Kalkuliertes Ableben

Das Algorithmen mit Risiko-Faktoren arbeiten und so die Prämienhöhe mancher Versicherung berechnen, ist an sich nichts Neues. Neu dagegen ist mir diese kalte Kosten-Nutzen-Analyse made in USA. Alles, was machbar ist, wird auch angewandt … es ist gruselig. Maschinen errechnen so das potentielle Todes-Datum, spielen sich mitsamt ihren Programmierern Gott-ähnlich auf.

http://www.tagesschau.de/inland/todesalgorithmus-101.html

Niemand bezweifelt ein Abwägen von medizinischen Eingriffen, abhängig vom Lebensalter. So ist mir das Schicksal einer alten Dame noch gut in Erinnerung. Mit 92 Jahren stimmte sie dem Einsatz eines Herzschrittmachers zu, um anschließend nach einem Sturz und folgender Bettlägerigkeit fast ein Jahr lang nicht sterben zu können. Des Menschen Wille kann in letzter Konsequenz grausam sein.

Geht es jedoch so weit wie nun in den Staaten, ist für mich eine rote Linie überschritten. Was nicht viel helfen wird, da früher oder später alle Unsäglichkeiten ihren Weg nach Europa finden werden, leider. Was bleibt, ist die Hoffnung, den Maschinen beizeiten ein Schnippchen schlagen zu dürfen, siehe das im Artikel angeführte Beispiel.

Und ich gebe dann auf, wenn ich aufgebe, und nicht, weil mir eine Maschine das sagt.

*

17 Gedanken zu “Kalkuliertes Ableben

  1. Wenn es nicht ganz blöd läuft, bestimme ich selbst, wann es Zeit ist zu gehen. Das Universum erlaubt sich des öfteren ja mal Späße wie in dem Beispiel.
    Algorithmen bzgl. Menschen folgen nach meiner Logik nicht der Logik, können es auch gar nicht. Denn sie sind immer abhängig vom „derzeitigen Wissensstand“. Derzeitig bedeutet, dass das vorgegebene Wissen zumindest mangelhaft ist, genau wie die Versuche, Leben dort hinein zu pressen. Sie wären vielleicht sinnvoll in Fällen, in denen man voraus sagt, dass Wohnen in Überschwemmungsgebieten zu mehr Wasserschäden führt als in der Wüste. Allerdings weiß man das auch so und muss dafür keine Maschinen anwerfen.
    Es bereitet mir daher große Freude, gegen Algorithmen zu leben. Nach dem Wissensstand von 1984 wäre ich laut Alg. seit 1951 gar nicht am Leben oder aufgrund schwerster Behinderung nur kurz gewesen, da ich über ein gebrochenes Chromosom verfüge. Vielleicht bedingt diese Tatsache meinen lebenslangen Widerstand von klein auf, obwohl ich davon ohne die wissenschaftliche Bestätigung ja eigentlich vor dieser davon gar nichts hätte wissen können.
    Obwohl ich rauche und auch mal Alkohol trinke, esse wonach mein Körper verlangt, ist mein Lungenvolumen optimal, bin ich überaus sportlich, belastbar, ausdauernd und leistungsstark, sehr gesund. Trotz drei Bandscheibenvorfällen klettere, laufe ich und fahre Rad, schlage Purzelbäume, wenn ich mag. Meine Handschrift und Muskulatur sind männlich, mein Körperbau ist sehr weiblich. Entgegen aller Verhaltensprognosen würde ich meine Organe spenden, aber ich selbst will kein Spenderorgan für mich. Ich könnte noch mehr solcher Beispiele anführen. Also Algorithmus, was machst du jetzt? Zerstör dich am besten selbst.
    Dieser ganze Mist dient nur der Profitmaximierung der Versicherungen, damit sie Schadenszahlungen ausschließen können, entstanden durch die Verbindung mit den Banken. Diese ganze Entwicklung ist zutiefst unethisch. und vordergründig zielgerichtet gegen den Menschen zur Mästung des Goldenen Kalbs.

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    1. …gegen den Menschen zur Mästung des Goldenen Kalbs.
      Genau darum geht es.

      Ich freue mich für dich, dass Du gesundheitlich so fit bist, gegen alle Prognosen und mit dieser deiner Geschichte. Prognosen sind immer zweifelhaft – des Menschen Lebenswille lässt sich nicht berechnen. Für mich ist heute meine geistig/seelische Gesundheit ebenso wichtig wie die körperliche, wirken die drei doch stets zusammen. Das ist kein Selbstläufer, sondern führt mich immer wieder an Grenzen, an Stationen, an denen ich etwas lernen soll.

      Was genau das ist – das hält die Spannung und auch die Neugierde aufrecht. Wie weit kann ich kommen, mit meiner Lebensgeschichte? Es bleibt spannend – und Algorithmen können mich mal, ebenso Prognosen. Es hat welche gegeben, nach denen ich nicht mehr wäre – es gibt mich immer noch und es geht mir trotz mancher unangenehmer gesundheitlicher Begleiter und wechselnder Stimmungen so gut wie niemals in meinen ersten 40 Lebensjahren.

      Von daher – alles so Gott will.

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  2. …ich fürchte, denen, die sich dafür zur Verfügung stellen, und das werden die meisten sein, weil sie nicht wissen, was sie tun, wird maschinelles bevorstehen…mir nicht, ich gehe dann einfach weg…fragst du jetzt wohin? …sag ich nicht…obwohl, folgen wird mir eh keiner…doch kann ich mir da sicher sein?

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    1. So in etwa wird es sein – wir folgen denen, die uns voran gegangen sind und andere folgen uns. Zu einer Zeit, die nur ER bestimmt und sonst keiner. Wer sich heute schon frei und willig (?) an diesem System zum Beispiel via Rabatte bei der Krankenversicherung beteiligen will, soll es tun.

      Ohne mich.

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  3. Macht es nu einen so grossen Unterschied ob ein Computer es berechnet oder ob die Krankenkasse entscheidet für wen sich was noch lohnt? Das ist keine Zukunftsmusik, das ist (in Belgien zumindest) realität, auch wenn nicht wirklich laut ausgesprochen. Als meine Schwester meine Rückenmarktransplantation brauchte hatte sie das Glück gerade 39 zu sein. Nur wenige Monate später, mit 40 wäre sie nicht mehr gemacht worden.

    Mich beängstigt viel mehr die Entscheidung alles medizinisch mögliche zu tun, alte Menschen als Versuchskaninchen, als Geldmachine für Krankenhäuser und Pharmaindustrie.

    Wer da Gott spielt, in die eine oder andere Richtung tut nicht gut, für alles gibt es eine Zeit, auch fürs Sterben.

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    1. Zum Glück gibt es den freien Willen, auch, wenn viele Philosophen das anzweifeln. Auch meiner Mutter wollten sie vor drei Jahren noch eine Chemo nach ihrer Brust-OP angedeihen lassen, mit massiv Druck dahinter. Sie hat das abgelehnt und es geht ihr heute ihrem Alter entsprechend soweit gut.

      Ja, alles hat seine Zeit – auch das sterben.

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