02022020 – und auch wieder Sonntag

Danke, Richard, für deinen Beitrag zur numerischen Tagesqualität des heutigen Tages. Auch ich mag solche Daten und auch Wörter, die von beiden Seiten gelesen werden können.

Beim lesen der Timeline hier bleibt meine Aufmerksamkeit gerade eben bei einem Eintrag beim Alltagsklunker nebenan hängen. Beim Thema Diskriminierung von Frauen, Ausgang des Eintrages sind die Erfahrungen einer Trans-Frau, die für sich nach ihrer Geschlechtsumwandlung feststellt, um wie viel anders, aus ihrer Sicht weniger respektvoller sie als Frau denn als Mann behandelt wird.

Diese Wahrnehmung möchte für mich erweitern. Natürlich bin ich keine Frau und sollte möglicherweise aus der Sicht mancher Zeitgenossin besser schweigen. Was mich davon abhält, ist meine eigene Lebensgeschichte einerseits und die Ausstrahlung mancher Frauen, die ich kennenlernen durfte, andererseits. Achtsamkeit, Respekt und Ausstrahlung eines Menschen haben für mich weniger mit dem Geschlecht zu tun als mit den Signalen, die jeder einzelne Mensch aussendet. Die subtilen Botschaften aus Körperhaltung, Stimmlage, Duktus, dem Auftreten allgemein. Als Kind und Jugendlicher, auch noch weit darüber hinaus war ich beherrscht von Scham, Blockade, Gefangensein in mir selbst, Angst und Unsicherheit. Mit der entsprechenden Ausstrahlung, mit dem entsprechenden Umfeld, mit den entsprechenden Lebensschwierigkeiten.

All dies hat sich mehrfach stark gewandelt, über einer langen Phase dessen, was die Psychos Kompensation nennen, bei mir verbunden mit meiner Suchterkrankung, hin zu echtem und wirklichen Wachstum. Vieles hat sich aufgelöst oder zumindest auf ein erträgliches Maß reduziert – genug ist noch vorhanden, scheint es mir, darum ist es manchmal wichtig, zurück zu schauen, um zu erkennen, welcher Weg schon hinter mir liegt.

Solch ein rückwärtiger Blick macht mich dankbar und erinnert mich an die Magie des Wandels, den ich erfahren durfte, etwas, was bis zum heutigen Tag anhält und vermutlich erst an meinem letzten Tag enden wird.

Veränderungen pflegen sich allmählich zu vollziehen. Das Ausmaß des Wandels ist größer, als wir es täglich spüren. (Richard von Weizsäcker)

Sonst so? Na klar- Sonntag Morgen 🙂

 

Der erste Zweite

Noch liege ich und höre auf der Straße den Regen rauschen, während sich mein Geist allmählich damit anfreundet, gleich aufzustehen. Zugleich sortieren sich die Gedanken, was die Belange des Tages angeht.

86 Lebensjahre vollendet mein Vater heute, wir werden hinfahren, zu ihm in die Klinik. Die Gewissheit des Unausweichlichen liegt wie eine dunkle Wolke auf meiner Seele, nicht plötzlich und nicht unerwartet. Zu tun, was ich kann, ist wie so oft für mich das Gebot der Zeit.

Sonst so? Unsere Lilit hatte Anfang der Woche einen schweren Tag – weil wir hier nicht die Möglichkeit haben, eine große Katzenfamilie unterzubringen (so gerne wir das auch tun würden), war es für die Kleine Zeit, den leider unerfüllbaren und somit leidvollen Wunsch nach Mutterschaft zu unterbinden. Was uns Tränen gekostet hat, obgleich sie schon längst wieder fit ist und gefühlt lebendiger als zuvor.

Gerade war sie noch kuscheln … die Bilder entstanden kurz vor’m schlafen gehen. Die Aktivitäten über meinem Kopf verhinderten im Übrigen, auf dem Sofa einzupennen. Dann regnet es schon mal Sachen, von oben…

💯