Drabble – Geschichten in 100 Worten

Ab nun ausgerichtet von Wortman – heute:
VHS-Cassette – verzwickt – rascheln

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So Aha-Erlebnisse wie damals, als ich das erste Mal eine DVD schaute. wie unkompliziert im Vergleich mit der antiquierten VHS-Cassette, gelegendlichen Bandsalat inbegriffen, der verzwicktes Gefummel zur Folge haben konnte. Von den riesigen Rekordern mal ganz abgesehen – wohl dem, der sich seinerzeit für das richtige technische System entschied und sich nicht erst eine Betamax-, oder Video 2000-Kiste zulegte, um sich dann irgendwann doch ein VHS-Gerät zu besorgen. Deftiges Scheinegeraschel konnte die Folge sein, derweil alle Geräte exorbitante Preise hatten, in Relation zur Kaufkraft der 80er, 90er Jahre. Mittlerweile ist die DVD auch wieder längst Schnee von vorgestern, heute streamt man.

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PS: Nostalgie war meins nicht so oft, was Technik anging, angeht. Mein Ford-Capri mal ausgenommen 🙂

300 Worte an einem Regensonntag

Folgender Eintrag ist Teil von Christianes Schreibeinladung.
Maximal 300 Worte mit „Horizont – kleinkariert – eintreten„.

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Ein unrasierter Windsonntag mit Kopfweh, wahrscheinlich von der schlechten Luft gestern Abend in der Gaststätte, die dem Hungrigen schon beim eintreten entgegenwabert. Der Treff mit den Freunden ist dagegen mehr wert als jede frische Luft, sei es drum.

Das schreiben fällt gerade nicht leicht, die Worte fließen nicht so wie sonst, zu viel der Logik, der Worte, zu schmal die Brücke zum Gefühl. Andernorts sichere ich nach und nach Blogeinträge. Das mache ich auch mit der kompletten Datenbank, an der ich im Gegensatz zu hier die vollen Rechte habe. Ich sichere über die PDF-Druckfunktion, das dauert, aber alles bleibt frei lesbar erhalten, alle Hyperlinks, die mitunter zum Verständnis wichtig sind, ebenso alle Bilder. Wer nach mir hat schon Interesse an einer WordPress-Datenbank, die nur mit einigem Wissen auch offline lesbar gemacht werden kann? Manches Geschriebene kommt mir im Nachgang nicht gerade kleinkariert, aber teils sehr oberflächlich vor. Spricht für eine geänderte Zeitqualität.

Es tut sich etwas. Ich möchte aufräumen, es gibt ein Ziel, der Umbau eines Zimmers hier. Dort steht ein großes, fein abgedecktes Werkzeugregal, das muss fort. Verschließbare und wasserdichte Boxen für den Keller müssen besorgt werden, Platz für eben jene muss geschaffen werden, Sachen entsorgt werden. So viel Ballast aus vergangenen Zeiten kann weg, auf dass der Horizont wieder besser zu sehen sein wird.

Kleine, aber feine Änderung – ich habe es getan, bin seit einiger Zeit Spotify-Kunde. Und so läuft immer weniger Radio (ich kann die Nachrichten nicht mehr gut ertragen), dafür mehr Sachen für das Herz. Bach, Beethoven ebenso wie klassischer Rock, je nach Stimmungslage. Und – Mensch erinnert sich an längst vergangene Zeiten, in denen auch Krieg unter den Menschen herrschte. Den habe ich mir friedlich gesoffen, was heute nicht mehr geht. Aber – Schönes bleibt, und so läuft Reggae, gerade der Yellowman, rauf und runter.

*Genau 300 der Worte, darf mitspielen* 🙂

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Freitag, 231103

Unser beider Äußeres verhält sich im Laufe der Fellpflege umgekehrt proportional zueinander. Je ansehnlicher Madam dank regelmäßigen Kamm-Einsatz wird, desto entstellter laufe ich durch die Gegend. So werde ich schon schief angeguckt. Hat denn der da, Meth-Arm, oder was? Daran ändert auch der fortgesetzte Einsatz von Leckerchen nur wenig. Die Prozedur unterliegt auch enormen Schwankungen – mal geht das wirklich harmonisch vonstatten, und mal ist Madam mehr als unausstehlich. Tagesform halt, nützt aber nix, wenn sie nicht gnadenlos verfilzen soll.

Und warum heißt die Katze nun Katze? Alte Wortwurzel, leider fast in Vergessenheit geraten. Ursprünglich hieß sie nämlich Kratze, der Krallen wegen, man kennt das. Leider konnten und können die Chinesen kein „r“ aussprechen und jedesmal, wenn sie „Klatze“ sagten, fiel irgendein Germane vor Lachen stumpf um, analog mit dem Sack Reis. Auch kein haltbarer Zustand und so einigte man sich auf ersatzlose Streichung des „r“. Genau so war das.

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Mittwoch, 231101

Nun ist also November. Vater hat frisch bestromtes Licht auf seinem Grab und ich sinniere öfter, als vielleicht manchmal gut tut, über unsere Endlichkeit. Irgendwie war das schon immer so, nur liegt es mir heute nicht mehr wie Blei auf meiner Seele. Wäre übertrieben zu sagen, ich hätte Freundschaft geschlossen mit den uralten Prinzipien Binden und Lösen, aber man kommt sich mit den Jahren näher.

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Wo das Wort gerade fiel, es beschäftigt mich derzeit auch andernorts.
Prinzipien über Personen (aus der 12ten Tradition der anonymen Alkoholiker)

Klingt irgendwie distanziert, etwas abgehoben, hört sich nach Prinzipienreiterei an – könnte man meinen. Die, die uns vorangegangen sind, haben das allerdings anders gemeint. Sie wussten nur zu gut um die Gefahren, die bei aller Sympathie und Anziehung daraus entstehen können, wenn ein suchtkranker Mensch sein Wohlbefinden, seine tägliche abstinente Basis an anderen Menschen festmacht. Ich habe es in den Gruppen selbst erlebt, dass vereinzelt wieder getrunken wurde, als ein auch von mir hochverehrter alter Mann starb. Wobei der Tod die stärkste Form des Abwendens darstellt, so drastisch muss es nicht gleich sein. Menschen können sich abwenden, dafür gibt es unendlich viele Gründe. Und dann? Daran dachten die Freunde, die vor Jahrzehnten diese Zeilen verfassten. Um in der neuen Zeit zu bleiben – Podcasts können von jetzt auf gleich abgeschaltet werden, Stars am Himmel der Szene können bessere Geschäftsmodelle finden oder das Leben manch Hochverehrter offenbart plötzlich ungeahnte Abgründe, die dem bisherigen Bild widersprechen. Sich an Prinzipien zu orientieren bietet hier ein wenig Halt – Orientierung eben, die zugewandtes und liebevolles Miteinander mit einschließt.

Eine kleine, schon lange zurückliegende Episode

Mitte 2000 war es, ich war ein paar Monate trocken, frisch aus Gründen in eine Nachbarstadt migriert. 14tägiger Teilzeitvater im Dauerclinch mit der Mutter und hatte eines Tages straßenwandernd meinen damals noch vierjährigen Sohn an der Hand, der recht unvermittelt zu mir sagte, ich könne froh sein, dass er überhaupt noch käme – Worte, die natürlich nicht die seinen waren.

Ein Stich in ´s Herz folgte, zeitgleich mit der Warnung meiner neuen Freunde. Mach dein Befinden nie ganz und gar an andere Menschen fest, die können sich abwenden – so oft schon hörte man, wenn jemand für die Frau, den Mann, die Kinder trocken wurde, laut eigener Bekundung. Und so bückte ich mich mit flatternden Herzen auf Augenhöhe zu meinem Sohn herab und sagte ihm folgenden Satz, sinngemäß: Ich freue mich doll, wenn du hier bei mir bist, aber ich kann meine Tage hervorragend ohne dich verbringen – ich hab dich sehr lieb, vergiss das nie. Niemals mehr mussten wir solche Gespräche führen und ich bin heute noch dankbar für die geteilten Weisheiten der Alten, die sich als erstaunlich zeitlos erwiesen haben.

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