Dieser Eintrag ist Teil vom Drabble-Dienstag, der momentan von der Puzzleblume ausgerichtet wird. Danke dafür!
Die Regeln: 100 Worte, die drei Vorgegebenen müssen mit rein, dürfen nach Herzenslust gebeugt, aber nicht durch Synonyme ersetzt werden. Überschriften, Triggerwarnungen, Fußnoten und dergleichen zählen nicht mit.
Heute mit: Facettenaugen – wohnen – unpässlich
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Keiner kann mich sehen
Erheben Sie sich, Angeklagter. Sie sind Herr Weißnix, geboren am 1.4.1964 in Schnuppertal, wohnen derzeit im Gute-Hoffnung-Stift an der Freiheitsstraße. Sie wissen, warum Sie hier sind? – ok, dann erzählen Sie doch mal den Tathergang aus Ihrer Sicht.
Herr Richter, das wäre sicher nicht geschehen, wären mir nicht die Medikamente ausgegangen. Aber so fühlte ich mich schon am frühen Morgen mehr als unpässlich. Im Bus auf dem Weg zum Doktor verstärkte sich mein Unwohlsein – dann diese Augen an der Busdecke! Alle schauen auf mich! Gut, dass ich diesen Stift dabei hatte, da waren es Facettenaugen und ich stand im Kaleidoskop, unkenntlich!
Gestern Nachmittag, in einer renomierten pneumologischen Gemeinschaftspraxis hier im Tal. Leider am anderen Ende der Stadt, und so fahre ich mal nicht Auto, sondern Öffies samt Schwebse, das geht einfach schneller. Eigentlich wollte ich den Termin schon absagen, so wie den angeraumten Schlaflabortermin. Ich trage nachts Otoplaste in den Ohren, eine Augenmaske, und wenn ich jetzt auch noch einen Schnorchel ins Antlitz verpasst kriege, kann ich mir den Kopf auch gleich abschrauben, allabendlich. Bin dann doch dahin, einer Risikoabschätzung wegen. Der Lungenfunktionstest war jedenfalls in Ordnung, allein diese Erkenntnis war schon etwas wert.
Groß ist der Empfangs- und Warteraum, es hat eine lange Empfangsbar mit einigen Damen dahinter. Drei „Schalter“, zweimal „coming in“ und einmal rausgehen. Ein dicker roter Bodenaufkleber markiert die Wartezone davor, gekrönt von dem Schild „Bitte warten, wir rufen Sie auf“. Man kennt das, Corona und so, außerdem ist es sehr ordentlich deutsch.
Der Tresen ist leer, ich bin der einzige und gehe schon mal vor. Sage einen Gruß, meinen Namen und meinen Termin, worauf ich rüde zurechtgewiesen wurde, erst mal hinter die rote Markierung zu gehen und zu warten, bis ich aufgerufen würde.
??? Schule ist aus, seit 46 Jahren und außerdem, was fehlt der denn bloß? Bleib jetzt bloß nett, sonst kannste warten, biste schwarz wirst, flüstert etwas in mir. Und so trete ich einen taktischen Schritt zurück, um mich am Nachbarplatz zu postionieren, lasse geräuschvoll meine schweren Rucksack auf die im Tresen integrierte Taschenablage knallen. Bitteschön … na geht doch.
Ich warte eine Stunde, mit Termin. Im Behandlungzimmer warte ich immer noch, schaue währendessen mal, was der Onkel Doktor so über mich auf dem Schirm hat. Diagramme, Zahlen und ganz unten fettrot unterlegt meine Weigerung, ins Schlaflabor zu gehen, in Kombi mit meiner Uneinsichtigkeit in alledem.
Fazit: Behandlung abgebrochen, bei erhöhtem Risiko von Schlaganfall und Herzproblemen in Kombination mit Bluthochdruck, den ich nicht habe. Was das Risiko wieder senkt. War das meine Zeit jetzt wert? Irgendwie nicht, aber mein Hausarzt kriegt jetzt nen Bericht vom Luftdoktor, über den widerspenstigen Patienten, der es wagt, selbst zu denken und abzuwägen. Sie haben Bezeichnungen für so einen wie mich, umgekehrt aber auch …
Nun hast du einen Großteil deiner Zeit bereits gelebt. Aus dem alleingelassenem Kind ist längst eine reife Frau, ein reifer Mann geworden. Du „stehst im Leben“, hast möglicherweise Familie oder musstes erleben, wie sich ebensolche schneller wieder auflöst, als sie gegründet wurde. Allein dieses Gefühl von damals hat dich nie losgelassen, das Gefühl, in dieser Welt vollkommen allein dazustehen. Verluste und Trennungen bestärken dies noch. Möglicherweise ergehst du dich in Aktivität, um es nicht zu spüren, oder du betäubst dich, womit auch immer, um eine Weile Ruhe vor dieser tief in dir manifestierten Einsamkeit zu haben. Je nach Grad der Verdrängung wirst du vielleicht psychisch oder körperlich krank.
Halte einmal inne, ich bin immer noch bei dir. Du spürst mich gleich nebenan, irgendwo in deinem Bauch, wo auch deine Einsamkeit sitzt. Ich bin der Trost, den du dir selbst geben kannst, wenn du gelernt hast, zur Ruhe zu kommen und still zu werden. Entgegen deiner früheren Überzeugung ist Reife kein Zustand kurz vor der Fäulnis, sondern eher das Resultat, eine Mischung aus erlebten Leid und Erkenntnis, die dich neue Wege gehen lassen werden – dann, wenn du dich dir gestellt hast, wenn das, was du dann wahrnimmst, weniger schmerzt als dein Zustand zuvor.
Ich bin die Zuversicht, die sich allmählich in dir ausbreitet. langsam, mit den zahlreichen kleinen und größeren neuen Erfahrungen. Die Zuversicht, niemals wirklich allein dazustehen, ich bin immer bei dir und verspreche dir, dass absolut jeder Zustand immer ein Ende findet, so wie er einen Anfang hatte. Ich bin deine neu erfahrene Gewissheit, dass du stets tust, was du kannst, aber nicht in jedem Fall für das Ergebnis verantwortlich bist. Ich bin das Gefühl, dass es gut so ist, wie es ist, auch wenn es nicht schön ist.
Ich bin der, der deine innere Zerrissenheit und deine Brüche wieder zusammenfügt zu einem gefühltem Ganzen, ich bin deine Erkenntnis, immer die Freiheit einer Wahl zu haben, und sei sie auch noch so gut verborgen. Du darfst mit mir hadern und mich beschimpfen, ich lasse dich nie allein und bleibe immer bei dir.
Ja, ich weiß, wo du herkommst. Bescheiden war das, auch wenn sie ihr Bestes gaben. Du hast früh gelernt, dich nur auf dich selbst zu verlassen und bist damit grandios gescheitert. Mond und Venus im 12ten Haus, früher Fluch und später Segen. Du konntest umkehren, stehen bleiben, durftest klar werden mit den Jahren.
Bücher waren dir immer wichtig, schon in ganz jungen Jahren. Später dann, nach deinem zweiten Geburtstag, kamen andere Bücher hinzu, da war viel von mir die Rede. Das meiste blieb in deinem Kopf hängen, aber diese Instanz kann mich nicht erfassen. Ich möchte gefühlt werden. Deine Sehnsucht nach meinem Reich ist ungebrochen, nur die Lokalisierung dessen hat sich geändert. Ich bin nicht irgendwo weit oben oder da draußen, ich bin hier bei dir, immer. Mein Reich ist allumfassend, du gehst zu deiner Zeit nur in ein anderes Zimmer. Hier bin ich bei dir und dort auch.
Fürchte dich nicht, ich bin immer bei dir. Sei du heute für andere der, den du dir damals selbst gewünscht und auch öfter getroffen hast. Und nein, dafür braucht es weder viel Zeit noch große Pläne. Hier und da etwas Freundlichkeit reicht schon, angefangen dir selbst gegenüber.
Zweieinhalb Wochen habe ich dieses Gefühl nicht mehr gehabt – Grundmüdigkeit. 2 Werktage reichen, um es wieder zu spüren. DER Kollege verspricht mir Tags zuvor vergnügliches Quietschgummigrillkäse-essen aus dem Anlassofen (das ist Werkstatt-Dekadenz, es gibt nichts, was sich nicht auch privat nutzen lassen könnte). Und dann isser beim Doktor und ich verzehre Vorräte, Eichhörnchen, ich.
Ansonsten ist arbeitsseitig alles beim alten, stabil sozusagen. Außer, dass noch ein wenig mehr verwaltet werden soll. Die Sache ist nicht wirklich wichtig, Hauptsache, es sieht von außen betrachtet gut aus. Von weit außen. Bis die Kacke irgendwann so dampft, dass die Wolken auch in Übersee komisch riechen. Dann wird schnell gesch(l)ossen. Vorher wird gerechnet. Wann gehen die (Triggerwarnung – Schimpfwort) Boomer endlich freiwillig mehrheitlich in Rente? Was kostet es, den Rest loszuwerden? Wer macht in der Theorie dann noch die Arbeit? Ok, die letzte Frage ist nicht so wichtig, das findet sich.
Gut, dass ich schon so alt bin – diesbezüglich.
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Die anderen Seiten des Lebens gibt es ebenso und die sind weniger kommödienhaftes Laientheater. Mutter lässt in letzter Zeit die ernsthafte Absicht erkennen, in ein Heim umsiedeln zu wollen. Hände und Gelenke wollen nicht mehr, Alltägliches dauert ewig oder geht ohne Hilfe nicht mehr. Degeneration, es wird nicht mehr besser. Und so schauen wir uns um, in Monte Petrols Umgebung, nach Möglichkeit fußläufig erreichbar. Wenn ich einen Wunsch frei habe, dann möge ihr das Ende, wie mein Vater es erleben musste, erspart bleiben.
Köln Hauptbahnhof. Der Zug kommt und fährt pünktlich, was ich erwähnenswert finde. Eine Gruppe Bier-seliger Fußball-Fans steigt mit ein, lautstark, aber friedlich. Der Geräuschpegel ist enorm. Mittlerweile habe ich mich an die vielen Menschen gewöhnt, was bei mir immer eine Weile dauert.
Fast jeder schaut in sein Phon, ich nicht, bin gut damit beschäftigt, die vielfältigen Eindrücke rund um uns herum wahrzunehmen und währenddessen in Frieden bei mir zu bleiben. Es ist voll, zwei schwarze Mädchen setzen sich zu uns, die neben mir macht sich sofort dicht an meiner Seite weiter unten zu schaffen. Eine Steckdose für ihr Ladegerät, ok. Sorry, sagt sie und grinst.
Opladen steigt ein Junge aus, Typ Shit steht in riesigen Buchstaben hinten auf seinem Shirt. Was für ein Statement, denke ich und grinse angesichts meines eigenen Outfits. Schwarzes Shirt mit großem Kinski-Konterfei – Fun? There is no Fun. Typ böser alter weißer Mann, der manchmal Sachen sagt, die heute unsagbar sind und über Scherze lachen kann, die heute nicht mehr lustig sind. Aber in Frieden mit mir und Kinski kennen viele Kinder eh nicht mehr.
Die lauten rot-weißen Zeitgenossen steigen aus, umgehend kehrt Ruhe ein. Die letzten sind noch im Zug, da sehe ich die ersten beiden pissend am Bahnhofszaun stehen. Voll die Blase und groß die Not, kenne ich aus längst vergangenen Tagen, ohne Fußball, aber in vergleichbaren Zuständen.
Zwei Reihen vor mir sitzt ein Kerl, schaut wie alle anderen in sein Phon. Ich sehe nur sein Spiegelbild im Zugfenster, er schaut aus, als würde er nur mühsam seine Tränen zurückhalten. Schlechte Nachrichten, denke ich, oder irgendwas sonstig anrührendes. Ich mag Menschen, denen man ansieht, wie es ihnen geht, auch wenn es offensichtlich nicht gut geht.
Und wieder daheim, Kiez, Katzen, Kissen im Rücken. Ein guter Tag.
Und wieder daheim. Die zwei Reisetage zähle ich mal nicht mit, die sind für mich immer anstrengend. Im Bobbycar ohne Klimaanlage ist es Sommertags nicht sehr entspannend. Auf den Straßen in der Schweiz geht es entspannter zu. Autobahn 120 Km/h und es wird sich daran gehalten. Überhaupt wirken die Menschen auf mich überwiegend freundlich und geduldig, im Vergleich zu hiesigen Zuständen. Das, obgleich es viele Schweizer nicht gerade leicht haben, bei den legendär hohen Preisen dort. Wer qualifiziert ist, verdient richtig gut, andere, gerade aus dem Servicebereich haben mit den Mieten und Preisen allgemein echte Not. Faktor 1.5 bis knapp 2.0 zum Euro kommt hin.
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Wir sind in Dietikon, bis vor ca. 30 Jahren noch dörflich im Limmattal gelegen, heute der Speckgürtel von Zürich, eine der teuersten Städte Europas. Alles wirkt neu, Straßen, Bahnhof, ein opulentes „Shoppi“. Die Sprache, zumindest der Teil, den ich verstehen kann, lässt mich mehr als einmal schmunzeln.
Gratis-Toiletten mit Stoffhandtücher …
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Zürich. Eine unzerstörte Stadt in einem Land, das sich herausgehalten hat, halten konnte. Teils geographisch bedingt, teils wohl auch in seiner Funktion als sicherer Hafen allerlei nicht ganz sauberen Geldes. Wenn ich an die hiesigen Hurraschreier und Möchtegernbeglücker des Rests der Welt mit unserer Lebensform denke – etwas mehr Schweiz, soweit möglich, täte uns politisch unbedingt gut.
Wir geraten ungeplant in eine queere Streetparade, die Stadt ist megavoll, auch abseits der Veranstaltung spüre ich Lebensfreude allerorten.
Der Zoo, wunderschön weit oben gelegen. Mich beeindruckt das riesige Tropenhaus sehr. Ein Ort für den zweiten Blick voller buntschillernder Geschöpfe, die sich teils bestens ihrer Umgebung anpassen. Hier drinnen bin ich eher das Perlhuhn, auf dem Aussichtsturm hat es 40 Grad bei wasserschwangerer Luft und der Schweiss rinnt in Bächen.
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Der eigentliche Grund unserer Reise ist aber ein anderer, so sehenswert die Lokalitäten auch sind. Eines unserer beiden großen Kinder führt uns in die Schweiz, Alice Hanimyan. Sie spielt dort im Team von Karls kühner Gassenschau in dem Stück Reception, ein unbeschreibliches Wasserspektakel.
Die Handlung ist überschaubar – eine Hochzeitsgesellschaft findet sich im Grand Hotel inmitten von Wasser ein. Aus der geplanten fröhlichen Feier wird schnell ein Alptraum, das Hotel unter der Führung des unheimlichen Rezeptionisten scheint verflucht, die sichtbare Welt löst sich nach und nach spektakulär auf. Die Gesellschaft flüchtet, aber nicht allen gelingt dies. Eine Geschichte vom Binden und Lösen.
Das Ganze spielt mitten in einem künstlich angelegtem See, gespickt mit einer Menge Technik und geheimen Zugängen unter Wasser. Hier spielen Stahl, Strom, Feuer, Luft und Wasser auf spektakuläre Weise zusammen, unterstützt von einem rückseitig zur Besuchertribüne stehenden Baukran. Zum Team gehören u.a. Taucher, Schlosser, Werkzeugmacher, Bau-Statiker und IT-Spezialisten, der Aufwand ist unglaublich und die erzielten Effekte im Stück atemberaubend.
Wir hatten mehrfach Gelegenheit, miteinander zu plaudern, fast alle wohnen im Camp, einer nebenan stehenden Camper-Wagenburg.
Das WohnzimmerDie Küche… und Alice ❤️
Während der Aufführung ist fotographieren natürlich verboten, was nicht heißt, dass das nicht geht 😉 Einige wenige Bilder durfte ich so mitnehmen.
Zu Beginn …… während dessen …… und am Ende.
Ein toller, unvergesslicher Abend mit viel Einblick hinter die Kulissen und vielen guten Berührungen, ich bin dankbar dafür.
Ruhiger wird es, und die Müdigkeit nimmt zu. Typisch irgendwie für die ersten arbeitsfreien Tage. Königsklasse ist krank werden, wenn man mal auskömmlich Zeit dazu hat, kenne ich auch, ist jetzt Gott sei Dank kein Thema.
Viel Zeit verbringe ich mit Innenschau, meine momentane Lebenssituation im ausgehenden 9ten Jahrsiebt betreffend. Zufrieden? In Frieden, alles in allem. Vom Außen mal weg, was zählt wirklich – ich folge meiner inneren Stimme. Es gibt keinen Entwurf, keinen Plan, nur das Vertrauen auf Führung. Im Multiversum soll ja vieles möglich sein, mir hat es immer schon an Vorstellungsgabe gemangelt, was mein eigenes Leben angeht. Es findet sich.
Online bin ich die nächste Zeit eher sporadisch, möge man mir das nachsehen.
Dieser Eintrag ist Teil vom Drabble-Dienstag, der momentan von der Puzzleblume ausgerichtet wird. Danke dafür!
Die Regeln: 100 Worte, die drei Vorgegebenen müssen mit rein, dürfen nach Herzenslust gebeugt, aber nicht durch Synonyme ersetzt werden. Überschriften, Triggerwarnungen, Fußnoten und dergleichen zählen nicht mit.
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Die Vorgabe lautet heute: Arme + abfahren + schuldbewusst
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Sie sieht den Zug noch gerade eben abfahren. 3 Stunden Wartezeit, denkt sie, während sie ihr Gepäck auf die staubige Bank absetzt und sich die schmerzenden Arme massiert. Kein WLAN, kein Netz, rein gar nichts gibt es hier, irgendwo im Nirgendwo. Der schmuddelige Bahnhof gäbe eine gute Kulisse für „12 Uhr Mittags“ in Neuauflage ab.
Wäre ihre Mutter nicht so alt, nie hätte es sie hierher verschlagen. Es hatte Wiedersehensfreude, aber auch die üblichen subtilen Vorwürfe, die sie wenig schuldbewusst wegsteckte. Immerhin war Mutter versorgt. Dass sie ihr nicht verzeihen konnte, war ihre Sache. Hätte sie ihr zuliebe bleiben sollen?
Ruhe kehrt ein, gut zwei arbeitsfreie Wochen liegen vor mir, vor uns. Die Zeit scheint sich zu dehnen, alles geht entspannter zu. Von ein paar Tagen Reise in Sachen Familie abgesehen sind wir meist zuhause. Ich bin nicht gerne unterwegs, merke ich in letzter Zeit vermehrt. Die Katzen allein zu lassen, auch wenn sie versorgt sind, tut mir mehr weh als denen. Alte Narben. Dazu kommt der Umstand, dass sich mein Leben seit gut vier Jahren in großen Teilen zunächst um die Eltern, jetzt nur noch um Mutter dreht.
Gutes Karma? Nein eher die Hoffnung auf einen eigenen Gnadentod. So G*tt will eben. Bis dahin tägliches Dasein mit allem, was mich als Mensch ausmacht. Klar im Kopf, so souverän wie möglich im Umgang mit den eigenen Dämonen und darüber hinaus das Leben nicht ernster nehmen, als es ist.
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Schönheit im Alltag, früh morgens auf dem Werkstatthof.
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Manchmal habe ich Fragen, beim hören der Nachrichten. Fragen zum Sprachgebrauch im Umgang mit „Freund“ und „Feind“, der offiziellen staatlichen Sichtweise nach, nicht meiner persönlichen. Was ist zum Beispiel der Unterschied zwischen einem staatlichenAuftragsmord und einer gezielten Tötung, auch ausschalten genannt (was für ein Euphemismus)? Wer verbiegt sich da wem zuliebe und warum?
Du sollst nicht töten. Punkt. So Scheiße einfach kann das sein.
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Meine Lektüre für die kommenden Tage. Ein Buch über den einsamen Tod, im Japanischen auch Kodokushi genannt, und eines über den lebenden Beweis, dass Herkunft nicht alles ist.
Bis dahin lese ich die Mitternachtsbibliothek zu Ende, ein Buch über die vermeintlich surreale Vorstellung von Möglichkeiten im Leben. Die Geschichte eines Menschen, der beschließt, zu sterben und in der Zwischenwelt langsam, aber sicher eines besseren gelehrt wird.