Sonntag, 201220

Liest sich gut, das heutige Datum, für Europäer und Amerikaner gleichermaßen, was aufgrund der unterschiedlichen Formate nicht so häufig vorkommt. Selbst mag ich diese Schreibweise, das kommt von dem listen der Ordner- und Dateien-Strukturen, welches mit dem amerikanischen System besser funktioniert. Als Fossil aus dem DOS-Zeitalter habe ich die Schreibweise mit in die Gegenwart genommen.

Sonst so?

Weiße Wände. Es gibt zwei verschiedene. Wie ich darauf kam, weiß ich nicht nicht mehr so ganz genau. Mal mache ich mir Stichworte im Phon, wenn mir ein Thema einfällt, über das zu schreiben sich lohnen könnte. Hängt wahrscheinlich mit meinem Interesse an der japanischen Kultur zusammen. So mag ich die Aufgeräumtheit klassisch möblierter japanischer Räume. Karge Ausstattung und Helligkeit reduziert Mensch auf sich selbst und ist für mich hilfreich bei der inneren Sammlung. Eine andere, eher trübe Variante der Weißen Wand ist das Nichts, welches übrig bleibt, wenn ein Leben im Try & Error – Modus, im beliebten Ausschlussverfahren, seine Vollendung findet. Dies ist nicht für mich, das auch nicht und so weiter. Verneinungen in Serie können zeitweise hilfreich sein, bieten aber langfristig keine Perspektive, was denn nun sein könnte. Von Glück kann Mensch noch sagen, dessen Wand am Ende dann weiß ist. Gibt noch andere Farben. Aber zurück zur meditativen weißen Wand – hätte ich mit der Liebsten so 200 Quadratmeter Wohnraum, nur mal angenommen, dann gäbe es auch solch ein japanisches Zimmer. Der „Rest“ unserer Wohnung wäre dann eher orientalisch geprägt, wie nun auch, auf einem realistischen guten Drittel der angenommenen Wohnfläche. Mag ich ebenso, anders wäre schwierig.

Gesellschaft, Miteinander, Staatsformen. Neulich sah ich in der Mediathek eine Doku über die Ärmelkanal-Insel Sark. Nie von gehört, wenn ich an Inseln im Ärmelkanal dachte, fielen mir höchstens irgendwelche ominösen Steuerparadiese ein. Was mich an dem Bericht erst fesselte, dann empörte und fassungslos machte, war, wie wieder einmal Geld ein historisch gewachsenes, aus der Zeit gefallenes, aber funktionierendes (feudales) Miteinander ruiniert. Im verlinkten Wikipedia-Eintrag wird das unter „Verfassungsreform im 21sten Jahrhundert“ ausführlich beschrieben, wie die Gebrüder David und Frederick Barclay, Milliarden-schwere britische Unternehmer, zunächst den Menschen Demokratie predigten, ihre bisherige Lebensform gar mit den 30ern in Deutschland verglichen, mit dem einzigen Ziel, sich in Sachen Land-Aufkäufe bis zu den höchsten europäischen Gerichtshöfen klagen zu können. Mit Erfolg, leider, aber auch mit Gegenwind seitens der Bewohner, die sich nicht vollständig kaufen lassen wollen, allen wirtschaftlichen Druck der Gebrüder zum Trotze. Respekt!

Was geht mich das an? Staatsformen lassen sich nur bedingt wählen, mit der unsrigen bin ich alles in allem einverstanden, allen Schatten zum Trotze. Auf die persönliche Ebene herunter gebrochen wird es schon interessanter. Die Frage nach einer Lebensform nach dem Ende unserer Erwerbstätigkeit. Werde ich in diesem Leben doch noch ein „geselliger“ Mensch, in Kreisen, die mir nicht beruflich verordnet sind, sondern die ich frei wählen darf? Mal sehen, vielleicht ja ein wenig.

Wäre schön.

12 Gedanken zu “Sonntag, 201220

  1. Also das verstehe ich gut. Wenn ich richtig Kohle und entsprechende Räumlichkeiten hätte, würde ich vielleicht sogar Mottozimmer machen. Weil neben den genannten finde ich auch Vintage, Bauhaus, 79ties usw. cool…
    Spiele gleich Lotto. Kann Euch ja dann gesellig in die neuen paar tausend QM einladen, hihi….

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  2. Auf Grund einer Haushaltsauflösung den Gedanken vorgefunden – und nun hier auch, wenn auch aus anderen Gründen – meine ganze Wohnung möge klar werden – ja ein wenig wie ein karges japanisches Zimmer. Das ist Klarheit für mich – und für die Nachwelt. 🐾

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  3. Me too! – Nein keine Angst, ich oute mich jetzt nicht als Opfer einer Besetzungscouch. Was ich sagen will, ist, mir gefällt dieses Datumsformat auch, und auch meinem Geschmack entsprechen Räume, die im klassischen japanischen Stil eingerichtet sind. Richtig schockiert war ich allerdings vor etlichen Jahren, als ich – wenn ich mich recht erinnere im Rahmen einer Recherche über Tamagotchis – zum ersten mal private Fotos von japanischen Wohnungen sah, die von meiner Vorstellung von japanischer Wohnkultur Lichtjahre entfernt waren: mit relativ geschmacklosen Möbel vollgestopfte Wohnzimmer, in denen die Bewohner noch Unmengen von Technik untergebracht hatten.

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    1. Ja – Anspruch und Wirklichkeit. Schockierend finde ich die Berichte über den Wohnraum-Mangel in den großen japanischen Städten. Was gerade für junge Leute zu einer Art Käfighaltung geführt hat. Winzige Kammern ohne Fenster, geradezu „Schlafsärge“. Die klassische Wohnkultur dagegen mag ich sehr, auch, wenn sie heute selbst in Japan eher die Ausnahme darstellt.

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