Gib alles !

Ich kann ihn nicht mehr hören, diesen Klinkenputzer-Jargon. Wir sollen brennen, für diese oder jene Sache. Stets nicht nur das Beste geben, sondern eben ALLES. Vorzugsweise Arbeitgeber haben diese Einstellung, verständlich, aber inakzeptabel. Alles geben heißt doch, zu Ende gedacht, es ist am Ende nichts mehr da.

So läuft das nicht. 51% gehören immer mir. Da bin ich sozusagen ein sehr beharrlicher, mehrheitlicher Anteilseigner meiner selbst. Mit den verbleibenden 49% kann ich heute in Ruhe, mit Struktur und Ausdauer meine Aufgaben erledigen, sehr wahrscheinlich um einiges effektiver als jene, die diesen Blödsinn glauben, eben „alles“ geben, damit jede Menge Fehler produzieren und am Ende des Tages sozusagen leer sind. Ausgebrannt, von sich selbst ausgebeutet wird dann Zerstreuung gesucht oder so einiges konsumiert, um die Leere zu füllen, die „Gib alles“ hinterlassen hat.

Ein hoher, mir heute zu hoher Preis. Wer jung und ehrgeizig ist, kommt nicht umhin, an diesem Spiel teilzunehmen, sich mit Haut und Haaren zu verkaufen. Vorteil daran sind die entsprechenden Kraftreserven in jüngeren Jahren – nachteilig sind eben die Energien, die dadurch gebunden werden und somit anderen, wichtigen Lebensthemen nicht zur Verfügung stehen. Hilfreich kann dann sein, sich ein wenig als Bühnendarsteller zu produzieren. Ihnen Futter geben, ohne sich selbst zum Fraß vorwerfen zu lassen.

In dem Sinne …

*

15 Gedanken zu “Gib alles !

  1. Da muss ich ein wenig kichern, weil mir wieder eingefallen ist, dass meine letzte schulische Aktivität darin bestand, dass ich dem Direktor der Schule bei der letzten mündlichen Abiturprüfung bezüglich Don Carlos [Schiller] grinsend ins Gesicht sagen konnte: „Sir, geben Sie Gedankenfreiheit.“ und weg war ich.

    😉

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    1. Meine Lendenwirbel machen selten Ärger. Wenn, dann meist, wenn ich mit dem Kopp durch die Wand will, Dinge versuche zu ändern, die nicht zu ändern sind. Anders die Halswirbel, denen lass`ich besondere Aufmerksamkeit zukommen … spezielle Gymnastik und achten, dass mir nichts im Nacken sitzt … oder besser nicht zu lange.

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      1. HWS-Gymnastik hilft – beseitigt zwar nicht den Verschleiß, kräftigt aber die Muskulatur rundherum. So hatte ich ständig und lange Ärger mit Rippenblockaden, deren Auslöser im Nackenbereich zu suchen war. Seitdem ich meine morgendlichen Übungen um weitere 10 Minuten für die HWS ausgebaut habe, geht es mir deutlich besser. Ich widme mir jeden Morgen eine knappe halbe Stunde … manchmal sehr gerne und manchmal nur mit Disziplin 😉

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  2. „Alles geben“, spruch aus vergangener Zeit – das war beim Titellesen schon klar, DAS tue ich nicht mehr.
    Und dann lese ich „51% gehören immer mir. Da bin ich sozusagen ein sehr beharrlicher, mehrheitlicher Anteilseigner meiner selbst“ – Ja, klar, natürlich… aber warum braucht es erst das lesen hier um mir dessen bewusst zu werden, so sollte es sein.
    Mir fallen auf anhieb einige Situationen ein wo ich nicht mehr alles gebe, aber noch mehr als mir auf dauer gut tut… im Schnitt sollten mir 51% bleiben (beim „immer“ bin ich noch gedanklich nicht)
    Jetzt hat Achtsamkeit eine Zahl, ich bin ein Zahlenmensch
    Danke dir für meine ganz persönliche „Aria 51“ – Sperrgebiet 🙂

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    1. Ich hab`s auch nicht aus „Einsicht“ verstanden – vielmehr ist es für mich eher Überlebens-wichtig, bei mir zu bleiben. Eben nicht „außer mir“. In solchen Zuständen habe ich die Leere auf meine Weise gefüllt …

      Zahlen bieten da manchmal eine gute Basis für Gleichnisse 😉

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