Loser Sonntag

Unsere beiden Kater lauschen dem Regen und dösen, jeder auf seinem Lieblingsplatz. Männerwirtschaft dieses Wochenende, die Liebste ist unterwegs und ich habe ungewohnt viel Zeit, das fühlt sich an wie Ruhe vor dem Sturm, angesichts der kommenden Wochen. Das Jahresende ist wie immer gefüllt mit Terminen und Arbeit.

Allein? Ja. Einsam? Eher nicht, meine höhere Macht ist ja bei mir, wenn ich mich nicht abwende. Mein imaginärer, unsichtbarer Freund, wie letztens jemand im Netz abfällig bemerkte. Ein Linker Idealist, der sonst ganz in Ordnung schien. Ich mag Idealisten, auch, wenn ich selbst mich nicht unbedingt so bezeichnen würde. Nachdem ich ihm erklärte, dass wir beide im Grunde das gleiche wollten und mein unsichtbarer, imaginärer Freund dabei sicherlich nicht schaden würde, war erst einmal Ende der Diskussion.

Es gibt so vieles, das größer ist als mein Ego und ich. Kinder zum Beispiel, die sich wie Bolle über den Besuch ihrer Tante freuen. Selbst war ich auch mal so ein Kind und es gab nicht so viele treue Menschen um mich. Oder anderes – der Fortbestand meiner Selbsthilfegruppe, auch, wenn mir die Dienste manchmal lästig sind.

Es ist die Mischung … aus dem so genannten freien Willen und dem meiner höheren Macht oder besser, die Kunst, die beiden zusammen zu bekommen.

Sonst so? Die Mediatheken sind dieser Tage voll mit Dokumentationen über die Geschehnisse von vor 80 Jahren in Deutschland. Ich kann das nicht sehen, ohne dass mir die Tränen kommen. Dennoch schaue ich es mir an, die Auseinandersetzung damit ist wichtig für mich. Mit meiner Familiengeschichte – eine von Abermillionen, eine Geschichte mit Opfern, Tätern, Mitläufern.

Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen (Primo Levi)

~

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7 Gedanken zu “Loser Sonntag

  1. Das Lied haben wir vor gefühlten Ewigkeiten rauf und runter gesungen … ja, es ist wunderbar sich gehalten zu fühlen … und sehr leicht daran zu glauben, wenn man selbst von anderen Menschen gehalten wird. Was aber, wenn man immer wieder – genau betrachtet- allein da steht und an sich nur auf sich selbst Verlass ist? Ich glaube schon an eine tragende Kraft, jedoch es ist unsere eigene, unser Überlebenswille, tief in uns verankert und nicht nur in uns, sondern in allem was lebt. Liebe Grüße von Holda Stern

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