Montag, früher Morgen

4.30 Uhr, in der Küche. Milchkrug in die Mikrowelle, Timer an – BOFF – das war`s mit dem guten Stück. Das darf sein, denke ich, nach 20 Jahren. Natürlich an einem Montag-Morgen, wann auch sonst. Wohin jetzt damit, frage ich mich. Laut Website haben die Wertstoffhöfe geschlossen, aha. Mikrowellen dürfen auch in die Altgerätecontainer, na gut. Also das verreckte Teil für den Transport ein wenig entfettet und ab in den Wagen, kann fein vor der Arbeit erledigt werden, 150 Meter weiter auf der Straße steht so ein Ding.

Soweit der Plan. Ich stehe vor dem Blechkasten und peile diese Schublade an, so ein Ding zum aufklappen, bestücken und beim schließen wird der Schrott dann versenkt. Könnte knapp werden, denkt es in mir. Versuch macht klug, also raus mit dem Teil aus dem Wagen und hinein in die Kipplade. Nach ein paar Versuchen (ist in der Tat sehr eng) landet der Brocken lautstark an dem dafür vorgesehenen Platz, aber – die verdammte Lade lässt sich nicht schließen. Mittlerweile steht schon eine alte Dame im Hauseingang gegenüber, grinst freundlich und wünscht mir einen guten Morgen, den ich so nett als geht erwidere. Was tun – einfach abhauen – ist der erste Gedanke. Sollen sich die Kollegen von der AWG mit dem Scheißding herumärgern, was schreiben die auch „gehört in den Wertstoffcontainer“. Was natürlich nicht geht, weil erstens ziemlich asozial und zweitens notiert garantiert in dem Fall einer mein Autokennzeichen, die freundliche alte Dame lässt grüßen und man ist hier auf dem rot-grünen Ölberg außerdem umweltbewusst, was ich im Allgemeinen auch gut finde, jetzt im Speziellen allerdings weniger.

Und so – wütend und immer lauter fluchend zerre und reiße ich an dem verkeilen Ding umher, das weder vor und zurück will, in der elend zu kleinen Schrottlade. Toll, toll, denke ich, währenddessen ich mich geistig ein wenig vom Geschehen entferne – ein tobendes Rumpelstilzchen mit Kampfjacke., Schiebermütze und knallroter Birne unterhält gerade wild fluchend und lärmend den Berg, kommt her, ihr Spacken und zahlt gefälligst Gage!

Tatsächlich (!) kommt ein junger Mann von der anderen Straßenseite herüber, knapp zwei Köpfe größer als ich, und fragt ein wenig mitleidig, ob er wohl helfen könne. Na gut, mit vereinten Kräften – er überbiegt die Lade ein wenig – kann ich das Drecksteil endlich wieder befreien, Halleluja! Ab in den Keller damit, wird sich finden, wohin, vorzugsweise legal. Erst mal zur Ruhe kommen und arbeiten gehen …

 

6 Gedanken zu “Montag, früher Morgen

  1. „… ein tobendes Rumpelstilzchen mit Kampfjacke., Schiebermütze und knallroter Birne unterhält gerade wild fluchend und lärmend den Berg, kommt her, ihr Spacken und zahlt gefälligst Gage!“

    Mein Applaus ist dir gerade sicher 😉

    Gefällt 1 Person

Senf dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s