Gut zu Fuß

Seit einigen Tagen habe ich so eine Schrittzähler-App auf meinem Phon. Eigentlich überflüssig, aber schon interessant, was da so am Tag zusammen kommt. Meist habe ich das Ding ja bei mir. Nebenan die Jane hat das mit einem Tamagotchi verglichen, dieses imaginäre Wesen aus den unseligen 90ern, welches ständig versorgt werden wollte. Hat etwas, der Vergleich …

Und so drehe ich digital kontrolliert meine Runden, gestern Abend kamen gut 7000 Schritte zusammen, heute nur knapp weniger. Na toll. Aber immerhin – so komme ich an die Luft – hier gestern Abend über die menschenleere Nordbahntrasse – schon ein merkwürdiges Gefühl.

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Beim gehen lasse ich Gedanken und Gefühle kommen und wieder ziehen, bin allein, ohne mich einsam zu fühlen. Nur wenige Geräusche sind schwach zu vernehmen, irgendwo leise Stimmen, entfernt Autos, hier und da irritierte Vögel, die angesichts der milden Temperaturen ihren Kalender vorgestellt haben. Es ist anders als beim radfahren, kein Fahrtwind in den Ohren und alles geht bedeutend langsamer.

Heute Nachmittag dann folgt eine weitere Runde, herunter vom Berg in die Stadt. Eine Weile sitze ich still in St. Laurentius, die Welt ist zumindest akustisch komplett ausgesperrt.

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Beim verlassen der Kirche fällt mir eine Doku aus der Mediathek ein, Thema die steigenden Meeresspiegel. Und da sonst gerade in meinem Kopf nichts weiter los ist, stelle ich mir vor, wie das wohl hier ausschaut, wenn das Tal der Wupper einst zum Fjord wird, Venedig light irgendwie. An den Türmen von St. Laurenz können dann Schiffe festgemacht werden, der Ölberg wird zur Landzunge mit Seeblick, anstelle der Tauben scheißen dann Heerscharen von Möwen alles voll. Überall werden geführte Tauchgänge in das versunkene Beinahe-Atlantis angeboten, Kinder sammeln Seesterne am Ufer, weiße Segelboote werden von Frachtkähnen angetutet, ich könnte Sonntags fein Kahn fahren gehen und unsere alte Burg wäre vermutlich auch wieder voll vermietet, angesichts der abgesoffenen Niederungen. Wie schon gesagt, sonst gerade keiner zuhause, in meinem Kopf. Vorerst jedenfalls lassen zumindest hier die Fluten noch auf sich warten, was sich da anderenorts tut, ist schon schlimm genug

Die nächste Station ist die Hardt – erste Frühlingsboten sind zu sehen, es sind lauschige 15 Grad, bei kräftigen Windböen, die mich auf andere Gedanken bringen. Verkehrte Welt im Februar …

 

 

13 Gedanken zu “Gut zu Fuß

    1. 🙂
      Und – Wuppertal ist nich` der Ruhrpott. Wobei selbst der heute ordentlich grün ist.

      Was ist denn so schlimm an dem Ruf? DAS NRW gibt es eh nicht, ein Kunstgebilde der Alliierten, denen das Kleinklein hier wohl an die Nerven ging. Es gibt das Rheinland und es gibt Westfalen, dazwischen liegen wir, das bergische Land, als Pufferzone sozusagen, zwischen den von einander sehr verschiedenen Landesteilen. Wobei auch das Bergische sehr verschieden in sich ist – gefühlt alle 10 Km ein anderer Dialekt 🙂

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      1. Guten Morgen :-). Nein, NRW ist natürlich nicht schlimm! „Man“ denkt halt sofort an Verkehrschaos und Stau und viel Industrie. Wuppertal kenne ich nicht, wenn ich mal da wäre, dann würde ich gerne mit der Schwebebahn fahren. Ich war mal im Raum Münster. Da gefiel es mir sehr gut. So flaches Land, gut zum Radfahren. Hier sind immer irgendwelche Hügel. Ruhrpott würde mich auch mal interessieren. Dass viel Grün ist, habe ich auch schon gehört. Also, wünsche dir einen tollen Tag. Hier regnet es es schon wieder und es ist grau und trüb. Liebe Grüße

        Gefällt 1 Person

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