere Seite nur ahnen. Fluchst Du wenigstens heimlich, wenn Du allein bist? Oh nein, ich möchte nicht in deine Abgründe schauen, nur so ein wenig Wahrhaftigkeit möchte ich spüren. Für das runde Bild, den geschlossenen Kreis. Vielleicht beim nächsten Mal?

Jeder projiziert am liebsten ein Idealbild seiner selbst, ich nehme mich da nicht aus. Gerade hier, so schön öffentlich 🙂 Schadet ja auch nix, die beste Version meiner Selbst fein zu umschreiben. Solange ich auch mit meiner Dunkelheit gut Freund sein kann.

Drabble-Dienstag, 241008

Heute 100 Worte mit:
Verdienst + rächen + offen

Dank an die Puzzleblume für die Ausrichtung.

Er war ein Knüppelchenspazierfahrer – schön in Griffweite hing der Baseballschläger unterm Dach seines Panzers. Manch einer könnte auf die Idee kommen, sich an ihm rächen zu wollen. Seine herablassende Bosheit war überregional berüchtigt.

Nur wenige wussten Bescheid, das waren diejenigen, die schon seinen Vater überlebt hatten, der kleine Kreis der Teflon-Riege. Diese Firma war nicht sein Verdienst, obgleich er mit Hilfestellung Erstaunliches vollbracht hatte. Das arme Kind war einmal zu oft vom Vater niedergemacht worden, einmal zu oft verhauen, und der ganze Schnee erst, der seine Hirnwindungen im Laufe der Jahre passiert hatte. Es bleibt offen, was aus ihm wurde.

Und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er hoffentlich endlich in Frieden.

Montag, 241007

Vom Anfang

Stell dir vor, sagt A., du lebst mit deiner Familie in deinem Dorf, so wie alle deine Vorfahren seit vielen Jahrhunderten. Eines Tages kommen Fremde in dein Dorf. Sie sprechen nicht deine Sprache, sind aber wie du Kinder Abrahams. Du hörst ihre grauenhafte Geschichte, die dein Herz anrührt und öffnest deine Tür, heißt sie willkommen und teilst mit ihnen das wenige, was du hast.

Nach und nach kommen immer mehr und schnell wird klar, ihnen reicht die Hand nicht mehr, die du ihnen ausgestreckt hast. Sie führen an, dass ihr Volk vor 2000 Jahren auf deinem Grund gelebt hatte, sie leiten daraus das Recht ab, dich vom Hof zu jagen und ihre mächtigen Freunde aus aller Welt versorgen sie mit Waffen aller Art, berechnend, aber auch aus Mitgefühl für die an ihnen begangenen Verbrechen. Du hast keine Chance und musst gehen, wer nicht geht, wird in Haft genommen, Monate oder gar Jahre lang, ohne irgend einen Gerichtsbeschluss. Wenn deine Kinder dieses Alter haben, in dem man seine Wut nur schwer kontrollieren kann und in ihrer Ohnmacht Steine werfen, dann werden sie erschossen. Ganze Siedlungen werden so okkupiert, du bist Knecht in deinem eigenen Land.

*

Es ist das Wesen jeder Vergeltung, jeder Rache, dass es selten jene trifft, die es ursächlich verdienen, wenn man den alttestamentarischen Maßstab Auge-um Auge anwenden will. Die Sinnlosigkeit jedes unschuldig getöteten Menschen ist der Motor, der die Spirale immer schneller drehen lässt. Dazu bedienen sich fremde Mächte dieses Konflikts für Stellvertreter-Kriege. Der 7. Oktober 2023 bildete nur einen traurigen Höhepunkt in einer langen Kette von Unmenschlichkeit und Unrecht. Was dem allerdings folgte, ist schlimmer als alttestamentarisch, es ist schlicht barbarisch. Man sagt, die Hoffnung stirbt zuletzt, hier allerdings ist sie schon lange tot.

*