Sonntag, 200614 – früher Abend

Ohne jede Erwartung fahre ich eine kleine Runde Rad, wieder einmal in den botanischen Garten, den Wetterradar im Auge. Es geht flott, keine 20 Minuten bis dahin. Ich nehme auf einer Bank am Teich neben einer etwas älteren Dame Platz, packe meine Thermoskanne aus. Oh, Selbstversorger, sagt sie, während sie mich freundlich aus kleinen, blitzenden grauen Augen, gerahmt in immer noch oder immer wieder blonden Haaren, mustert. Worauf ich um Verzeihung für meine Unhöflichkeit bitte, ihr in Ermangelung eines zweiten Bechers nichts anbieten zu können. Sie wolle eh gerade los, sagt sie, wegen ihrem Garten – das Wetter, sie müsse schauen, ob sich im Winde nichts verselbstständigen könne … ich bitte darum, doch noch einen Moment zu bleiben. Und so tauschen wir noch ein paar Sätze über das Wetter, während ich über die tiefen, aber feinen Linien in ihrem Gesicht staune, bevor sie aufbricht. Jedes ältere Gesicht ist ein kleines Kunstwerk – erzählt Geschichten aller Art, regt die Phantasie an.

Was bleibt, ist das Rauschen der riesigen Rhabarberblätter im auffrischenden Wind, vermischt mit türkischen Wortfetzen im Hintergrund. Zeit, für den Heimweg, sagt die Wetter-App.

undefined

~

 

 

 

 

5 Gedanken zu “Sonntag, 200614 – früher Abend

  1. solche kleinen begegnungen sind geschenke im alltag. auch wenn man nur ein paar belanglose worte miteinander wechselt. die menschliche wärme, das wahr genommen werden schwappt rüber und hebt beinahe augenblicklich die laune.
    als alter altenpfleger habe ich ein herz für alte menschen.

    Gefällt 1 Person

Senf dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s