Nachdenklich

Immer schon habe ich diejenigen Menschen ein wenig beneidet, die konsequent ihrer so genannten Selbstverwirklichung nachgingen, meist als Freiberufler mit allen Vor- und Nachteilen, aber hauptsächlich mit Liebe und Freude an ihrer jeweiligen Sache.

Selbst habe ich eine klassischen, sehr traditionellen Beruf gelernt, den ich immer noch ausübe. Oft habe ich mit zahlreichen, aus meiner Sicht höchst überflüssigen Regelwerken gehadert und mich über manche scheinbare oder tatsächliche Willkür meines Arbeitgebers empört. Wenn ich allerdings Resümee ziehe, habe ich (für mich) alles richtig gemacht, gerade mit Blick auf die derzeitige Lage, die sich die wenigsten haben vorstellen. Ich mag Tätigkeiten, die noch so etwas wie Wertschöpfung besitzen, bei allen Sinn für, bei aller Freude an Kunst und Kultur.

Systemrelevant (ein mittlerweile arg abgedroschenes Modewort) – das sind für mich, noch vor meiner eigenen Tätigkeit in der Industrie hauptsächlich jede medizinische und pflegerische Kraft, jede Putzfrau, jeder Handwerker. Die wirklich Unverzichtbaren eben.

Davon abgesehen freue ich mich auf eine Zeit, in der ich wieder ohne schlechtes Gewissen Verwandte und Freunde besuchen kann, Theater und Kinobesuche wieder möglich sind und man sich zum Plaudern neben einem alten Mann auf einer Parkbank setzen kann. Meinetwegen auch neben einer alten Frau 😉

„Maskenhaftes“ Plaudern – mich stört sehr die in großen Teilen nicht wahrnehmbare Mimik, verhüllt von dem schützenden Stoff. Fehlt nur noch so `ne verspiegelte Sonnenbrille dazu …

17 Gedanken zu “Nachdenklich

  1. Grundsätzlich bin ich schon lange für die Maskenpflicht. Gleichwohl sehe ich, genau wie du, dass Maske tragen für die Kommunikation und das Miteinander nicht ganz einfach werden wird. Ich spüre auch ohne Mundschutz, wie Menschen im großen Bogen umeinander herumgehen, nicht nur Körperkontakt, sondern auch Blickkontakt vermeiden. Das macht was mit und. Ich fühle mich unwohl in solchen Situationen, habe dann ein Gefühl ausgestoßen und alleine zu sein.
    Auch ist völlig klar, dass Sprache mit Mimik und Augenkontakt besser funktioniert.
    Liebe Grüße flussaufwärts sk

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  2. Das Verhüllungsverbot wird plötzlich zum Gebot….Zukunft auf Distanz…macht in der Tat nachdenklich, wie auch vieles andere in dieser Zeit. Hoffentlich bringen so manche Gedanken etwas Neues, Gutes hervor…
    einen wunderschönen Tag dir! Brig

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  3. Hallo Reiner, die Maskenpflicht finde ich furchtbar. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Stück Stoff (gestern in der Apotheke für 6,99 Euro erstanden) mich oder andere schützen soll. Ich mache das mit, um überhaupt in den Laden zu kommen, ansonsten werde ich keine Maske tragen. Ja, und mit Besuchen tue ich mich sehr schwer. Einerseits möchte ich meine Lieben wiedersehen, auf der anderen Seite wäre es mir wohl unmöglich, zwei Meter weit weg zu bleiben. Meine Freundinnen und ich stellten fest, dass gemeinsame Spaziergänge mit Abstand einfach nicht dasselbe sind. Ich freue mich so sehr darauf, meine Söhne und Schwiegertöchter in die Arme zu nehmen, wenn es wieder möglich ist. Ich befürchte, ich werde sie gar nicht mehr loslassen😂. Ich frage mich gerade, ob ich tatsächlich darauf warten soll, bis es einen Impfstoff gibt🤔……Nein, wahrscheinlich nicht.
    Liebe Grüße aus dem sonnigen Wendland🌼, wobei die anhaltende Trockenheit auch wieder Sorgen bereitet, aber dieses Fass will ich jetzt nicht auch noch aufmachen!😬

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    1. Liebe Regine, es ist, wie es ist … schützen tun die Dinger nicht mich als Träger, bestenfalls die anderen. Mir fehlt auch die Berührung mit anderen Menschen. Wiedersehen mit der Verwandtschaft? Wir tun, was wir für richtig halten, mit Umsicht und Vorsicht. Dazu brauche ich keine Gesetze.

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  4. Hast du dich an die restliche Mimik lesen gewöhnt? Hände reden mehr mit als früher

    Ich hatte ihn im Sommer, den Gast mit Hut, Brille und Maske – ich habe mich getraut ihm zu sagen wie unwohl ich mich dabei fühle und er hat die Brille abgenommen und sich bei mir bedankt, es sei ihm nicht bewusst gewesen.

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      1. Tja, so ein Durchschnitt hat was… Wo ich arbeite, wo meine Liebsten leben, da sind die Zahlen noch immer mehr als doppelt so hoch…
        Ich mag nicht wie der Artikel geschrieben ist – ganz abgesehen davon, dass Weihnachtsferien hier immer zwei Wochen dauern und sie nicht verlängert worden sind.
        „Trotz Knüffeln und shoppen“… ja, wir kaufen wieder ein aber es war davor wieder mehr als ein Monat alles geschlossen – das in den Titel zu stecken ist nicht sehr klug, wenn es auch noch für D geschrieben ist wo jetzt erst geschlossen wird.
        Und der Knüffelkontakt, das ist nicht einer zeitgleich, nicht einer am Tag und auch nicht einer in der Woche, das ist ein einziger und selber Mensch für die ganze Dauer, also gerade seit Oktober bis ? mindestens mitte Januar. Theoretisch kann ich also zu meinen Eltern ins Haus… wenn einer der beiden im Garten ist. Und von der Seite meiner Eltern gesehen wäre es ein Knüffelkontakt pro Person, also zwei… bei vier Kindern und acht Enkel (Partner nicht mitgezählt)
        Kuschelkontakt klingt nur so grosszügig…
        Der Titel hätte besser „Dank Knüffelkontakt und verbotenem shopping“ lauten sollen

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      2. Unter uns: Gesetze und Regeln nehme ich zur Kenntnis, zunächst. Ob ich mich dran halte, hängt davon ab, ab ich ihren Sinn erfassen, einsehen und verstehen kann. Ein wenig Fatalismus ist auch dabei, ja. So lasse ich mir den Kontakt zu meinen Eltern nicht verbieten. Sie werden beide in Kürze gehen. Ob eines „natürlichen“ Todes, mit Corona oder an Verzweiflung über die Vereinsamung, das ist die Frage.

        Mir erklärt man Regeln erst einmal. Oder setzt die Strafen so drastisch an, das es zur Risikoabwägung kommt. Wobei ich vieles durchaus nachvollziehen kann, derzeit.

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