Samstag, 210814

Gestern, am Freitag, den 13ten. Ein gutes Datum, einen Tagesausflug zu machen und außerdem unser letzter Urlaubstag. Mich zieht es bei solcher Gelegenheit gerne zum Niederrhein. das flache Land und das Wasser wirken ausnehmend beruhigend auf mich, auch die Entfernung ist passend. Unser Ziel ist zunächst die Kleinstadt Rees. Das Städtchen ist sehr beschaulich, liebevoll wieder aufgebaut, nachdem hier wie andernorts am Niederrhein 1945 kaum ein Stein mehr auf dem anderen stand.

Sehenswert ist die Uferpromenade, Reste eines alten jüdischen Friedhofes, ein Altrheinarm, der größtenteils schon verlandet ist, steinerne Zeitzeugen, Gedenktafeln, einige Skulpturen und jede Menge Kleinigkeiten für den, der danach sucht.

Es ist noch Zeit, nach unserem Stadtrundgang, und so beschießen wir, nach Emmerich zu fahren, 17 Km weiter an der niederländischen Grenze. Hier, wo der Rhein seine maximale Ausdehnung hat, bevor er sich auf niederländischer Seite teilt. Die Stadt ist unspektakulär, eine Fußgängerzone, fast alles Nachkriegsbauten oder rekonstruiert. Es gibt ein Rheinmuseum, das leider geschlossen hat, ansonsten wenig für das Auge, vom Strom mal abgesehen. Die Brücke vielleicht noch, wohl immer noch die längste Hängebrücke der Republik.

Aber – unser Besuch sollte sich dennoch lohnen. DAS Highlight des Tages war unsere Einkehr in eine beinahe unscheinbare Kneipe mit Speisegelegenheit und ein paar Tischen draußen. Beinahe heißt, zur Straßenseite hin sitzt ein großer Trupp Niederländer und lässt es sich gut gehen, sie trinken stramm durch und singen lautstark schmutzige Lieder, deutsche wie niederländische. Wir zögern zunächst, nehmen dann weiter hinten umme Ecke einen kleinen Tisch, hier hört man zwar noch etwas, sieht aber von den Besuchern aus dem gelobten Land nichts mehr. Ich freue mich ob des kräftigen Umsatzes für die Wirte, ein schräges Paar, beide vermutet Mitte bis Ende 60, wirken ein wenig aus der Zeit gefallen, aber ausgesprochen sympathisch und freundlich. Schräg ist im übrigen auch die ganze Kneipe, angesichts des schönen Wetters heute verwaist, was mich das Interieur festhalten lässt.

Das Essen wird erst einmal jeweils dem falschen serviert, wir kennen das schon. Ich bekomme das Schnitzel plus Bier, die Liebste die vegetarischen Tortillas. Nee, andersrum, sage ich grinsend und in meinem Kopf legt sich blitzschnell eine Erklärung für den verständnisvoll lächelnden Wirt bereit:

Kennen Sie die Sonnenanbeter? Bestimmt, das sind diese interessanten Insekten mit den etwas speziellen Sexualpraktiken. Nach vollbrachtem Akt gibt es Nachtisch, ja genau. Aber nur für das Weibchen, das Männchen IST der Nachtisch, für das Weibchen. Mir soll es so nicht ergehen, darum bekommt sie ein Schnitzel, vorneweg, wie Sie sehen, funktioniert es, ich lebe noch …

Ein warnender Blick der Liebsten (man kennt sich) sowie die Vorstellung, von dem Blond-bezopften Alt-68er frech grinsend noch einen schönen Tag gewünscht zu bekommen, lässt mich von solcher Art Gedanken Abstand nehmen. Gibt ja noch den Blog für solcher Art Unausgesprochenes.

Voila ..

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