Montag, 221128

Neues Wort gelernt:
Low Performer.

Klingt eigentlich qualifiziert, Low Carb ist doch auch in aller Munde. Leider ist nicht jede Reduktion positiv assoziiert, schon gar nicht, wenn es um die so genannten Low-Performer geht. Für die gab es früher andere, weniger wohlklingende Bezeichungen. Faule Sau zum Beispiel. Womit den Schweinen Unrecht getan wurde, nur weil ein Geschöpf sich auf das unbedingt Notwendige beschränkt, ist es nicht gleich faul.

Der Low-Performer ist ja keineswegs untätig, nur werden seine Tätigkeiten landläufig eben nicht als produktiv angesehen. Wer so wie ich mal dieser Spezies über die Schulter geschaut hat, bekommt ein etwas anderes Bild vermittelt. Sie arbeiten schon hart, wer einmal eine Menge Gesetzestexte über Anforderungsprofile für diese oder jene Entgeldgruppe lesen musste oder gar im regen Austausch mit einem Rechtsanwalt stand, weiß, wieviel Mühe so etwas machen kann. Kommt dann noch eine potentielle Behinderung dazu, steht einem tagesfüllenden Programm nichts mehr im Wege. Achtung: Meiner Erfahrung nach gibt es auch unter zu Recht als behindert bezeichneten Menschen solche und solche. Wer trotz Behinderung sein Tagewerk ausfüllt, hat meine uneingeschränkte Hochachtuung!

Selbst hatte ich einige Male Gelegenheit, den Werdegang mehrerer so genannter Low-Performer sportlich interessiert zu verfolgen. Die werden ja auch nicht als solche geboren, jedenfalls nicht alle. Irgendwann fällt ein innerer Vorhang und dann ist Dienst nach Vorschrift. Tja. Das ersehnte Ziel ist (natürlich abhängig vom Lebensalter respektive weitere Zukunftspläne) eine möglichst ertragreiche Kündigungsschutzklage, die den weiteren Lebensweg zumindest unterstützend mit absichert. Die Leidtragenden in dem Spiel sind in der Regel die Kollegen, die ihren Job noch ernst nehmen und für den Low Performer mitarbeiten müssen.

In kleinen Betrieben findet man den Low Performer darum so gut wie nicht. Nicht nur, weil Nichtsnützigkeit hier gleich auffällt, sondern wegen dem eingeschränkten Kündigungsschutz in solchen Gewerken. In größeren Betrieben, vorzugsweise Konzernen sieht das ganz anders aus. Kann doch nicht gutgehen, dachte ich schon öfter. Doch, ging gut, und manchen Ex-Kollegen sehe ich vor meinem geistigen Auge seinen gerichtlich ausgehandelten Vergleich oder Aufhebungsvertrag als sexuelle Stimulanz unterm Badezimmerspiegel hängen, eine hervoragende allmorgendliche Tageseinstimmung für eine hoffentlich gesegnete Zukunft.

Kann einem schon einen gewissen Respekt abzollen. Allerdings zahlt Mensch für alles einen Preis, soviel ist sicher. Und manch Geister, der ich mich bedienen könnte, werde ich möglicherweise nicht mehr los. Ein verschissenes Karma ist so angenehm auch nicht, zumal das Universum immer antwortet.

Darum:

*

7 Gedanken zu “Montag, 221128

  1. In großen Firmen ist es ein beliebtes Spiel, Mitarbeiter in „High Performer“ und „Low Performer“ einzuteilen, insbesondere wenn beschlossen wurde, Personal abzubauen. Das „Low Performer“ Schild bekommen dann diejenigen, die man, aus welchen Gründen auch immer, loswerden will, unabhängig von deren Arbeitsleistung. Für mich ist es ein arbeitgeberseitiges Etikett, um gewisse Mitarbeiter willentlich zu drangsalieren.

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    1. Genau so wird es gehandhabt. Die einen trifft es verdient, andere nicht. Vielen werden schlicht die Mittel verweigert, um besser arbeiten zu können. Kommt dazu noch ein entsprechendes Arbeitsklima, geht die Stimmung komplett den Bach herunter.

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  2. Wow, ein großartiger Denkanstoß: Da purzeln bei mir viele Bilder aus der Vergangenheit herein. Solcherart Performer waren für mich zusätzlicher Anlass meines Abschieds, da sich Low Performer besonders gut verkaufen konnten und ihre Faulheit anderen erfolgreich umgehängt haben.
    Das passiert dann recht erfolgreich, wenn sie eloquente Maulhelden sind und den Chefitäten Mut zum Handeln und Feingefühl für Wesentliches fehlen.
    Es gibt auch Low Performer, die tatsächlich sogar ein Schläfchen mit offenen Augen während der Arbeitszeit wagen können, ohne darauf angesprochen zu werden. Ja, wenn in systemrelevanten Betrieben das Personal knapp ist und nicht hergezaubert werden kann, dann funktioniert „Arbeit“ auch so: TEAM – toll, ein anderer macht’s!
    Vielen Dank, lieber Reiner, wie immer hast Du Deine Gedanken exquisit dargebracht!

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  3. Man muss ja immer gucken … wer wohin passt.
    In der Arbeit mit behinderten Menschen habe ich gelernt, wenn einer nicht mehr kann, als ein Blatt Papier umzudrehen, dann ist das seine Leistung und verdient volle Anerkennung.
    Wenn in einem – anspruchsvollen und sehr gut bezahlten – Job einer versucht, sich auf jede erdenkliche Weise vor der Arbeit zu drücken, fällt das zurück aufs ganze Team. Die anderen haben irgendwann keine Lust mehr, die Arbeit für ihn mit zu machen und irgendwann reicht’s auch dem Chef und dann gibt’s auch mal die Kündigung.
    Wir haben grad so einen Fall und ich habe für mich daraus gelernt:
    Manche muss man erst raus schmeißen um Mitgefühl mit ihnen entwickeln zu können.
    Denn dacht ich schon … WOW – wie der sich jetzt wohl fühlt ?
    Aber vorher war es einfach nicht trag-bar … im Wort Sinn … und ich konnte beim besten Willen kein Mitgefühl mehr aufbringen

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